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Gemeinderat, 25. Sitzung vom 27.06.2012, Wörtliches Protokoll  -  Seite 59 von 89

 

die Möglichkeit hätten. Kinderrechte und Armutsbekämpfung sind daher die Themen, denen sich Wien ganz besonders widmet. Kinder werden von ihren Eltern, die selber keine Bildung, selber keine Ausbildung erhalten haben und daher kein existenzsicherndes Einkommen für ihre Familien erzielen können, in Steinbrüche, in Fabriken oder auf Müllhalden zum Müllsammeln geschickt. Diese Kinder sind im Volksschulalter, oft noch jünger.

 

Durch Kinderarbeit wird diese Generation ebenfalls um Bildungs- und Ausbildungschancen gebracht und wir müssen diesen Teufelskreis endlich durchbrechen. Wien stellt mit diesen Projekten Geldmittel zur Verfügung und wir Vertreterinnen und Vertreter der drei Parteien, die sich zu entwicklungspolitischer Zusammenarbeit bekennen, wir beschließen diese Akte, wir stellen diese Geldmittel zur Verfügung. Heldinnen und Helden sind wir deswegen noch lange nicht. Haben Sie sich, werte Kolleginnen und Kollegen, schon einmal überlegt, warum die Menschen so arm sind? Dass das vielleicht auch auf unsere Kosten geht? Dass wir mit unserem Lebensstil dazu beitragen, dass die Menschen so arm sind? Es geht um Verantwortung. Es geht aber auch vielleicht darum, endlich zu erkennen, wie man im tagtäglichen Leben diese Menschen unterstützen kann und wie wir selber unser Leben ändern können, um diesen Menschen zu helfen. (Beifall bei SPÖ und GRÜNEN.)

 

Ich will damit sagen, die wirklich großartige Leistung vollbringen wir nicht, wenn wir heute hier diese Akte beschließen. Es ist ein Beitrag und es ist etwas, was ich als verantwortungsvolle Politikerin natürlich mache und voll unterstütze. Die großartige Arbeit leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Ehrenamtlichen, die Angestellten in den NGOs, die sich tagtäglich mit dem Leid dieser Menschen auseinandersetzen, die bitten und betteln gehen, um irgendwelche Mittel zu lukrieren, die selber vor Ort sind, die einen Teil ihres Lebens dafür opfern, um diesen Menschen zu helfen. Das sind die wahren Heldinnen und Helden. Denen gebührt unser Dank, unsere Anerkennung! (Beifall bei SPÖ und GRÜNEN.)

 

Wir leben in einer Welt, die Grenzen sind nur in unseren Köpfen und das in einer sehr unterschiedlichen Art und Weise. Wir leben in einer Welt, in der jeder Mensch ein Recht auf menschenwürdiges Leben hat. Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Ärmeren und Schwächeren innerhalb unserer Stadt, innerhalb unseres Landes und innerhalb dieser Welt. Die finanzielle Unterstützung dieser Projekte ist ein kleiner Beitrag zur Verbesserung dieser Welt. Ich rufe sie auf, sich durch Ihre Stimmabgabe an dieser Verbesserung zu beteiligen.

 

Gestatten Sie mir am Schluss meiner Ausführungen noch ein paar Worte zu dem angesprochenen Südafrikaprojekt zu sagen. Ja, es ist richtig, es wird hier Geld flüssig gemacht für ein Projekt außerhalb der Calls. Wir machen das in Wirklichkeit seit vielen, vielen Jahren, denn die Apartheidbewegung hat ihre Spuren hinterlassen. Gerade in diesen Gebieten, wo die meisten Menschen leben, wurden Schulinfrastrukturbauten sehr vernachlässigt. Seit vielen Jahren unterstützt die Stadt Wien Schulprojekte, Schulbauten und Schulorganisationen. Dass ein Abgeordneter, ein Gemeinderat in diesem Haus im Vorstand einer solcher Organisation ist, finde ich gut, finde ich unterstützungswert und ich würde mir wünschen, dass jeder Gemeinderat und jede Gemeinderätin in diesem Haus ein solches Projekt mehr als durch Handheben unterstützen, im Vorstand tätig sind, in einer NGO tätig sind. Das ist nämlich wirklich etwas Großartiges, wo wir den Menschen sagen können, wir stehen hinter dem, was wir beschließen. Wir arbeiten auch mit. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei SPÖ und GRÜNEN.)

 

Vorsitzende GRin Dr Monika Vana: Zum Wort gemeldet ist Herr GR Akkilic. Sie haben 20 Minuten.

 

14.57.23

GR Senol Akkilic (Grüner Klub im Rathaus)|: Sehr geehrte Frau Vorsitzende! Sehr geehrte Frau Berichterstatterin!

 

Der Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit der Stadt Wien ist heuer Kinderprojekte, Unterstützung von Kindern, damit es ihnen ein bisschen besser gehen kann. In Zeiten, wo die Finanz- und Wirtschaftskrise Europa schüttelt, reiche Länder schüttelt, kann man sich ausmalen, wie es den ärmeren Ländern geht und wie es den Menschen dort geht, kann man sich ausmalen, wie es den Frauen dort geht, wie es den Kindern dort geht. Haben sie was zu essen? Haben sie Klamotten? Haben sie Schulen? Haben sie den Bruchteil jener Möglichkeiten, die unsere Kinder hier im reichen Europa haben? Da würde ich sagen, eher nein. Und in solchen Zeiten damit zu argumentieren und zu sagen, ja, wir haben eine Schieflage in der Gesellschaft, bei uns gibt’s auch arme Leute und wir müssten zuerst eigentlich die Armut in unserem Land bekämpfen, erst auf uns schauen und dann auf die anderen, ist eine egoistische Grundhaltung. Jetzt sag ich einmal, wenn man in der Entwicklungszusammenarbeit sparen würde, dass diese gesparte Summe auch bei uns nicht sehr viel bewegen würde.

 

Von daher glaube ich, ist die Grundsäule einer solidarischen Gesellschaft, darauf auch Rücksicht zu nehmen, was auf der ganzen Welt passiert. Und hier ist das Projekt, das in Südafrika verwirklicht wird, das ist ja nicht ein Projekt, das von heute auf morgen entstanden ist, das ist ein Projekt, das anerkannt ist, europaweit anerkannt ist, wo sehr viele Wissenschafter, Wissenschafterinnen mitwirken, wo Schulen in Südafrika gebaut werden, wo die Kinder was davon haben, wo auch örtliche Behörden in die Zusammenarbeit eingebunden sind und wo auch Kontrollmechanismen entstehen. Ich glaube, das ist gut. Die Kinder haben dort damit eine Freude und die Stadt Wien bekommt dadurch auch international einen guten Ruf beziehungsweise den Ruf, eine solidarische Stadt zu sein.

 

Was den Einwurf des Herrn Jung betrifft, ob die Wirtschaftsprüfer anderer Länder vertrauenswürdig sind oder nicht. Ich frage mich: Wie vertrauenswürdig sind Sie eigentlich? Wenn wir Ihnen die Finanzen überlassen, dann haben wir innerhalb von zwei Jahren leere Kassen, meine Damen und Herren! Hier anderen Ländern

 

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