1. Klimaschutz

1.5 Produktionssektor (Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft)

Wo steht Wien mit den Emissionen?

Die Bundesländer-Luftschadstoffinventur (BLI) des Umweltbundesamts zeigt für Wien im Jahr 2023 einen deutlich sinkenden Trend der gesamten Treibhausgasemissionen bis 2015. Seit 2016 gibt es einen geringen Steigerungstrend (vorwiegend zurückzuführen auf den erhöhten Erdgaseinsatz in der chemischen Industrie und auf den gestiegenen Dieseleinsatz bei den mobilen Geräten in der produzierenden Industrie). Dennoch konnte seit 2005 eine Reduktion von 27 Prozent (von 553 auf 401 Kilotonnen CO2-Äquivalent) erreicht werden. Betrachtet man die leitzielrelevanten Emissionen, so sind die Werte etwas geringer und demselben Trend folgend.

Entwicklung der gesamten Treibhausgasemissionen (violett) und der leitzielrelevanten Treibhausgasemissionen (rot) in Wien 2005-2023 im Sektor Produktion
Die Abbildung zeigt zum einen die Entwicklung der gesamten Treibhausgasemissionen, zum anderen die Entwicklung der leitzielrelevanten Treibhausgasemissionen in Wien 2005-2023 im Sektor Produktion. Die gesamten Treibhausgasemissionen in Wien sind vom Jahr 2005 von 553 Kilotonnen CO2-Äquivalent auf 401 Kilotonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2023 gesunken. Die leitzielrelevanten Emissionen verhalten sich gleich. 2005 waren es 540 Kilotonnen CO2-Aquivalent, im Jahr 2023 waren es dann nur noch 380 Kilotonnen  CO2-Aquivalent. Es zeigt sich ein sinkender Trend.
Abbildung 6: Entwicklung der gesamten Treibhausgasemissionen (violett) und der leitzielrelevanten Treibhausgasemissionen (rot) in Wien 2005-2023 im Sektor Produktion (Stand: 2025, Quelle: siehe Fußnote Nr. 1)

Die Nutzung von Erdgas und Mineralölprodukten für die Herstellung von Gütern, Dienstleistungen und landwirtschaftlichen Produkten sowie für den Betrieb mobiler Arbeitsgeräte verursacht den größten Teil der Treibhausgasemissionen im Produktionssektor (in den Non-ETS-Sektoren).

Wo steht Wien mit den Umsetzungen?

Im Wiener Klimafahrplan sind 3 Hebel für den Produktionssektor identifiziert. Deren Umsetzungsfortschritte werden in diesem Kapitel zusammengeführt.

Der Wiener Klimafahrplan erläutert, dass die Elektrifizierung der meisten Produktionsprozesse aus Klimaschutzsicht die vielversprechendste Strategie darstellt. Einige Emissionen entstehen dabei aus Produktionsprozessen, die entweder nicht oder nur sehr schwierig mit Strom betrieben werden können. Diese Emissionen nennt man „Hard-to-abate“ (im Deutschen: schwer zu reduzieren). Der Grund liegt darin, dass sie bestimmte chemische Reaktionen oder sehr hohe Temperaturen benötigen.

„Wien ist eine wirtschaftskräftige Stadt, die durch unseren Fokus auf Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit steigert. Wir fördern gezielt die Potenziale unserer Unternehmer*innen und schaffen Voraussetzungen für einen klimaneutralen Wirtschaftsraum. Durch umfassende Beratung und Begleitung unterstützen wir eine dekarbonisierte Produktion. Die bisherigen Schritte zeigen: Wien setzt auf Empowerment für innovative, klimafreundliche Lösungen. Unsere Unternehmen sind entscheidend, um Wien zu einem lebendigen, zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort zu machen.“

Portrait von Barbara Novak. Sie ist amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales
Barbara Novak, Amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales (Copyright: David Bohmann)

HEBEL 1: Fossile auf erneuerbare Energieversorgung umstellen

& HEBEL 3: Mögliche grüne Gasversorgung planen

Strategische Planung des Einsatzes von erneuerbarer Energie

Strategische Vorarbeiten für gebietsweise Gasnetzstilllegung beziehungsweise Identifikation von „Grüngasgebieten“ im Gange

Siehe dazu auch „Energieraumplanung 2.0“, Kapitel 1.7 Strom- und Fernwärmeerzeugung, Hebel 2.

