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Landtag, 9. Sitzung vom 21.01.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 39 von 53

 

bereits gehört -, hohe Personalfluktuation in den WGs. Weiters erwähne ich den hohen Anteil an nicht fertig ausgebildeten Personen, die hier Gutes tun wollen denen es aber an Unterstützung und auch noch an einer fertigen Ausbildung fehlt, sowie die Intransparenz bei der Bundesländerunterbringung von Kindern in der Vollen Erziehung.

 

Genauso ist es Faktum, dass Wien im Bundesländervergleich bei der Unterstützung der Eltern das absolute Schlusslicht ist. Dazu kommt die teilweise Ignoranz von Gefährdungsmeldungen, die von Schulen kommen, die wahrscheinlich auch im Zusammenhang mit dieser Überforderung des Systems stehen. Gleichzeitig gibt es auch Überreaktionen bei anderen Gefährdungsmeldungen bis zur Kindesentnahme. Last but not least gibt es einen großen Mangel an Krisen- und Pflegeeltern. Und es ist weiterhin keine Besserung in Sicht. - Das ist einfach nur traurig, und das darf nicht sein, sehr geehrte Damen und Herren! Das muss ein Ende haben. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Aus dieser soeben beschriebenen Gemengelage resultieren dann Medienberichte, die noch erschreckender sind und insbesondere auch für mich als Mutter in Wirklichkeit unerträglich sind und ganz betroffen machen. So gibt es etwa Medienberichte von fremduntergebrachten Säuglingen. - An dieser Stelle danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MA 11, die - wie auch bereits erwähnt wurde - Großartiges leisten. Es ist aber nicht normal und darf schon gar nicht Normalität sein, dass diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beispielsweise Säuglinge mit nach Hause nehmen müssen, weil es keine Plätze bei den Krisenpflegeeltern gibt.

 

Wir alle haben auch den tragischen Fall des 13-jährigen Mädchens im Kopf, das von zu Hause abgeholt wurde, um in einem geschützten Bereich aufgenommen zu werden und von einem bereits bekannten 13-jährigen Burschen überfallen wurde. Er wurde übergriffig und hat dieses Mädchen vergewaltigt. Weiters nenne ich den Fall eines dreijährigen Buben, der in einem Krisenzentrum von seinem zwölfjährigen Zimmerkollegen sexuell missbraucht worden sein soll. Wir alle haben in Erinnerung, dass vor drei Jahren, im Jahr 2022, ein 11- und ein 14-jähriges Mädchen in Obsorge der MA 11 beim Drogenkauf vergewaltigt wurden. Das sind zwei Wörter, die überhaupt nicht zu Kindern beziehungsweise 11- und 14-jährigen Mädchen passen: Drogen und Vergewaltigung. Das darf nicht sein, sehr geehrte Damen und Herren!

 

Diese Liste ist sehr lang. Ich möchte sie jetzt beenden mit den schrecklichen Schlagzeilen zu Jahresbeginn, wonach allein 2025 sieben unter 18-Jährige, die in Obhut der Kinder- und Jugendhilfe waren, an den Folgen von Drogenkonsum gestorben sind. Niemand weiß oder versteht, was genau passiert ist, warum das passieren konnte, warum diese Mädchen ihrer Zukunft und ihres Lebens beraubt wurden.

 

Ich möchte jetzt die Worte meiner lieben Kollegin Sabine Keri, die viele von Ihnen sicherlich schon oft gehört haben, zitieren: "Wenn die MA 11 entscheidet, dass Kinder aus einer Familie zu nehmen sind, dann hat die MA 11 auch die Pflicht, dafür zu sorgen, dass diese Kinder und Jugendlichen Schutz und Geborgenheit erfahren und dort nicht vom Regen in die Traufe kommen und am Ende einen furchtbaren Drogentod sterben."

 

Sehr geehrte Damen und Herren, uns allen muss klar sein: Wenn diese Behörde, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr fähig ist, ihrem gesetzlichen Auftrag des Kinderschutzes wirklich im erforderlichem Ausmaß nachgehen zu können, dann ist es Aufgabe der Politik, hier einzugreifen und entsprechende Entlastungsmaßnahmen zu setzen. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Erst im Dezember wurde im Bildungsausschuss eine Budgetüberschreitung für das Pflegekinderwesen in Höhe von 68 Millionen EUR beschlossen. Das sind unglaubliche Beträge, die aber offensichtlich leider wieder ohne Kontrolle an Vereine gegeben werden, während die Krisenzentren der Stadt offenbar kaum Entlastung erfahren. Ich sage mit Nachdruck, was heute und bereits auch schon gestern einige Kolleginnen und Kollegen aus meiner Fraktion ganz dezidiert angemerkt haben: Das Geld ist für die Kinder aufzuwenden und nicht für Vereine, für Insichgeschäfte beziehungsweise Privatstiftungen. Das Geld ist ganz klar für die Kinder in der Obsorge MA 11, dort gehört es investiert. - Vielen Dank! (Beifall bei der ÖVP.)

 

Präsident Anton Mahdalik: Die Restredezeit beträgt zwölf Minuten.

 

Als nächster Redner hat sich Herr Abg. Burian gemeldet. - Bitte sehr.

 

16.53.20

Abg. Mag. Lukas Burian (NEOS)|: Herr Präsident, liebe Landeshauptmann-Stellvertreterin, werte Kolleginnen und Kollegen! Herzlich willkommen an den einsamen Zuseher da oben! (Abg. Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Das ist ein Herr von der Rathauswache! - Allgemeine Heiterkeit.) Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause an den Bildschirmen!

 

Wir behandeln heute eine Dringliche Anfrage zur Wiener Kinder- und Jugendhilfe, zur MA 11. Und ich möchte gleich am Anfang sagen: Das ist ein höchst sensibles Thema, denn wir reden nicht über Verwaltungstechnik, wir reden auch nicht über parteipolitische Profilierung, sondern wir reden über Kinder. Es geht jetzt um Kinder, die nicht in Geborgenheit aufwachsen, um Kinder, die akut Schutz brauchen, und um all jene Menschen, die tagtäglich versuchen, diesen Schutz in Krisenzentren, in Pflegefamilien, in Wohngruppen, in der Sozialarbeit zu gewährleisten. Allen involvierten Kräften gilt unser größter Respekt und auch unser größter Dank. (Beifall bei NEOS, SPÖ und Teilen der GRÜNEN.)

 

Genau deshalb braucht es in dieser Debatte gleichzeitig auch zwei Eigenschaften - und zwar volle Ernsthaftigkeit gegenüber den realen Problemen, aber auch echte Redlichkeit gegenüber der Realität. Es ist nämlich klar, wenn wir über Kinderschutz sprechen, dann geht es nicht um schnelle Schlagzeilen, sondern um tragfähige Lösungen, und diese Lösungen müssen fachlich sauber entwickelt werden. Es ist wichtig, die aktuelle Situation nüchtern zu betrachten. Die Herausforderungen sind real, und sie sind in den letzten Jahren - wie wir alle wissen - deutlich größer geworden. Wir sehen seit langem mehr Gefährdungsabklärungen, komplexere Famili

 

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