6.4 Aktuelle Maßnahmen und Projekte (Auswahl)
Die Stadt Wien hat in den letzten Jahren viele wichtige Schritte gesetzt, um die Partizipation von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Einerseits um den Stimmen der wachsenden Anzahl von nicht wahlberechtigten Jugendlichen im politischen Diskurs Gehör zu verschaffen, andererseits um die Möglichkeiten der direkten Beteiligung auszuweiten.
Da Beteiligungsrechte, die an die Staatsbürgerschaft gebunden sind, Bundeskompetenz sind, und somit nicht auf Landes- oder Stadtebene verändert werden können, fokussiert die Stadt Wien hier auch auf alternative Beteiligungsangebote und versucht durch Möglichkeiten der deliberativ-partizipativen Demokratie abseits von Wahlen die Türen der politischen Beteiligung und Mitbestimmung zu öffnen.
Werkstadt Junges Wien
Im Rahmen dieses bisher größten Beteiligungsprozesses von Kindern und Jugendlichen in Wien brachten mehr als 22.000 junge Menschen ihre Ideen und Anliegen ein. Daraus entstand die Kinder- und Jugendstrategie 2020–2025, die 193 konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen junger Menschen in Wien umfasst.
Zentrale Maßnahmen der Strategie:
- Dialog auf Augenhöhe: Ein Leitfaden für die effektive Partizipation von Kindern und Jugendlichen in politischen Entscheidungsprozessen.
- Kinder- und Jugendparlament: Ein Gremium, in dem junge Wiener*innen (5-20 Jahre) regelmäßig mit der Stadtregierung diskutieren, Fortschritte der Kinder- und Jugendstrategie evaluieren und gemeinsam Stellungnahmen erarbeiten.
- Kinder- und Jugendmillion: Ein partizipatives Budget in der Höhe von 1 Million Euro, das jungen Menschen ermöglicht, eigene Projektideen einzureichen und in Form einer Onlineabstimmung über deren Umsetzung zu entscheiden.
2025 wird die 2. Kinder- und Jugendstrategie für die Periode 2025-2030 ausgearbeitet, die zusammen mit dem Kinder- und Jugendparlament verfasst wird.
Wiener Jugendzentren
Der gemeinnützige Verein Wiener Jugendzentren bietet offene Kinder- und Jugendarbeit in mehr als 40 Einrichtungen in Wien. Diese sind nicht nur eine Anlaufstelle für die Freizeitgestaltung von Jugendlichen. Sie sind auch Orte, an denen niederschwellige politische Bildung stattfinden kann.
Word Up! Jugendparlamente: Die Wiener Jugendzentren organisieren zusammen mit Kooperationspartner*innen die partizipativen Jugendparlamente auf Bezirksebene. Hier können Schüler*innen Demokratie erleben, ihrer eigenen Ideen einbringen und so direkt ihren Bezirk mitgestalten.
Bereits 2015 starteten die Wiener Jugendzentren die #InitiativeWahlrecht um Bewusstsein für politische Teilhabe und das Demokratiedefizit zu schaffen. Vor der Wien-Wahl 2025 konnten betroffene Jugendliche in einem Mediengespräch zu Wort kommen und ihre Erfahrungen mit dem fehlenden Wahlrecht mit Expert*innen teilen.
WienXtra
WienXtra bietet ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen, Informationen, Bildungsangeboten und Beratungen für alle Kinder und jungen Menschen in Wien. Mit ihrer neuen Online- und Social-Media-Plattform „Frish“ sprechen sie gezielt Jugendliche an und organisieren ein abwechslungsreiches Programm, das jungen Menschen unter anderem die Möglichkeit bietet, mehr über politisches Engagement und Aktivismus zu erfahren. Im Rahmen der Wien-Wahl 2025 beispielsweise hat WienXtra ein „Blind Date“ mit der Wiener Stadtpolitik ins Leben gerufen, bei dem Jugendliche anonym Fragen an Vertreter*innen des Wiener Landtags stellen konnten. Zudem wurde ein Parteien-Check entwickelt, um Jugendliche bei ihrer Wahlentscheidung zu unterstützen.
Fachstelle Demokratie
Die Fachstelle Demokratie fördert und gestaltet niederschwellige demokratische Bildung und Teilhabe und unterstützt Praktiker*innen der außerschulischen Jugendarbeit mit Beratung, Workshops, Weiterbildungen, Informationsmaterialien und Forschung.
Büro für Mitwirkung
Das Büro für Mitwirkung ist eine Anlaufstelle für die aktive Mitgestaltung in der Stadt. Ziel ist es mehr Beteiligung für Wiener*innen zu ermöglichen und eine lebendige Demokratie zu fördern.
Mit dem Wiener Klimateam können Wiener*innen Ideen für ihren Bezirk einbringen und so zusammen mit Politik und Verwaltung ihr direktes Lebensumfeld gestalten. Es bietet somit alternative Beteiligungsmöglichkeiten für Menschen, die nicht wahlberechtigt sind. Das betrifft auch Jugendliche, die in der Ideensammlung, Projektwerkstatt, sowie in der Los-basierten Bürger*innen-Jury partizipieren können, bzw. durch Kooperationspartner*innen wie die Wiener Jugendzentren vertreten sind.
Die Wiener Demokratie-Strategie soll der Stadt Wien einen strategischen Rahmen für den notwendigen Demokratie-Ausbau der kommenden Jahre geben.
Stadt Wien – Integration und Diversität
Stadt Wien – Integration und Diversität
Die Abteilung Integration und Diversität (MA 17) fördert, je nach Jahresschwerpunkt, Kleinprojekte von Vereinen in Wien. Der Förderschwerpunkt für 2025 und 2026, „Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, ermöglicht der Abteilung Kleinprojekte zu fördern, die sich mit der politischen Teilhabe und Bildung von Jugendlichen beschäftigen. Dazu gehört zum Beispiel das Projekt „Demokratie, was geht?“ von Gleisdreieck oder „Jugend bewegt Politik: Mitmachen, Mitrede: Politische Partizipation leicht gemacht.“ von afriCult.
Wiener Petitionsrecht
Das Wiener Petitionsrecht bietet Menschen in Wien eine Möglichkeit, sich unmittelbar in politische Prozesse einzubringen. Jede in Wien hauptgemeldete Person über 16 Jahre kann unabhängig von der Staatsangehörigkeit eine Petition einbringen. Anliegen können mit Unterschriftenlisten oder auf einer Online-Plattform eingebracht werden. Sobald eine Petition von 500 Wiener*innen unterstützt wird, wird diese Petition im Petitionsausschuss des Wiener Gemeinderates behandelt.