Erste Grundlagen zur Dekarbonisierung wurden geschaffen

Im Gebäudesektor ist für den vermehrten Einsatz von erneuerbaren Energien in den letzten Jahren eine gute Wissens- und Datenbasis aufgebaut worden. Genau das ist auch für den Gaseinsatz in Betrieben und dessen Substitutionsmöglichkeiten erforderlich. Dazu wurden bereits erste Schritte gesetzt.

Die in 2024 abgeschlossene Analyse „Dekarbonisierung der betrieblichen Prozesswärme“, eine Studie der kleinkraft OG im Auftrag der Abteilung Energieplanung (MA 20) unterstützt von der Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien (Urban Innovation Vienna) bildet eine wichtige Grundlage. Die Studie konzentriert sich auf industrielle und gewerbliche Prozesse, die (aktuell) fossile Energieträger zur Bereitstellung von Prozesswärme einsetzen. Dabei wurden die Herstellungsprozesse unter anderem nach den benötigten Temperaturniveaus charakterisiert und die für Wien wichtigsten Branchen als auch mögliche erneuerbare Umstieg-Optionen identifiziert.

Aktuell wird das Thema Kochen mit Gas in Gastronomie, Hotellerie, Großküchen etc. erforscht. (durchgeführt von Urban Innovation Vienna). Immerhin entfallen mehr als die Hälfte aller gewerblichen Gaszählpunkte (Stellen in einem Gasversorgungsnetz, an denen der Gasverbrauch gemessen wird) auf Betriebe, die Erdgas für die Essenszubereitung einsetzen. Mit der Studie sollen Beispiele für den bereits realisierten Ausstieg aus Gas beleuchtet werden. Zudem geht es um einen Erkenntnisgewinn zu den Hindernissen für einen flächendeckenden Umstieg, welcher zu zielgerichteten Unterstützungsmaßnahmen für Betriebe führen kann. Im Zuge des „Raus aus Gas“-Programms werden auch noch weitere Aspekte und Branchen näher betrachtet als auch deren räumliche Verteilung im Wiener Stadtgebiet erfasst. Diese Erkenntnisse fließen wiederum in der Entwicklung von Gasnetzstilllegungsplänen ein.

Im Rahmen der Vorarbeiten zu einer Wiener Klima-Allianz wurden erste strukturelle Bedarfe von Unternehmen, Industrie- und Gewerbetreibenden erhoben und mit der Stadt Wien erarbeitet (federführend durch die Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23) und Wiener Stadtwerke).

HEBEL 2: Erneuerbare Energiepotenziale am Standort mobilisieren

Mobilisierung erneuerbarer Energiepotenziale am Standort produzierender Betriebe

& Unterstützung der Wiener Unternehmen bei der Dekarbonisierung ihrer Prozesswärmeerzeugung

In den letzten Jahren wurden in Wien die Förder- und Beratungsangebote für Betriebe ausgebaut. Beratungen zu den Themen Energiewende, Kreislaufwirtschaft und allgemein zu ökologischen Nachhaltigkeitsthemen werden von der Wirtschaftskammer Wien, der Wirtschaftsagentur Wien, OekoBusiness Wien und der Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien (Urban Innovation Vienna) sowie von Bundesstellen angeboten.

OekoBusiness Wien unterstützt Betriebe bei Zugang zu Beratungen und Förderungen

Das seit mehr als 25 Jahren etablierte Programm OekoBusiness Wien ist auf die Beratung von Wiener Betrieben zugeschnitten. Es soll Unternehmen helfen, Betriebskosten einzusparen und gleichzeitig die Umwelt zu entlasten.

Erfahrene Berater*innen stehen zur Verfügung, um die Betriebe auf ihrem Weg der Dekarbonisierung, Energieeffizienzsteigerung und Ressourcenschonung zu begleiten. Außerdem bietet das Service der Abteilung Umweltschutz (MA 22) mit der OekoBusiness Wien - Förderdatenbank eine Übersicht über alle für Unternehmen relevanten Förderungen der Stadt Wien, des Bundes und der EU. Anfang 2025 waren darin über hundert klimarelevante Beratungs-, Investitions- oder Forschungsförderungen enthalten.

Das bereits seit 2012 bestehende Angebot „Energieeffizienz“ wurde 2023 durch das Beratungsangebot „SolarFit!“ mit der Wirtschaftskammer Wien ergänzt. Der Beratungsfokus liegt auf der Errichtung einer Photovoltaikanlage am Unternehmensstandort, dem zu erwartenden Einsparungspotenzial und Informationen zu möglichen Förderungen.

Wirtschaftsagentur Wien bietet Förderungen, Beratungen und weitere Angebote

Die Wirtschaftsagentur Wien unterstützt Unternehmen auf vielfältige Weise, unter anderem bei deren Bemühungen, klimaneutral zu werden oder kreislauffähige Produkte zu entwickeln.

