Leitfaden Fassadenbegrünung Startseite wien.gv.at
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4.9 Pflegemaßnahmen

4. Technische Grundlagen

Voraussetzung für bodengebundene Begrünungen mit Gerüstkletterpflanzen sowie fassadengebundenen Systemen ist eine professionelle und fachkundige Wartung der Systemkomponenten.

Die FLL (2018) empfiehlt den Abschluss eines Pflege- und Instandhaltungsvertrags mit einer Fachfirma. Folgende Pflegemaßnahmen sieht die ÖNORM L 1136 vor:

  • Form- und Rückschnitt
  • Freihalten technischer Einrichtungen von Bewuchs
  • Entfernung von Fremdaufwuchs
  • bedarfsgerechte Versorgung mit Nährstoffen (Feststoffdünger, Depotdünger) entsprechend der ÖNORM L 1120
  • Bewässerung (mit der Möglichkeit zur Beifügung von Flüssigdüngern, Pflanzenschutzmitteln usw.)
  • das Leiten von Gerüstkletterpflanzen
  • Pflanzenschutzmaßnahmen, wobei vorbeugenden Maßnahmen zu beachten und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln selektive und umweltverträgliche Mittel zu verwenden sind
  • Nachpflanzung und Nachsaat
  • Nachfüllung von Substrat

Neben den Pflegemaßnahmen müssen auch die technischen Anlagen regelmäßigen gewartet werden. Besonders wichtig ist die Funktionalität der Wasserversorgung bei fassadengebundenen Systemen, da eine Störung schnell zu Pflanzenausfall führen kann. Die automatische Bewässerung kann mittels Zeitschaltuhr oder Sensorik und Datenlogger (Überwachung der Systemmeldungen, Fehlersuche, Justierung der Wasser-/Nährstoffmenge etc.) gesteuert werden.

Dies verdeutlicht, dass es sich bei fassadengebundenen Begrünungen um komplexe technische Systeme handelt, die ausschließlich von qualifiziertem Fachpersonal geplant, betrieben und betreut werden sollen. Wird diese Aufgabe auf fachfremdes Personal übertragen (z. B. Facility Management, Bauverantwortliche etc.), kann es passieren, dass auf Probleme zu spät oder falsch reagiert wird. Meist genannte Gründe für die Pflege, Wartung und Instandhaltung von fachfremden Personal sind Kosteneinsparungen. In der Praxis führt diese Herangehensweise jedoch häufig zu weitaus höheren Folgekosten.

Die Wartungsgänge unterscheiden sich je nach Komplexität des Systems und sollten laut Herstellerangaben sowie nach Bedarf durchgeführt werden. Um eine gerechte und ökonomische Wartung sowie Pflege ermöglichen zu können, müssen Wartungswege bzw. Zugänglichkeiten sowie Sicherungseinbauten bereits in der Planung bedacht werden. So kann etwa eine schlechte Erschließung die Pflegekosten drastisch erhöhen und im schlimmsten Fall eine Realisierung des Projektes verhindern.

Auf dem Markt der Grünraumpflege gibt es unterschiedliche Preise und Qualitäten. Das Know-how der anbietenden Betriebe kann stark variieren. Deshalb sollten mehrere Angebote und Informationen über Referenzobjekte eingeholt werden oder die Empfehlungen des Systemherstellers beachtet werden, denn nicht jeder Garten- und Landschaftsbaubetrieb ist auf Fassadenbegrünungspflege spezialisiert. Da die Pflegekosten von vielen Einflussfaktoren abhängig sind, müssen diese immer objektspezifisch berechnet und betrachtet werden. Der Preis für die Pflege wird durch folgende Faktoren beeinflusst:

Einflussfaktor

Hinweis

Zugänglichkeit

Geräte (evtl. Hubsteiger), behördliche Anforderungen

Wasseranschluss

z. B. Leitungswasser, Brauchwasseraufbereitung

Pflegebedarf

Sichtkontrolle, Prüfen auf Risse, Prüfen auf Materialermüdung, Schnitt (sensible Bereiche und Wachstumsbegrenzung und
-leitung), Entfernen von Totholz und Wildwuchs, Bewässerung, Düngung, evtl. Ersatzpflanzung, Substratersatz oder Reinigung

Wartungsbedarf

Sensorik, Datenlogger, Bewässerungssystem, evtl. Ein- und Auswinterung

Pflegeintervall

abhängig von der Begrünungsart und des gewünschten Erscheinungsbildes, empfohlen mind. 1 × jährlich im Frühjahr, besser 2 × jährlich (Frühjahr und Herbst oder öfter)

Pflegevertrag

Eigenschaften und Umfang (Notfalldienste, Fernüberwachung etc.)

Einflussfaktoren | Pflegekosten