geb. Deutsch, 1918 – 2004

Mir erschien es als unmöglich, in Schwimmbädern zu schwimmen, in denen das Schild ,Hunden und Juden der Eintritt verboten' nur für die Zeit der Olympiade abgenommen wurde.

Judith Deutsch war eine mehrfach ausgezeichnete Wiener Schwimmerin. 1936 verzichtete sie aus Protest auf ein Antreten bei den Olympischen Spielen, sie wurde daraufhin vom Österreichischen Schwimmverein gesperrt und verließ Österreich rechtzeitig 1938. Sie wurde erst spät rehabilitiert und ihre sportlichen Errungenschaften erneut gewürdigt.

Bild © Benjamin Haspel
Bild © Benjamin Haspel

Judith Deutsch wurde 1918 in eine jüdische Familie geboren. Ihr Vater war Vorturner der Damenriege des 1. Wiener Jüdischen Turnvereins. Ihre Mutter war eine der ersten promovierten Germanistinnen Österreichs. Im Nationalsozialismus wurde ihr Doktorat aus antisemitischen Gründen aberkannt.

Deutsch trat als talentierte Schwimmerin in den jüdischen Wiener Sportklub Hakoah ein. Sie wurde mehrfache österreichische Meisterin und Rekordhalterin in verschiedenen Schwimmdisziplinen, u.a. mit 15 Jahren österreichische Meisterin und gleichzeitig Elfte der Weltrangliste über 400 Meter Freistil.

Für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin wurde Judith Deutsch mit sieben weiteren jüdischen Sportler*innen für das Österreich-Team nominiert. Alle Schwimmerinnen, der Ringer Fincsus und die Leichtathleten Gottlieb und Neumann weigerten sich aus Protest gegen die NS-Ideologie teilzunehmen. Die Schwimmerinnen Judith Deutsch-Haspel, Lucie Goldner und Ruth Langer wurden darauf durch den Österreichischen Schwimmverband lebenslänglich gesperrt und ihnen alle nationalen Titel aberkannt.

1938 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Palästina. 1939 gewann sie für die Hebräische Universität in Jerusalem bei den World University Games Silber.

1999 überbrachte Otmar Brix, Präsident des Österreichischen Schwimmvereins ein Entschuldigungsschreiben, das die Sanktionen aufhob und ihre Titel und Rekorde wieder eintrug.

Unter der Regie von Yaron Zilberman wurde 2004 mit dem Titel „Watermarks“ die Geschichte der Hakoah-Schwimmerinnen verfilmt. Im selben Jahr starb Deutsch-Haspel in Hezrliya, Israel.

Auszeichnungen:

1981 International Jewish Sports Hall of Fame 

1935 Goldene Ehrennadel für die Österreichischen Sportlerin des Jahres

Quellen (Auswahl):

geschichtewiki.wien.gv.at/Judith_Deutsch-Haspel

gedenkbuch.univie.ac.at/person/bernhard-haspel

biografia.sabiado.at/deutsch-judith/

Susanne Helene Betz, Monika Löscher u. Pia Schölnberger (Hg.): "... mehr als ein Sportverein". 100 Jahre Hakoah Wien 1909–2009, Innsbruck, Wien u. Bozen 2009