Leitfaden Fassadenbegrünung Startseite wien.gv.at
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4.6 Vegetationstechnische Grundlagen

4. Technische Grundlagen

Als vegetationstechnische Grundlagen werden hier Faktoren behandelt, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Bepflanzung der Fassadenbegrünungssysteme haben.

Standortcharakteristika

Fassaden sind für Pflanzen Extremstandorte und müssen dementsprechend auf die dort wirkenden Einflüsse und Gegebenheiten anhand einer Bestandsaufnahme analysiert werden. In der ÖNORM L 1136 werden klimatische und witterungsbedingte, bauwerksspezifische und pflanzenspezifische Faktoren für die Standorteigenschaften aufgelistet, die im Rahmen der Planung zu ermitteln sind. Wie bereits angeführt sind folgende wirkende Einflussfaktoren von sehr hoher Relevanz:

  • Exposition | Sonneneinstrahlung
  • Wind
  • bauliches Umfeld | Veränderung der Standortparameter durch z. B. Verschattung durch benachbarte Gebäudekörper

Das Zusammenspiel der genannten Faktoren sowie die gewünschte optische und ökologische Wirkung der Begrünung geben die Rahmenbedingungen für die Pflanzwahl vor. Dementsprechend muss auch die Bewässerungsintensität abgestimmt und geplant werden.

Exposition

Je nach Exposition können die klimatische Bedingungen im städtischen Umfeld stark schwanken. Besonders Nord- und Südlagen stellen extreme Bedingungen für Fassadenbegrünungen dar. Gemäßigtere Verhältnisse findet man an nach Osten und Westen ausgerichteten Fassaden. Bei bodengebundenen Fassadenbegrünungen wirkt sich die Exposition stark auf die Wüchsigkeit der Pflanzen aus.

Bei erhöhter Sonneneinstrahlung bzw. Exponiertheit ist verstärkt auf eine ausreichende Wasserversorgung zu achten. An fassadengebundenen Begrünung an südseitig exponierten Fassaden sind weniger Pflanzenarten imstande die extreme Sonneneinstrahlung und die damit verbundenen Temperaturen zu bewältigen als an schattigeren Standorten. Besonders geeignete Pflanzen sind Sedum-Arten, Gräser und Kräuter sowie sonnenliebende Kletterpflanzen. Aufgrund der hohen Einstrahlung kann mehr als die doppelte Menge an Gießwasser erforderlich sein als bei westseitigen Lagen. Für fassadengebundene Begrünungen mit nördlicher Exposition sind auch einige Sukkulenten, Stauden sowie bestimmte Gräser-Arten geeignet, deren Wasserbedarf wesentlich geringer ist. Oftmals ist die Wand sogar überfeucht und kann dadurch leicht von Moosgesellschaften besiedelt werden.

Bei der Pflanzenauswahl sind regionale Klimafaktoren zu berücksichtigen – etwas die durchschnittliche Jahrestemperatur (Tiefst- und Höchstwerte), die Temperaturentwicklung, Exposition, die Niederschlagsverteilung über das Jahr sowie Schnee- und Eistage.

begrünte Fassade der MA 48 in Wien mit südseitiger Exposition der Begrünung
(c) VfB

Fassadengebundenes System | südseitige Exposition | MA-48-Fassade | Wien | © VfB

nicht-besonnte und dennoch begrünte Fassade als Beispiel für einen ungünstigen Standort
(c) VfB

Ungünstiger Standort mit stark variierenden Strahlungsverhältnissen (Licht/Schatten) | © VfB

Wind

Auch die Windexponiertheit ist ein wichtiger Standortfaktor – Wind kann Pflanzen austrocknen und ihre mechanische Belastung deutlich erhöhen. Besonders in den oberen Geschoßen sowie an Rändern und Kanten sind die Pflanzen oft höheren Windgeschwindigkeiten ausgesetzt.

Unterschiedliche Parameter wie Windlage, Windrichtung und Windstärke des Standortes sind daher zu beachten. Besonders in Städten mit hoher, enger Bebauung treten sogenannte Flurwinde mit teils hohen Geschwindigkeiten auf. Expositionen in extremen Windschleusen sind zu vermeiden. Bei schwierigen Verhältnissen ist ein geeignetes Pflanzensortiment besonders wichtig.

Bei der Wahl der Begrünung ist auch auf verstärkte Luftverunreinigung (wie z. B. durch Feinstaub aus umgebender Industrie) zu achten. Wenn die Fassadenbegrünung keinen Schlagregen bekommt, also die Blattoberflächen nicht entstaubt bzw. gesäubert werden, kann sich dies negativ auswirken.

Bauliches Umfeld

Bei der Ermittlung der Standortfaktoren ist das bauliche Umfeld (benachbarter Gebäudestand) zu beachten. Durch nahestehende, angrenzende Häuser bzw. Bauteile kann es zu veränderten Licht-, Niederschlags- und Windverhältnissen kommen.

Eine mögliche Abstrahlung von nahen Fassaden aus Glas oder von Glas- bzw. Solardächern kann zu Verbrennungen der Blätter führen oder sich anderweitig negativ auf die Bepflanzung auswirken. Des Weiteren ist auch das Material der umgebenden Oberflächen zu berücksichtigen: Dunkle Wandoberflächen, besonders Metallfassaden und auch dunkle Putzschichten auf Wärmedämmungen, sorgen dafür, dass sich ein Standort aufheizt. Für die Beurteilung des Tagesverlaufes der Lichtverhältnisse ist es ratsam, eine Sonnen-/Schattenanalyse zu erstellen.

Darüber hinaus sind auch Maßnahmen im unmittelbaren Umfeld des Standorts zu beachten, zum Beispiel öffentliche Ver- und Entsorgungsleitungen, Straßenbau oder Straßenbeleuchtung. Auch in der Wand verlaufende Kabel (Antennen, Telefonleitungen, Außenbeleuchtung) sowie Abluftauslässe sollten lokalisiert werden.

Die exakten Standortparameter sind daher vor jedem Begrünungsvorhaben eingehend zu prüfen.