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Gemeinderat, 11. Sitzung vom 18.02.2026, Wörtliches Protokoll  -  Seite 46 von 119

 

schichte. Selbst das offizielle Polen spricht sich für die Errichtung dieses Denkmals aus.

 

Was haben Sie gemacht? - Sie haben das immer hinausgezögert und relativiert. Sie sind ausgewichen. Jetzt haben Sie die Errichtung mit dem Argument abgesagt, dass Sie islamfeindliche Ressentiments fürchten würden.

 

Sehr geehrte Frau Stadträtin, das ist doch wirklich absurd. Während Figuren wie Stalin und Che Guevara im öffentlichen Raum vielfach unkritisch dargestellt werden, soll einem Verteidiger Wiens ein Denkmal verwehrt bleiben? Das ist eine kulturpolitische und linke Schieflage, die wir nicht akzeptieren werden. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Da zeigt sich auch das Grundproblem Ihrer Erinnerungspolitik: Sie ist nicht konsequent und ideologisch selektiv. Bei linken Ikonen schaut man weg. Bei kommunistischen Verbrechern relativiert man. Bei historischen Verteidigern Wiens bekommt man plötzlich Skrupel. Das ist keine ausgewogene Erinnerungskultur, das ist politische Doppelmoral.

 

Wir fordern deshalb erstens die Umsetzung des Gemeinderatsbeschlusses zur Stalin-Gedenktafel nicht irgendwann, sondern jetzt, zweitens die Entfernung der sogenannten Stalin-Gedenktafel binnen eines Monats, wie in unserem Antrag jetzt gefordert wird, und drittens ein klares Bekenntnis zur eigenen Geschichte durch die Ermöglichung eines Sobieski-Denkmals am Kahlenberg. Bitte machen Sie das. Alles andere ist und bleibt politische Doppelmoral. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist GRin Akcay zu Wort gemeldet. - Bitte.

 

13.45.49

GRin Safak Akcay (SPÖ)|: Frau Vorsitzende, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Stadträtin!

 

Ganz kurz zum Sobieski-Denkmal: Ich muss schon ganz klar festhalten, dass es in Wien sehr wohl eine Sobieskigasse und einen Sobieskiplatz mit einem Brunnen gibt. Das zeigt schon, dass Wien Sobieski bereits längst sichtbar und respektvoll im Stadtbild würdigt. Die Frage ist hierbei nicht, ob wir erinnern, sondern wie, meine Damen und Herren.

 

Eine österreichisch-polnische ExpertInnengruppe hat klar empfohlen, auf ein heroisierendes Denkmal zu verzichten. (Zwischenruf von GR Michael Stumpf, BA.) Monumentale Heldendarstellungen des 19. Jahrhunderts entsprechen nicht mehr unserem heutigen europäischen Selbstverständnis, das auf Frieden, Ausgleich und Zusammenarbeit beruht. (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.)

 

Wer jetzt ein neues heroisches Monument fordert, ignoriert diese fachliche Einschätzung und riskiert, dass Geschichte politisch vereinnahmt wird. Wien steht für eine reflektierte und verantwortungsvolle Erinnerungskultur. Wir würdigen die Geschichte, aber wir instrumentalisieren sie nicht. (Beifall bei der SPÖ. - GR Mag. Dietbert Kowarik: Bei Che Guevara …! Das ist 2008 gemacht worden!)

 

Weiters möchte ich schon betonen: Sich mit der eigenen Geschichte ehrlich auseinanderzusetzen, ist kein Angriff auf die Tradition, sondern ein Zeichen von Reife. Die Kontextualisierung eines Denkmals, wie zum Beispiel jenes für Karl Lueger, und die Idee eines Denkmals für die Gastarbajteri stehen für Fairness und Respekt gegenüber allen, die diese Stadt geprägt haben. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Wenn die FPÖ das ablehnt, blendet sie einen wichtigen Teil unserer gemeinsamen Geschichte aus. Wien ist stärker, wenn es seine Vergangenheit nicht verdrängt, sondern verantwortungsvoll damit umgeht.

 

Nun zurück zum Poststück Kunst im öffentlichen Raum. Medial hören wir ja oft, dass die FPÖ meistens dagegen ist, wenn es um Kunst und Kultur im öffentlichen Raum geht. Denn wozu brauchen wir das? Es ist ja nicht notwendig. Das versteht ja eh keiner. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Sie verstehen es nicht! - GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: … falsche Rede gewählt!)

 

Ich kann da nur sagen: Ja, wir brauchen das. Denn Kunst im öffentlichen Raum heißt, dass Kunst nicht nur im Museum und im Theater, sondern draußen auf den Plätzen, in Parks und in den Grätzeln ohne Eintritt oder Schwelle für jeden und jede zugänglich ist. Denn das ist gelebte Demokratie im Kulturbereich.

 

Ja, Kunst darf auch irritieren. Sie darf zum Nachdenken bringen. Sie darf Diskussionen auslösen. Eine lebendige Stadt wie Wien hält das auch aus.

 

Ich habe manchmal schon den Eindruck, die FPÖ will Kultur und Kunst nur dann, wenn sie bequem ist, wenn sie nichts hinterfragt und niemanden stört. (GR Armin Blind: … auch unbequem! Weil ihr zu feig seid!) Kunst war aber noch nie dafür da, bequem zu sein, meine Damen und Herren.

 

Denn Wien ist international für seine kulturelle Offenheit, seine zeitgenössische Kunst und für Experimente im öffentlichen Raum bekannt. Das ist kein Luxus. Das ist Teil unserer Identität. Es geht dabei nicht um Eliteprojekte. Es geht einfach um Künstlerinnen und Künstler, die arbeiten. Es geht um Projekte in den Bezirken. Es geht um die Kooperation mit Schulen. Es geht um die Beteiligung der Bevölkerung.

 

Kunst im öffentlichen Raum bringt Kultur dorthin, wo die Menschen sind. Wer dagegen stimmt, sagt im Grunde: Kultur soll unsichtbar sein, Kultur soll leise sein, Kultur soll sich zurückziehen. (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Das ist nicht unser Verständnis, meine Damen und Herren. Denn wir stehen für eine offene, lebendige und vielfältige Kulturstadt. Deshalb bitte ich um Zustimmung. - Danke schön. (Beifall bei der SPÖ. - GR Armin Blind: Gut, dass Sie das beurteilen können!)

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist Frau GRin Berner zu Wort gemeldet. - Bitte.

 

13.51.23

GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE)|: Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Damen und Herren auf der Galerie, liebe Damen und Herren via Livestream!

 

Der Akt betrifft Kunst im öffentlichen Raum. Ich bin zwar in der Opposition, aber ich möchte meiner Vorrednerin doch mit vielen Dingen recht geben.

 

Erstens: Kunst im öffentlichen Raum ist ein wichtiger Aspekt, um niederschwellig mit Kunst in Kontakt zu

 

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