In den letzten Jahren wurden alle Förderschienen auf EU-Taxonomie-Konformität ausgerichtet. Demzufolge müssen Fördernehmer*innen im Förderantrag Angaben zu den Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt machen. Als Mindeststandard gilt, dass förderfähige Projekte keines der 6 Umweltziele (1) Klimaschutz, (2) Anpassung an den Klimawandel, (3) nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen, (4) Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft, (5) Vermeidung von Verschmutzung und (6) Schutz von Ökosystemen und Biodiversität erheblich beeinträchtigen dürfen (in Anlehnung an das „Do No Significant Harm”-Prinzip der EU-Taxonomie).

Zusätzlich wurden in den letzten Jahren neue Förderschienen ins Leben gerufen, die auf den Klimaschutz und die Kreislaufwirtschaft fokussieren. Die Förderung „Vienna Planet Fund“ richtet sich an Unternehmen, die aus fossilen Energien aussteigen oder ihre Energieeffizienz steigern oder nachhaltige Produkte entwickeln wollen. Gefördert werden Investitionen, Personalkosten und Dienstleistungen für die Umsetzung des Vorhabens.

Seit 2024 unterstützt die Förderung „Nahversorgung Energie” Kleinstunternehmen mit Nahversorgungsfunktion (wie Einzelhandel, Gewerbe oder Gastronomie), die sich in einem Geschäftslokal in der Erdgeschoßzone befinden oder sich dort ansiedeln wollen. Umsetzungen von energiesparenden Maßnahmen werden unterstützt. Damit wird nicht nur die Energiewende im Betrieb gefördert, sondern auch die Nahversorgung im Grätzl.

Betriebliche Sonnenstromproduktion wird unterstützt

Zur Erreichung der Photovoltaik-Ausbauziele der „Wiener Sonnenstrom-Offensive“ hat Wien das Förderbudget auf 15 Millionen Euro pro Jahr erhöht und neue Förderschwerpunkte – auch für Betriebe – geschaffen. Die Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien (Urban Innovation Vienna) ist Partnerin der „Wiener Sonnenstrom-Offensive“ und eine wichtige Beratungsstelle für Photovoltaik-Interessierte. Sie geht aktiv auf Betriebe und Eigentümer*innen großer Flächen zu, um den Photovoltaik-Ausbau in Wien voranzutreiben.

Spezielles „Beratungsservice Erneuerbare Energie“ – auch für Betriebe

Für erneuerbare Energiepotenziale an einem Betriebsstandort stehen vor allem die Sonneneinstrahlung, die Umgebungswärme und die Abwärme zur Verfügung. Das kostenlose Beratungsservice Erneuerbare Energie wird seit 2022 im Auftrag der Stadt Wien von der städtischen Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien (Urban Innovation Vienna) betrieben. Es bietet Betrieben (aber auch Gebäudeeigentümer*innen, Hausverwaltungen etc.) umfassende Information und Beratung, zum Beispiel zu geeigneten Technologien, zu den dafür erforderlichen Genehmigungen und zu Förderungen. Neben der persönlichen Beratung informiert das Beratungsservice auch bei Vernetzungstreffen, Fachtagungen oder Informationsveranstaltungen.

Wirtschaft- und Innovationsstrategie Wien 2030 nennt Klima als wirtschaftliche Spitzenthemen für den Standort Wien

Im Zuge der Überarbeitung der Wirtschafts- und Innovationsstrategie „WIEN 2030 – Wirtschaft & Innovation“ wurden Klimaschutz und Klimaanpassung als wirtschaftliche Spitzenthemen für den Standort Wien von allen wirtschaftsrelevanten Akteur*innen am Standort bestätigt und verstärkt. Die Wirtschafts- und Innovationsstrategie verankert Lösungen für eine klimaneutrale Stadt für den produzierenden Sektor und bietet strategische Orientierung, beispielsweise bei der Dekarbonisierung von Prozesswärmeerzeugung.

Die Strategie nennt zahlreiche weitere Themenbereiche wie Gebäude, Strom- und Fernwärmeerzeugung, Kreislaufwirtschaft, Mobilität oder Gesundheit und Wohlbefinden, die die Hebel des Klimafahrplans betreffen. So etwa ist festgehalten, dass die Wiener Unternehmen den Übergang zum regenerativen und sozial verträglichen Wirtschaften als Chance verstehen. Klimapionier*innen im Wirtschaftssektor erhalten seitens der Stadt Wien Rückenwind für Innovationen und internationale Zusammenarbeit.