10.2 Glossar – Begriffe erklärt
Ableismus
Ableismus (von Englisch „able-“ + „-ismus“) beschreibt als Begriff die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen, die Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen und inkludiert auch institutionelle Gewalt und Diskriminierung. Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen ist gesetzlich verboten.
Auch positive Zuschreibungen können ableistisch sein. Zum Beispiel, wenn jemand nur auf Grund der eigenen Behinderung als Held angesehen und (nur dafür gelobt) wird.
Weitere Erklärungen zu dem Begriff bietet der Österreichische Behindertenrat: Was ist „Ableismus“?
Assistiven Technologien
Assistive Technologien sind Soft- und Hardware-Anwendungen, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, digitale Angebote wie Software, MobileApps oder Webseiten zu nutzen. Dies sind zum Beispiel Screenreader, die die sichtbaren Inhalte vorlesen, Braille-Zeilen oder Braille-Drucker, die Inhalte in Braille-Schrift tastbar darstellen, Vergrößerungssoftware oder Spracherkennungssoftware. Diese Technologien werden zum Teil bereits mit dem Betriebssystem angeboten oder können als eigenständige Software oder Hardware installiert werden.
Intersektionalität
Das Konzept der Intersektionalität beschreibt unterschiedliche Merkmale von Diversität und die damit verbundenen Diskriminierungen. Es werden mehrfache und einander überschneidende Faktoren von Diskriminierung sichtbar gemacht, zum Beispiel für Frauen mit Behinderungen, für ältere Frauen oder für Frauen mit Migrationshintergrund.
PDF Accessibility Checker (PAC)
PDF/UA steht für PDF/Universal Accessibility und ist der internationale Standard für barrierefreie PDF-Dokumente. Der PDF Accessibility Checker ist kostenlos und überprüft, ob PDF-Dokumente barrierefrei sind. Grundlage sind die WCAG-Richtlinien (siehe dazu unter WCAG).
Den PDF Accessibility Checker können Sie hier herunterladen: PDF Accessibility Checker (PAC) 2024.
Relay-Service
Das Relay-Service ist eine Möglichkeit, Gebärdensprach-Dolmetscher*innen über Video einzubinden. Das kann auch über ein Smartphone erfolgen. Das ÖGS Relay-Service von ÖGS barrierefrei wird nur für Telefonate verwendet, aber nicht vor Ort und nicht mit Termin.
Der Österreichische Gehörlosenbund bietet so ein Service für die Österreichische Gebärdensprache an: Service-Center ÖGS barrierefrei ÖGS Relay-Service
Screenreader
Screenreader sind Software-Programme, die digitale Inhalte vorlesen können, zum Beispiel Inhalte auf Webseiten. Auch in manchen Smartphones gibt es Screenreader-Programme. Screenreader können mehr als nur vorlesen. Mit Tastenkombinationen können auch Inhalte angesteuert werden.
Sexismus
Sexismus ist die systematische Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Von Sexismus sind Männer und Frauen betroffen, doch Sexismus betrifft Frauen anders und auch häufiger negativ.
Die Grundlage von Sexismus bilden Geschlechter-Stereotype, das sind gesellschaftliche Vorstellungen über Männer und Frauen. Mit diesen Stereotypen sind auch Erwartungen verbunden, wie sich Frauen oder Männer verhalten sollen (Geschlechterrollen). Ein traditionelles Rollenverständnis ordnet Männer und Frauen entgegengesetzten Bereichen der Gesellschaft zu. Dabei wird die Rolle der Frau jener des Mannes untergeordnet. Männer werden im sexistischen Geschlechtermodell zwar ebenfalls eingeschränkt, nehmen darin aber eine privilegierte Position ein.
Sexismus-Konzepte verändern sich im Laufe der Zeit und so nehmen traditionelle Ausformungen Bezug auf Geschlechterstereotype und Rollen. Dabei berufen sie sich auf die generelle Unterlegenheit von Frauen. Sogenannte Neosexismen gehen davon aus, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden und leugnen Diskriminierung.
Taktile Bodeninformationen (TBI) und taktiles Leitsystem
TBI sind taktile Bodenmarkierungen, die erhaben oder vertieft sind. Blinde oder sehbehinderte Menschen, die einen weißen Langstock nutzen, benötigen taktile Bodeninformationen vor allem dort, wo keine anderen, mit dem Langstock tastbaren, Raumstrukturen sind, zum Beispiel entlang von Bahnsteigen.
Trans*-, Inter*- und Homophobie
Transphobie ist die Angst (Phobie, altgriechisch: Angst oder Furcht), soziale Abneigung oder Feindseligkeit gegenüber Menschen, die in ihrer Geschlechtsidentität oder in ihrem geschlechtlichen Auftreten von der Norm abweichen oder nicht eindeutig als Mann oder Frau zu erkennen sind.
Homophobie ist die Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen. Betroffene werden oft negativ bewertet, beschimpft, herabgewürdigt, benachteiligt oder sogar körperlich angegriffen.
Interphobie ist die Angst vor zwischengeschlechtlichen Lebens- und Ausdrucksweisen und vor körperlich-geschlechtlicher Vielfalt, die zu Gewalt, Diskriminierung, Ausgrenzung und der medizinisch-gesellschaftlich-rechtlichen Unmöglichkeit von Inter*-Identitäten und Körperlichkeiten führt.
Unterstützte Kommunikation (UK)
Unterstützte Kommunikation (abgekürzt UK) ist die deutsche Bezeichnung für das internationale Fachgebiet Augmentative and Alternative Communication (AAC). Wörtlich übersetzt bedeutet der englische Fachausdruck „ergänzende und ersetzende Kommunikation“, womit alle Kommunikationsformen gemeint sind, die fehlende Lautsprache ergänzen (augmentative) oder ersetzen (alternative).
Unterstützte Kommunikation ist ein Oberbegriff für alle pädagogischen oder therapeutischen Maßnahmen sowie technischen Hilfsmittel zur Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten von Menschen, die nicht oder kaum über Lautsprache verfügen. Beispiele sind die Einführung von Bild- oder Symbolkarten oder einer Kommunikationstafel zur Verständigung, die Versorgung mit einem Sprachausgabegerät oder die Ergänzung der Lautsprache durch das Gebärden von Schlüsselwörtern.
WCAG-Richtlinien
Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind internationale Richtlinien des Word Wide Web Konsortiums (kurz: 3WC) für ein barrierefreies Web. Das 3WC ist eine internationale Gemeinschaft, die Standards für die Benutzung des Internet entwickelt. Die WCAG definiert drei Level der Barrierefreiheit im Web: A, AA und AAA. Um barrierefrei zu sein, müssen alle A und alle AA-Kriterien erfüllt sein.