Evaluierung zum Wiener Jugendcollege Startseite wien.gv.at
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3.2 Für den Arbeitsmarkt relevante Kompetenzen

3. Wirkung des Wiener Jugendcolleges

Für den Zeitraum der ersten Beauftragung wurde eine wissenschaftliche Evaluation durch die Wirtschaftsuniversität Wien beauftragt und durchgeführt, die mittels Befragung die Perspektive der Teilnehmenden aufgreift.

Erwartungen der Teilnehmenden

Die Befragung zu Beginn des Programms zeigte, dass die Erwartungen der Teilnehmenden an das Jugendcollege stark integrationsorientiert waren. Das Erlernen der deutschen Sprache stand dabei klar im Vordergrund: 87% der Teilnehmenden im Basic- und 79% im Advanced-Strang nannten dies als zentrale Erwartung. Knapp die Hälfte der Teilnehmenden im Basic- und Advanced-Strang (jeweils 46%) erwartete zudem eine Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen. Die Hoffnung, durch das Programm selbst einen Arbeitsplatz zu finden, war im Advanced-Strang mit 48% bereits deutlich stärker ausgeprägt als im Basic-Strang (33%).

Gruppiertes Säulendiagramm zu den Erwartungen an das Jugendcollege/College 25+ für die Gruppen basic (n=423), advanced (n=385) und c25+ (n=92). Die am häufigsten genannte Erwartung ist in allen Gruppen das Erlernen der deutschen Sprache mit 87% bei basic, 79% bei advanced und 86% bei c25+. „Einen Job finden“ nennen 33% der basic, 48% der advanced und 57% der c25+ Teilnehmenden. Die Verbesserung von Fähigkeiten und Kompetenzen erwarten 46% der basic, 46% der advanced und 57% der c25+ Teilnehmenden. „Etwas Neues lernen“ wird von 12% der basic, 21% der advanced und 22% der c25+ Teilnehmenden genannt. Sonstige Erwartungen spielen mit 2%, 8% beziehungsweise 3% eine untergeordnete Rolle. Insgesamt steht das Deutschlernen deutlich im Vordergrund.

Quelle: Kettl et al (2026). Evaluation der Wiener Jugendcolleges und College 25+, S. 16

Zufriedenheit mit dem Jugendcollege

Auf die Frage wie zufrieden die Teilnehmenden nach dem Abschluss des Jugendcolleges mit dem Angebot waren zeigte sich (0 = völlig unzufrieden; 10= völlig zufrieden), dass die Zufriedenheitswerte insgesamt hoch waren. Bei Teilnehmenden des Basic-Programms noch etwas höher als bei den Advanced-Teilnehmenden. Die Antworten der Teilnehmenden des Jugendcollege #basic liegen bei einem Mittelwert von 8,48, jene beim Jugendcollege #advanced bei 7,75.

Gestapeltes horizontales Balkendiagramm zur Zufriedenheit mit dem Jugendcollege für die Gruppen basic (n=149) und advanced (n=76). Die Zufriedenheit wurde auf einer Skala von 0 bis 10 erhoben, wobei 0 bis 1 für „völlig unzufrieden“ und 9 bis 10 für „völlig zufrieden“ stehen. In der basic-Gruppe bewerten 42 % ihre Zufriedenheit mit 9 bis 10 Punkten und 25 % mit 7 bis 8 Punkten. 26 % vergeben 4 bis 6 Punkte, 3 % 2 bis 3 Punkte und 5 % 0 bis 1 Punkte. In der advanced-Gruppe bewerten 33 % ihre Zufriedenheit mit 9 bis 10 Punkten und 32 % mit 7 bis 8 Punkten. 18 % vergeben 4 bis 6 Punkte, 7 % 2 bis 3 Punkte und 11 % 0 bis 1 Punkte. Insgesamt überwiegen in beiden Gruppen die hohen Zufriedenheitswerte von 7 bis 10 Punkten. Die Zufriedenheit fällt in der basic-Gruppe etwas höher aus als in der advanced-Gruppe.

Quelle: Kettl et al (2026). Evaluation der Wiener Jugendcolleges und College 25+, S. 18

Erwerb von arbeitsmarktrelevanten Kompetenzen

Im Verlauf des Programms konnte sowohl im Basic- als auch im Advanced-Strang ein Wissenszuwachs hinsichtlich arbeitsmarktrelevanter Normen und Anforderungen festgestellt werden. Dazu zählen vor allem Kommunikation im beruflichen Kontext, Pünktlichkeit, Teamarbeit sowie die Bedeutung von Ausbildung, Berufserfahrung und praktischen Fähigkeiten für Arbeitgeber*innen. Auffällig ist insbesondere, dass die Teilnehmenden ein realistischeres Verständnis der Anforderungen des österreichischen Arbeitsmarkts entwickelten und ihre eigenen Kompetenzen differenzierter einschätzen konnten.

Diverse Studien zeigen, dass für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen insbesondere folgende Faktoren relevant sind:

  • Kontakte zur deutschsprachigen Bevölkerung, da diese einen privilegierten Zugang zu arbeitsmarktrelevantem Wissen und Informationen ermöglichen,
  • Kontakte zur Herkunftscommunity als Quelle sozialer Unterstützung und Stabilität,
  • im Zielland anerkannte Qualifikationen und Abschlüsse,
  • Wissen über Arbeitsnormen, anerkannte Verhaltensweisen und berufliche Anforderungen.

Die Befragung der Teilnehmenden des ersten Durchgangs zu Beginn des Jugendcolleges (Herbst 2024) sowie kurz vor Abschluss (Sommer 2025) zeigt insbesondere in zwei Bereichen signifikante Verbesserungen:

  • dem Kontakt zur deutschsprachigen Bevölkerung sowie
  • beim Wissen über Arbeitsnormen, die Bedeutung von Ausbildung, Kommunikation am Arbeitsplatz und die eigene berufliche Selbsteinschätzung.

Die Kontakte zur Herkunftscommunity blieben hingegen weitgehend stabil.

Die Befragung bestätigt jedenfalls den aktuellen Forschungsstand, dass Kontakte zur Aufnahmegesellschaft und inkorporiertes Bildungskapital mit besserer Arbeitsmarktintegration in Zusammenhang stehen: Jene Personen mit besseren arbeitsmarktrelevanten Kenntnissen sowie einem stärkeren deutschsprachigen Netzwerk waren kurz vor Abschluss des Jugendcolleges häufiger bereits erwerbstätig oder hatten eine konkrete Arbeits- beziehungsweise Lehrstellenzusage.