Pressekonferenz: Wer „zweigelt“ in Österreich und Europa?

Pressekonferenz: Wer „zweigelt“ in Österreich und Europa?

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VHS Hietzing, PEN-Club Austria und das Institut ohne direkte Eigenschaften starten Aktion gegen das Vergessen

Haben Verdrängen und Verfälschen wieder eine Zukunft? Die Volkshochschule Hietzing geht dieser Frage in Kooperation mit dem PEN-Club Austria und dem Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) nach und trägt mit einem Aufruf an AutorInnen zur Aufarbeitung der Person Friedrich Zweigelt und der NS-Vergangenheit bei.  

„Zweigeln“ steht für die Veranstalter der Aktion für einen Umgang mit der Geschichte des Landes, der aus Verschweigen und Verleugnen besteht. Österreichische und europäische AutorInnen können Texte aller Gattungen einschicken, die sich mit dem Begriff und damit mit dem österreichischen Umgang mit der NS-Zeit sowie mit dem Austrofaschismus auseinandersetzen. 

Zweigelt war Nationalsozialist und von 1938 bis 1945 Direktor der Weinbauschule in Klosterneuburg. Bei seinem Antritt fasste er sein Vorhaben so zusammen: „Jetzt geh‘ ich auf Menschenjagd.“ Damit war die Reinigung der Schule von Personen gemeint, die nicht dem neuen politischen Standard entsprachen. Am Ende waren es mehr als 40 Personen, die ihren Posten verloren. 

Streibel: „Nachkriegspolitik eine einzige Zweigelung“ 

Nach der Befreiung hat sich Zweigelt nie öffentlich über die Zeit des Nationalsozialismus und seine Beteiligung geäußert. Als die Polizei Friedrich Zweigelt am 3. Juli 1945 verhaftet, wird seine Frau aussagen, dass er sich niemals politisch betätigt habe, seine Mitgliedschaft in der NSDAP vor 1938 ist wie bei so vielen fast ein Missverständnis. Bei der Hausdurchsuchung werden schriftlich formulierte Reden gefunden, die klarmachen, dass er Überzeugungstäter war.  

Im Jahr 1975 wurde die vom Biologen und Önologen Dr. Friedrich Zweigelt gezüchtete Rotweinsorte nach ihm benannt. 

„Die österreichische Nachkriegspolitik war über weite Strecken eine einzige ‚Zweigelung‘“, so Robert Streibel, Direktor der Volkshochschule Hietzing und Co-Autor des medial vielbeachteten historischen Romans „Der Wein des Vergessens“, in dem die Enteignung zweier niederösterreichischer Weingutsbesitzer während der NS-Zeit erstmals aufgearbeitet wurde. 

Texteinreichungen bis 18. September möglich 

Der Historiker Streibel macht sich seit Monaten für eine Umbenennung des bekanntesten Rotweins Österreichs in „Blauer Montag“ stark. Damit aber in diesem Fall die Herkunft des Wortes „Zweigelt“ und die Taten ihres Eigentümers nicht unter den Tisch gekehrt werden, soll durch die Aktion für eine möglichst große Verbreitung des Wortes „zweigeln“ gesorgt werden – wenn auch mit historisch korrekten Assoziationen. „Der Begriff hat es verdient, Wort des Jahres 2019 zu werden“, so Robert Streibel. 

Nicht nur in Österreich wird „gezweigelt“. In Zusammenarbeit mit dem PEN-Club Austria wird ein Aufruf an AutorInnen in Europa erfolgen. 

Einreichschluss für Texte im Umfang von maximal 10.000 Zeichen ist der 18. September 2019 – der Todestag von Friedrich Zweigelt. Einzusenden sind diese an: PEN-Club Austria, Bankgasse 8, 1010 Wien bzw. an info@penclub.at 

Am 13. Februar wird die Aktion im Rahmen einer Pressekonferenz durch Robert Streibel, Elisabeth Erler (PEN-Club Austria) und Robert Sommer(IODE) vorgestellt. MedienvertreterInnen sind herzlich eingeladen. 

Factbox:
Wann: Mittwoch, 13. Februar, 10 Uhr
Wo: Weinhandlung Die Liebenden, 6., Gumpendorfer Straße 93

Pressebilder zu dieser Aussendung sind in Kürze unter www.wien.gv.at/pressebilder abrufbar. (Schluss)

Rückfragehinweis für Medien

  • Stephanie Lehner BA BA
    Mediensprecherin
    Wiener Volkshochschulen
    Tel.: 01/89 174-100 107
    Mobil: 0699/189 17 771
    E-Mail: stephanie.lehner@vhs.at