«  1  »

 

Gemeinderat, 44. Sitzung vom 25.10.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 12 von 63

 

initiiert, nämlich „Verputzen statt verschwenden“. Es ist ja wirklich traurig, dass so viele Lebensmittel in den Müll kommen, nämlich in den Restmüll: 70 000 Tonnen Lebensmittel kommen jährlich in den Restmüll.

 

2004, also vor genau 10 Jahren, hatten Sie ebenfalls eine Kampagne, nämlich „Das Mistmonster ist eh schon zu blaaad.“, und auch damals waren 70 000 Tonnen an Lebensmitteln im Restmüll. Das heißt, nach 10 Jahren Kampagnen, Aufklärung in den Schulen gibt es noch immer keine Veränderung und keine Reduzierung der Lebensmittelsituation im Restmüll. Sind Sie mit dieser Bilanz zufrieden, oder gibt es da auch eine andere Verantwortung?

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Bitte, Frau Stadträtin.

 

Amtsf StRin Mag Ulli Sima: Ich kann in diesem Zusammenhang sagen, dass es, meine ich, ein gutes Zeichen ist, dass diese Menge nicht weiter gewachsen ist, obwohl es in Wien einen Bevölkerungszuwachs gegeben hat. Wir sind konstant bei diesen Tonnen geblieben. Aber es ist kein einfaches Problem, weil wir da eigentlich nur über die Bewusstseinsebene arbeiten können. Wir können also nichts anderes tun, als den Leuten klarzumachen, wie viel das eigentlich ist, das weggeworfen wird.

 

Dabei handelt es sich, und das finde ich ja besonders erschreckend, meistens um original verpackte Lebensmittel. Wir kennen diese Situation, leider, ich will mich da selber gar nicht ausnehmen: Man geht einkaufen, man nimmt das Packerl, man tut es in den Kühlschrank, und drei Wochen später stellt man fest, dass man leider vergessen hat, es zu konsumieren – ich denke, das werden wir alle hier kennen –, und versucht dann zumindest, dieses richtig zu entsorgen.

 

Ich glaube, da muss man einfach beim Einkaufen ansetzen. Und das ist sehr schwer in einer Zeit, wo man eben Dreierpackungen sehr günstig bekommt. Immer wieder heißt es: Kauf drei, zahl eins. Wir kennen das ja alle aus den Supermärkten. Es wird versucht, einfach sehr viel an Masse an die Konsumenten und Konsumentinnen abzusetzen. Wir kaufen das auch alle dann sehr gern. Das beweist ja der Erfolg solcher Aktionen, nur landet das dann letztendlich im Müll.

 

Was wir immer wieder dramatisch und drastisch versuchen, den Menschen näherzubringen, ist, dass das für jeden Haushalt eine Summe von 400 EUR bedeutet. Das heißt, da gibt es nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ökonomisches Argument, da kann jeder von uns eigentlich sehr viel einsparen. Das kann man nur immer wieder in Erinnerung rufen.

 

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass auch das Lebensministerium zu diesem Thema eine große Kampagne gemacht hat, weil das natürlich eine Herausforderung ist. Aber es gibt wenig andere Maßnahmen als die Bewusstseinsbildung – ja, wir haben auch versucht, mit Supermärkten etwas zustande zu bringen –, die in diesem Bereich greifen. Wir werden einfach versuchen, dieses Thema verstärkt immer wieder ins Bewusstsein zu bringen, denn auch das kennen wir alle: Es gibt eine Kampagne. Man denkt sich, oh, Wahnsinn, man berücksichtigt das dann vielleicht bei drei bis fünf Einkäufen, und dann gerät das wieder ein bisschen in Vergessenheit.

 

Das heißt, das ist ein Thema, wo man wirklich auch dran bleiben und schauen muss, dass das eben nicht so schnell wieder in Vergessenheit gerät, auch angesichts der großen finanziellen Summe, die das bedeutet.

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Ich danke. Die nächste Zusatzfrage stellt GRin Frank. – Bitte.

 

10.04.42

GRin Henriette Frank (Klub der Wiener Freiheitlichen): Frau Stadträtin!

 

Wir haben ja am Freitag voriger Woche das Thema ausgiebig mit Herrn StR Oxonitsch diskutiert, wobei Sie gesagt haben, da gehört es auch hin. Aber was dabei auffiel, war, dass zum Beispiel in 60 Prozent der Schulen überhaupt keine Biotonnen sind. Nun sagen Sie, das ist nicht mein Bereich, das ist Schulbereich. Aber es gäbe da die Möglichkeit, dass man zumindest in der näheren Umgebung entsprechend Biotonnen aufstellt. Da ist bestimmt Nachholbedarf gegeben. Man sollte dann vielleicht auch gemeinsame Projekte starten.

 

Sie kennen vielleicht auch den Spruch – so hat es bei uns geheißen –: Alles, was nicht gegessen wird, nimmst du mit nach Hause. Dann wäre ja schon mal der Müll weg. Oder, wenn daneben wo eine Biotonne ist, dann sollte man das zumindest ordnungsgemäß entsorgen. Das habe ich vermisst.

 

Er hat gemeint, das sei eine Kostenfrage, das würde sich nicht rentieren. Dann frage ich jetzt auch Sie, wie Sie dazu stehen. Denn ich glaube, wenn es um eine nachhaltige Erziehung geht, dann sollte man das nicht unbedingt gleich in die Kostenfrage umleiten.

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Bitte, Frau Stadträtin.

 

Amtsf StRin Mag Ulli Sima: Also, was bei den Schulen an biogenen Abfällen weit mehr ins Gewicht fällt als das, was die Schüler mitbringen, sind die biogenen Abfälle im Küchenbereich. Da hat es ja eine tolle Maßnahme gegeben. Es gibt ja schon 80 Schulen bei uns, die Mittagsverpflegung haben – es hat ja nicht jede Schule eine Mittagsverpflegung –, die jetzt mit der Küchentonne ausgestattet worden sind. Das heißt, da konnten wir einen Großteil der biogenen Abfälle auch für die Biogasanlage rekrutieren.

 

Bei der Biotonne muss man ein bisschen aufpassen, denn man kann nicht alles von der Jause hineinwerfen. Wenn ich eine Wurstsemmel habe, so gehört Fleisch nicht in die Biotonne. Ich weiß daher nicht, ob das die zufriedenstellende Lösung für alles ist.

 

Aber wir versuchen natürlich, die Schulen zu unterstützen. Bei allen Schulneubauten ist es sowieso kein Thema, dass es einen eigenen ausgestatteten Müllraum gibt; aber wir haben auch viele historische Gebäude, wo es eben Platzprobleme gibt, Logistikprobleme, Stockwerke, kein Lift und so weiter, wo es sozusagen aus historischen Gründen schwieriger ist.

 

Wir haben aber seit 2010 eine App und auch einen Online-Plan, in dem man die nächsten Sammelinseln – die im Regelfall von jedem Standort in Wien nicht weiter als 250 m entfernt sind – einsehen und in weiterer Folge

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular