5. Wortwahl, die verbindet

5.1 Gendern und inklusive Sprache

Dann wäre da noch das Gender-Thema, das bereits seit längerem hitzige Diskussionen auslöst. Inklusive Sprache und Kommunikation darf keine Ausnahme mehr sein. Oft ist es eine wahre Herausforderung, Kund*innen von inklusiver Sprache zu überzeugen. Gerade bei Werbeslogans sehen viele Auftraggeber*innen die Problematik der Reproduktion traditioneller, veralteter Rollenbilder nicht ein. Aber auch Stellenanzeigen oder Websiteinhalte sind davon betroffen.

Hier müssen Werbetreibende klare Empfehlungen aussprechen. Sie sind die Fachleute, die Kund*innen mit entsprechender Beratung beistehen sollen und haben daher letztlich eine zentrale Verantwortung dafür, wie das Endergebnis aussieht. Kund*innen müssen auf Missstände hingewiesen und informiert werden. Man kann es wie einen Bildungsauftrag sehen: Personen, die in der Werbebranche tätig sind, haben die bedeutsame Aufgabe, Auftraggeber*innen für die Gender-Thematik zumindest zu sensibilisieren. Blindheit gegenüber Geschlechtsidentitäten sollte heute nicht mehr existieren. Vor allem FLINTA* und LGBTQIA+ Personen werden hier gerne absichtlich übersehen.

Gegensteuern lautet das Motto: Eine*n Kund*in vom Gendern zu überzeugen ist besser als kein*e Kund*in. Auch wenn es oft kräftezehrend sein kann: Bitte nicht aufgeben, liebe Werbebranche! Nach und nach können wir immer mehr Menschen auf unsere Seite holen.

Die Stadt Wien machts vor und gibt mit ihrem Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren und diskriminierungsfreie Bildsprache einheitliche Standards vor.

Manche Kund*innen sehen die Thematik vielleicht ganz anders. Da gibt es manchmal auch einen Generationsunterschied. Zur Verantwortung von Agenturen gehört es Kund*innen zu sensibilisieren. Es ist oft zeitintensiv, aber zumindest gibt es einen Handlungsspielraum, in dem wir das versuchen können. Diese Verantwortung müssen wir auch wahrnehmen.

Andrea Neureiter
Head of Social in einer Digitalagentur