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Gemeinderat, 37. Sitzung vom 26.04.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 26 von 46

 

Schulneubau investieren. Aber es ist auch nichts, womit Sie sich permanent loben müssen. Und wenn Sie schon jegliche Verantwortung am Dienststellenplan des Lehrpersonals an den Bund delegieren, Schulerhalter ist die Stadt Wien. Was nützen Ihnen die schönsten Schulen, wenn Sie dann keine Lehrer dafür haben? Die Stadt Wien hat sich über Jahrzehnte als miserabler Schulerhalter, als wirklich schlechter Bauherr gezeigt und das sind genau die, die ihre Häuser herunterkommen lassen. Das sind die schlechten Bauherren und das sind die, auf die Sie immer mit dem Finger zeigen, zu Recht, die Spekulanten. Nur in dem Zusammenhang, was den Schulbau betrifft, frage ich Sie schon: Auf was spekulieren Sie? Dass es keiner merkt? Dass es niemanden interessiert? Dass es eh wurscht ist? Das hätte ich auch ganz gern einmal geklärt. Jetzt werden Sie sagen, das kann man nicht vergleichen, weil beim Schulneubau gibt’s keine Rendite. Die gibt’s. Beim Schulbau gibt’s eine Rendite und die ist leider für die Stadt Wien sehr negativ, denn Bildung und Arbeitslosigkeit sind kommunizierende Gefäße und 10,5 Prozent Arbeitslose sind eine sehr negative Rendite. Den höchsten Anteil an Arbeitslosen in Wien haben jene Mitbürgerinnen und Mitbürger, die nur einen Pflichtschulabschluss haben oder fast oder überhaupt keinen positiven Schulabschluss und das sind nicht die Leute, die alle zugezogen sind. Das sind schon in der überwiegenden Mehrheit jene, denen die Segnungen des Bildungsstandortes Wien zuteil geworden sind. Herzlichen Dank. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Vorsitzende GRin Dr Monika Vana: Zum Wort gemeldet ist Frau GRin Mag Wurzer. Ich erteile es ihr.

 

11.27.40

GRin Mag Martina Wurzer (Grüner Klub im Rathaus)|: Frau Vorsitzende! Herr Berichterstatter! Kolleginnen und Kollegen! Liebe Jugendliche, die ihr hier seid!

 

Ja, Wien wächst sehr schnell und da müssen natürlich auch genügend Schulplätze her. Wien muss sehr schnell für zeitgemäße Schulbauten sorgen, muss schnell neue Schulbauten, neue Schulplätze schaffen und das tut die Stadt Wien auch. Die Qualität darf aber bei neuen Schulgebäuden natürlich nicht in den Hintergrund rücken, denn die Qualität von Bildungsbauten spiegelt die Wertschätzung wider, die eine Gesellschaft, die wir dem Thema Bildung, vor allem aber den dort Lernenden und Lehrenden an den Schulen entgegenbringen. Die Anforderungen an unsere Bildungseinrichtungen, an unsere Schulen sind ja sehr zahlreich und wandeln sich gerade in den letzten Jahren auch sehr. Wir brauchen neue, differenzierte Lehr- und Lernkulturen, das heißt, weniger Frontalunterricht, mehr Eigeninitiative und individuelle Förderung, mehr Arbeit im Team, mehr Teamteaching. Wir brauchen ganztägige Schulformen, das heißt also auch ganztägige Arbeitsplätze für PädagogInnen. Wir brauchen Gebäude, die geeignet sind, die Einbindung von außerschulischen Bildungsangeboten zu leisten, die auch wichtige Bausteine für ein zeitgemäßes Lernen sind.

 

Für eine bessere Schule brauchen wir auch bessere Häuser. Bildungseinrichtungen und die Atmosphäre in ihnen wirken sich sehr stark auf die Menschen aus, die dort leben, und ich sag’ extra, leben und nicht nur dort lernen, sondern sehr viel Zeit dort verbringen. Das gilt natürlich besonders für Kinder und Jugendliche, die in der Schule einen ganz beträchtlichen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbringen und eine ganz entscheidende Phase ihrer Entwicklung dort durchleben. Deshalb haben wir hier die Basis für ihr lebenslanges Lernen zu legen, für ihre Freude am sich Bilden, am Weiterbilden, an ihrer aktiven Teilhabe in der Gesellschaft. Die Schulen, die Bildungseinrichtungen, die wir heute, die wir jetzt bauen, müssen also als Orte für eine neue Lernkultur bestehen. Sie sollen keine reinen Belehrungs- oder Aufbewahrungsorte sein, sondern sie sollen vielfältige Unterrichtsarrangements ermöglichen.

 

Sie sollen es erlauben, neben der Belehrung, neben der reinen Instruktion auch die Selbstaneignung, das soziale Miteinander, die Hilfsbereitschaft und die Entwicklung eines Gemeinschaftssinns vor allem auch in den Mittelpunkt zu rücken. Die Schule ist ein Ort zum Aufwachsen und zum Lernen. Schule darf deshalb nicht, und das ist ja leider bei den alten Schulgebäuden so, wenn man einen Blick in die Schulen, in unsere derzeitigen alten Schulgebäude wirft, dann wird Schule als eine Summe von Klassenzimmern und ein paar Spezialräumen verstanden, die in erster Linie auf die Belehrung von vorne ausgerichtet sind. Die baulichen Gestaltungen und die räumliche Ausstattung sind leider derzeit so ausgerichtet, dass auch den PädagogInnen die Ausstattung an sich schon vor allem den Frontalunterricht nahelegt. Also Lernen im Gleichschritt, wo alle im selben Moment dieselben Schritte tun sollen, was wir für falsch und hinderlich halten. Und eine Umgebung, in der sich individualisiertes Lernen leider noch sehr schwer entfalten kann.

 

Neue Lernräume erfordern also neue Räume. Die Schule der Zukunft braucht Raum. Schule, Schulgebäude und Außenanlagen sollen so gestaltet werden, dass sich Kinder dort wohlfühlen, ihre Kreativität angeregt wird und selbstverständlich ihre Neugierde geweckt wird. Die Herausforderung an die Architektonik ist ja groß und die Herausforderung besteht darin, differenzierte räumliche Angebote zu schaffen und schularchitektonische Antworten auf Anforderungen zu geben, die, wie ich schon gesagt habe, zahlreich sind und die sich in letzter Zeit sehr entwickeln. Wir brauchen Lernlandschaften. Wir brauchen Versammlungs- und Rückzugsbereiche. Wir brauchen Arbeitsbereiche für unterschiedliche Gruppengrößen. Wir brauchen Arbeitsplätze für PädagogInnen. Wir brauchen Freizeittauglichkeit der Räume und der Ausstattung. Wir brauchen die Flexibilität und die Mehrfachnutzung der Raumressourcen, die dort solche Bildungseinrichtungen zur Verfügung stellen.

 

Die Campusmodelle, auf die die Stadt Wien in den letzten Jahren sehr stark setzt, können diesen Anforderungen und Bedürfnissen gerecht werden. Sie schaffen es, diesen Bedürfnissen ein Dach zu geben. Sie schaffen es, neuen Lernkulturen auch tatsächlich Raum zu verschaffen und wir tun das in den nächsten Jahren auch kräftig. Wir schaffen von diesen Campusmodellen noch mehrere. Wie bereits erwähnt wurde, schaffen wir zu den zusätzlich bestehenden etwa am Nordbahnhof den Hauptbahnhof-Campus und den Monte-Laa-Campus. Zu

 

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