Gemeinderat, 14. Sitzung vom 19.05.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 98 von 105
wieder mit sozialen Fragen verknüpft sind. Wir GRÜNE werden dieser Förderung zustimmen, ebenso wie wir allen anderen Förderungen für Umweltprojekte zugestimmt haben. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen FördernehmerInnen dafür bedanken, dass Sie diese wichtige Arbeit für die Wienerinnen und Wiener leisten. Herzlichen Dank dafür. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Gleichzeitig erlauben Sie mir aber auch, dass ich anmerken möchte, dass wir es kritisch sehen, dass Ihnen für die Umsetzung dieser Projekte nunmehr 10 Prozent weniger Geld zur Verfügung stehen wird. Das mag natürlich wie eine recht moderate Kürzung wirken, aber als jemand, die selbst lange im projektfinanzierten Bereich bei zivilgesellschaftlichen Organisationen tätig war, weiß ich, dass jede Kürzung von Mitteln solche Organisationen wirklich vor sehr große Herausforderungen stellt, insbesondere in Zeiten, in denen die Kosten auch für diese Organisationen natürlich immer weiter steigen. Deswegen tut es mir sehr leid, dass Sie das jetzt unter prekäreren Umständen machen müssen, aber ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie das weiterhin tun.
Ich möchte die Gelegenheit der Debatte zu diesem Poststück beziehungsweise zu den Förderungen für Umweltprojekte nutzen, um einige Anträge einzubringen und vorzustellen, die wir heute hier einbringen möchten. Da spanne ich jetzt ein bisschen einen Bogen, ich weiß, es ist vielleicht ein bisschen ein Spagat, und weite den Begriff "A G'spia fürs Tier" weiter aus als auf den Bereich, den wir mit dieser Förderung und mit diesem Projekt hier heute besprechen, der da vielleicht ein bisschen darüber hinausgeht. Aber es ist auch ein sehr wichtiger Bereich, nämlich geht es um die Artenvielfalt.
Der Joe Taucher hat vorhin gesagt, ein paar Insekten, ein paar Vögel und dann so große Emotionen. - Ich habe sehr große Emotionen bei diesem Thema, ich hoffe allerdings, dass die Debatte jetzt nicht so hitzig wird, wie sie es davor gerade gewesen ist.
Wenn wir von Artenvielfalt sprechen, dann sprechen wir über die Grundlage allen Lebens. Wir sprechen über Gesundheit, über Lebensqualität, über die Resilienz gegen die Klimakrise. Und wir sprechen auch darüber, wie lebenswert Wien in Zukunft noch sein wird. Die Förderung von Artenvielfalt beginnt nicht erst am Stadtrand, die beginnt nicht erst im Nationalpark, wo sie - diese kritische Anmerkung sei mir an dieser Stelle auch erlaubt - gerade durch massive Austrocknung und diverse Tunnelpläne in der Lobau aktuell besonders gefährdet ist.
Biodiversität, Artenvielfalt entscheidet sich mitten in der Stadt - auf unseren Wiesen, in unseren Parks, auf begrünten Fassaden, in Bäumen, unter Büschen und Hecken und auf jeder noch so kleinen entsiegelten Fläche. Kurz gesagt, wir brauchen sie dort, wo die Menschen wohnen. Und die Wiener Abteilung für Umweltschutz und die Stadtgärten setzen bereits mehrere wichtige Akzente zur Förderung der Artenvielfalt. Aber wenn wir uns jetzt anschauen - und ich werde Ihnen gleich ein paar Zahlen nennen -, wie drastisch der Verlust an Artenvielfalt voranschreitet, dann wird sehr schnell klar, es ist leider bei weitem nicht genug. Die Zahlen dazu sind nämlich besorgniserregend.
Wir erleben seit Jahren massive Rückgänge bei Vogel- und Insektenpopulationen in Europa. Langzeitdaten dokumentieren einen Rückgang der Biomasse von Fluginsekten um bis zu 80 Prozent in Österreich. Ich finde dieses Beispiel immer ein bisschen makaber, aber es ist wirklich sehr eindrücklich: Wenn wir uns daran erinnern, wenn wir als Kinder irgendwo mit dem Auto unterwegs gewesen sind oder als junge Menschen, dann ist immer so das Beispiel, wie viele tote Käfer da auf der Windschutzscheibe waren, und heute sieht man da nichts mehr, weil es einfach wirklich nichts mehr gibt. Ich finde, daran sieht man, auch wenn es wirklich ein makabres Beispiel ist, sehr gut, wie schlimm die Situation ist.
Viele Insektengruppen sind bereits stark gefährdet: über die Hälfte der Tagfalterarten und Heuschreckenarten, zwei Drittel der Libellenarten stehen auf der Roten Liste. In Österreich sind bereits 33 Wildbienenarten ausgestorben. Die Verluste können lokal sogar bis zu 50 Prozent betragen. Mehr als die Hälfte der insgesamt 700 Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht. Und es ist nicht nur ein Problem für die Natur, das ist ein Problem für uns Menschen.
Insekten bestäuben Pflanzen, sie verbessern Böden und regulieren Ökosysteme. Vier von fünf Tierarten sind in Österreich Insekten. Sie sind alle wesentlich für die Nahrungskette von Vögeln und eigentlich allen anderen Tierarten, und wir brauchen sie auch für unsere eigene Ernährungsvielfalt. Nicht, weil ich jetzt propagieren möchte, dass man Insekten essen sollte, da bin ich persönlich kein großer Fan davon, ist aber vielleicht Geschmackssache, sondern weil 70 bis 80 Prozent der weltweit angebauten Kulturpflanzen, darunter fast das ganze Obst, Gemüse und Nüsse, auf Bestäubung angewiesen sind.
Artenreiche Grünflächen kühlen außerdem die Stadt. Sie speichern Wasser, sie verbessern die Luftqualität, sie reduzieren Hitzestress, sie fördern die psychische Gesundheit und die Aufenthaltsqualität. Sie machen Städte widerstandsfähiger gegen die Klimakrise. Wenn wir das aufs Spiel setzen, dann verlieren wir auch Gesundheitsschutz und Lebensqualität in Wien.
Das ist der Grund, warum wir heute eine Reihe von Anträgen einbringen, die alle ein gemeinsames Ziel haben: Wir wollen unsere Stadt für die Wiener und Wienerinnen biodiverser, klimaresilienter und lebenswerter machen. Denn wir als Stadt in politischer Verantwortung haben viele Möglichkeiten in unserem eigenen Wirkungsbereich aktiv Schritte zu setzen und da auch mit gutem Beispiel für die Bevölkerung voranzugehen.
Ein Beispiel dafür ist der sogenannte mähfreie Mai. Das ist eine internationale, mittlerweile sehr gut etablierte Aktion. Da geht es darum, dass man Bewusstsein für die Bedeutung von Blühwiesen statt kurzgeschorener, englischer Golfrasen schafft und einfach im Mai nicht mäht. Solche kurz gemähten Rasen sind nämlich ökologisch nahezu wertlos, und sie sind für Insekten sogar lebensfeindlich. Weniger häufiges Mähen hingegen schafft
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