Gemeinderat, 14. Sitzung vom 19.05.2026, Wörtliches Protokoll - Seite 96 von 105
(GR Mag. Josef Taucher: Hearst, wir reden von der Umweltberatung!) Da geht es plötzlich um alternative Männlichkeiten, um hegemoniale Geschlechterbilder, um Diversity-Trainings, Gendermainstreaming und Klimaverhaltenslenkung und ähnliche Konzepte, die mit dem ursprünglichen Gedanken der Volkshochschule nur wenig zu tun haben, denn das ist weder für das Volk noch hoch und schon gar nicht Schule. (Beifall bei der FPÖ.)
Nun soll auch eine Umweltberatung mit über 800 000 EUR weiter alimentiert werden, deren Aufgabe laut Antrag ausdrücklich darin besteht, die umweltpolitischen Ziele der Stadt Wien in konkrete Handlungsvorschläge für die Bevölkerung zu übersetzen, meine Damen und Herren. Das ist keine neutrale Beratung mehr, das ist politische Verhaltenssteuerung auf Kosten der Steuerzahler. (Beifall bei der FPÖ.)
Der Staat erklärt den Menschen zunehmend, wie sie wohnen sollen, wie sie einkaufen sollen, wie sie essen sollen, wie sie heizen sollen, wie sie gärtnern sollen, wie sie inzwischen sogar gesellschaftlich zu denken haben. Und all das wird dann unter den Begriffen wie Bewusstseinsbildung, Transformation oder nachhaltiger Lebensstil verkauft.
Natürlich kann jeder privat solche Kurse besuchen, niemand verbietet das, aber die entscheidende Frage lautet: Warum muss der Wiener Steuerzahler das in dieser Größenordnung finanzieren? - Wir leben in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten, enormer Belastung für Familien, Personalmangel in Kindergärten und Pflege sowie von wachsenden Problemen im Bildungsbereich, vor allem seit sich die neue Sektion N bei den Roten angeschlossen hat.
Wir müssen uns sehr genau überlegen, wofür öffentliche Gelder tatsächlich eingesetzt werden. Wir brauchen wirklich keine weiteren hunderttausenden Euro für Broschüren, Kampagnen, Newsletter, Webinare oder sonstig ideologisch gefärbten Verhaltensberatungsnonsens. (GR Mag. Josef Taucher: Was ist die Ideologie dahinter? Erklären Sie das!)
Besonders bemerkenswert finde ich auch den inflationären Gebrauch des Wortes "öffentlichen Interesses", denn inzwischen scheint in Wien fast alles automatisch öffentliches Interesse zu sein, solange es sich um Klima, Diversity oder gesellschaftliche Transformation handelt. Kontrolle. Kritische Evaluierung und die Frage nach tatsächlichem Nutzen finden hingegen kaum mehr statt. Genau deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. (Beifall bei der FPÖ.)
Nicht weil wir gegen Umweltschutz wären, nicht, weil wir gegen Bildung wären, sondern weil wir der Meinung sind, dass öffentliche Bildungseinrichtungen parteipolitisch und ideologisch neutral bleiben müssen und weil Steuergeld verantwortungsvoll eingesetzt werden sollte, statt immer neue Aktivismus- und Bewusstseinsprojekte zu finanzieren. (Beifall bei der FPÖ.)
Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Taucher. - Bitte, Sie sind am Wort.
GR Mag. Josef Taucher (SPÖ): Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Frau Vorsitzende!
Es geht hier heute um DIE UMWELTBERATUNG, die seit über drei Jahrzehnten Umweltbildung betreibt und die Wiener und Wienerinnen dabei unterstützt, wenn sie das Bedürfnis nach Hilfe haben, beim Garteln, beim Begrünen von Fassaden, und ihnen etwas über Lebensmittel vermittelt, über das Energiesparen, wie man im Haushalt Energie sparen kann. Das alles macht DIE UMWELTBERATUNG.
Wenn manche Familien einen Wald besitzen würden, dann wären sie vielleicht für Baumschulen. Vielleicht wäre das das Richtige für die FPÖ und für meinen Vorredner, weil bei uns in der Steiermark hat man immer gesagt: Wenn du das nicht verstehst, geh in die Baumschule, vielleicht hilft das. (Beifall und Heiterkeit bei der SPÖ. - Zwischenruf bei der FPÖ: Sei freundlich und nimm's zurück!) - In Wien … (Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Sie können sich an den Honecker-Sager erinnern, oder? (Zwischenruf bei der FPÖ: … zweierlei Maß messen.)
Also. Wir in Wien haben uns entschlossen, die Biodiversität so weit wie möglich zu erhalten in einer Großstadt, weil Biodiversität die Grundlage für unser Leben ist. Ohne Biodiversität gibt es keine Ernten, keine Früchte, kein Leben auf dieser Erde. Wien hat … (StR Stefan Berger: Gott sei Dank gibt es dafür die Wiener Volkshochschule! Was täten wir ohne …) - Ja, das ist euch ein Gott sei Dank wert - So. Deswegen hat Wien eine Biodiversitätsstrategie, weil wir schauen, dass die Lebensgrundlage für uns Menschen erhalten bleibt. Das hat mit Ideologie nichts zu tun, sondern das hat mit Überleben etwas zu tun, jede Art möchte gerne überleben. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Deswegen setzen wir darauf, dass wir eine gute Beratung machen, Wissen weitergeben. Und das macht DIE UMWELTBERATUNG Wien hervorragend, gezielt und unideologisch.
Ich meine, Sie konnten eh nicht erklären, was das ideologische Weltbild sein soll. Wir in Wien bauen auf 120 Jahre Erfahrung im Bereich des Grüngürtels, Wiener Wald- und Wiesen-Charter, Zusammenspiel von Stadt und Landwirtschaft. Wir setzen uns ein für den Schutz und den Erhalt der Biodiversität. Und das alles unterstützt DIE UMWELTBERATUNG mit ihrer wertvollen Arbeit, indem sie die WienerInnen berät und informiert und unterstützt. Sie unterstützt die WienerInnen bei der Gebäudebegrünung, um die Stadt zu kühlen - auch das ist wichtig als Lebensgrundlage, dass es nicht zu heiß wird. (StR Stefan Berger: Da brauche ich nicht die Wiener Volkshochschule.)
Also, Gebäudebegrünung. BeraterInnen der UMWELTBERATUNG haben im letzten Jahr im Auftrag der Stadt Wien zum Beispiel 160 Beratungen durchgeführt. Es gibt Begrünungsprojekte für Fassaden, Dächer, Innenhöfe. Die Nachfrage für Beratungen vor Ort, dass DIE UMWELTBERATUNG hinkommt, sich das anschaut und Lösungen vorschlägt, ist extrem hoch und steigt immer mehr.
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular