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6.3 Schwindendes Vertrauen und politische Selbstwirksamkeit

6. Partizipation junger Wiener*innen

Die Tatsache, dass ein immer größer werdender Anteil an Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in Wien leben bei demokratischen Wahlen aufgrund der fehlenden österreichischen Staatsbürgerschaft nicht teilhaben kann, trifft auf ein sinkendes Vertrauen in Institutionen der repräsentativen Demokratie. Jugendliche und junge Erwachsene in Österreich stehen der Demokratie, als politisches System, grundsätzlich positiv gegenüber – doch ihr Vertrauen in die politischen Institutionen in Österreich geht zurück. 2024 denken nur noch 44 %, im Vergleich zu 69 % im Jahr 2018, dass das politische System in Österreich gut funktioniere. In Befragungen zeigt sich, dass nur 22 % der 16- bis 25-Jährigen der Politik „sehr“ oder „ziemlich“ vertrauen, während der Großteil „wenig“ oder „gar nicht“ angibt.

Das schwindende Vertrauen in Institutionen der repräsentativen Demokratie kann dazu führen, dass junge Menschen sich bei Wahlen weniger beteiligen. So zeigt z.B. eine Untersuchung zur Partizipation bei der Wahl zum Europäischen Parlament im Jahr 2024, dass lediglich 32 % der in Österreich zur EU-Wahl wahlberechtigten 15- bis 24-Jährigen an dieser Wahl teilgenommen haben. Bei den über 55-Jährigen in Österreich zur EU-Wahl wahlberechtigten Bürger*innen lag die Wahlbeteiligung bei 69 %. Als Grund für die niedrige Wahlbeteiligung gibt die Hälfte der jüngsten Altersgruppe an, nicht an den EU-Wahlen teilgenommen zu haben, weil „sie nie wählen“, während 42 % „kein Interesse an Politik“ haben. Dieses Ergebnis legt nahe, dass die Teilhabe an demokratiepolitisch wichtigen Wahlen von jungen Menschen teilweise als weniger wichtig eingeschätzt wird als von älteren Generationen.

Politische Selbstwirksamkeit beschreibt das Vertrauen einer Person in die Fähigkeit, durch politisches Engagement Einfluss auf politische Entscheidungen oder gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen. Selbstwirksamkeit ist ein zentraler Faktor für die Motivation, sich politisch zu beteiligen. Ungefähr die Hälfte der jungen Menschen in Österreich ist davon überzeugt, mit politischer Beteiligung etwas bewirken können. Beachtenswert ist, dass dieses Vertrauen in die eigene politische Selbstwirksamkeit jedoch nicht gleich verteilt ist. Wie eine Untersuchung zu den Lebenslagen junger Menschen in Österreich zeigt, ist dieses Vertrauen in die eigene politische Selbstwirksamkeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die über geringere Einkommen verfügen, weitaus weniger gegeben.

Ein wichtiger Faktor, um politische Selbstwirksamkeit entwickeln zu können ist ein Bewusstsein zur eigenen Rolle in einer Demokratie. Eine 2024 erschienene Studie über junge Menschen und Demokratie zeigt jedoch, dass ein erheblicher Anteil junger Menschen in Österreich das Gefühl hat, in der Schule unzureichend auf ihre politische Rolle in der Gesellschaft vorbereitet zu werden. Rund die Hälfte der Befragten gibt an zu wenig über politische Beteiligungsmöglichkeiten zu wissen. 58 % der Jugendlichen sagen, dass sie zu wenig darüber gelernt haben, wie man politische Diskussionen führt. Junge Menschen mit geringen sozioökonomischen Ressourcen berichten insbesondere, dass sie im Rahmen der schulischen politischen Bildung unzureichend über ihre Rechte als Bürger*innen informiert wurden.

Fehlt es an sozioökonomischen Ressourcen, wie Zeit und Geld, und/oder (politischer) Bildung im privaten oder schulischen Umfeld, kann dies nicht nur zu einem geringeren Interesse an politischen Themen führen, sondern auch das Vertrauen in demokratische Institutionen und Prozesse untergraben, sowie die persönliche politische Selbstwirksamkeit in Frage stellen.

Die Tatsache, dass 42,4 % der 16- bis 24-jährigen Wiener*innen aufgrund fehlender österreichischer Staatsbürgerschaft vom Wahlrecht ausgeschlossen sind und die Tatsache, dass viele junge Menschen trotz Wahlrecht nicht wählen gehen, führen potenziell dazu, dass die Meinungen von Menschen, die nicht wählen dürfen oder sich entscheiden nicht zu wählen, in politischen Entscheidungsprozessen weniger berücksichtigt werden. Einerseits stellt dies ein Problem für die demokratiepolitische Legitimation einer gewählten Vertretung dar. Anderseits kann das fehlende Wahlrecht vor allem für junge Menschen ein gewichtiges Hindernis für die Identifikation als Wiener*in und Österreicher*in und für das Zugehörigkeitsgefühl zur demokratischen Gemeinschaft bedeuten.

Mit der wachsenden Anzahl an nicht wahlberechtigten jungen Wiener*innen und dem rückläufigen Interesse junger Menschen an Politik entstehen bedeutende Herausforderungen bei der Einbindung dieser Altersgruppe in politische Prozesse.