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7.7 Fazit

7. Handlungsempfehlungen

In diesem Bericht wurde die Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden in Wien umfassend analysiert. Es wurde definiert, was chronische Wunden sind, und erläutert, wie sie entstehen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Dabei zeigte sich: Chronische Wunden sind in den meisten Fällen Begleiterscheinungen unterschiedlicher Grunderkrankungen.

Behandlungsstrategien müssen daher mehrere Aspekte berücksichtigen: die Ursachen der Wunde, die Begleiterkrankungen, das Heilungsstadium, durch die Wunde verursachte Schmerzen, psychosoziale Beeinträchtigungen sowie die Mobilität und die soziale Einbettung der betroffenen Person. Auch der chronische Charakter selbst ist bedeutsam: Chronisch krank zu sein bedeutet, dass Lebensgewohnheiten oft – teils dauerhaft – beeinträchtigt werden, dass Behandlungsprozesse viel Zeit und Energie kosten und dass eine Abheilung ohne Rezidivprophylaxe lediglich ein Etappensieg ist.

Im Anschluss an die medizinische Einordnung wurde die Lebenssituation der betroffenen Menschen in Wien analysiert. Für Wien wie für ganz Österreich fehlen bisher wissenschaftlich erhobene Daten zur Prävalenz und Inzidenz chronischer Wunden. Internationale Studien zeigen eine große Spannbreite – von 1,47 bis 50 Patient*innen pro 1.000 Einwohner*innen –, was eine präzise quantitative Einordnung erschwert. Die demografische Entwicklung der Wiener Stadtbevölkerung zeigt jedoch eindeutig, dass die altersbedingte Risikogruppe wächst – und damit auch der Bedarf an ausreichenden Versorgungskapazitäten.

Die Analysen belegen außerdem, dass die Amputationsraten aufgrund chronischer Wunden über die letzten Jahre konstant hoch sind – und dass Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen. Das liegt daran, dass Männer öfter an pAVK und diabetesbedingten Wunden leiden – den häufigsten Ursachen für Amputationen. Sie weisen zudem eine höhere Behandlungsintensität auf.

Auch wurde aufgezeigt, dass die Zahl der Einpersonenhaushalte in Wien steigt – insbesondere unter Menschen über 60 Jahren. Das ist in zweifacher Hinsicht relevant: Erstens schätzen Personen mit geringer sozialer Einbindung ihren Gesundheitszustand schlechter ein als gut eingebundene. Zweitens sind viele Menschen mit chronischen Wunden auf soziale Unterstützung und Pflege durch Angehörige angewiesen.

Befragte Patient*innen wünschten sich stabile, vertrauensvolle Beziehungen zu den behandelnden Fachpersonen. Offene Gesprächsräume in Wundzentren oder Krankenhäusern sowie Selbsthilfegruppen könnten dabei helfen, die soziale Isolation zu verringern, den Austausch unter Betroffenen zu fördern und das Gefühl von Zugehörigkeit zu stärken. Neben einer hochwertigen medizinischen Versorgung spielt somit auch die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen eine zentrale Rolle in der Wundversorgung.

Der vorliegende Bericht dokumentiert die Versorgungssituation und deren Entwicklung. Es wurde deutlich, dass die effektive Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden eine organisatorische Herausforderung darstellt – nicht nur in Wien. Integrierte und personenzentrierte Versorgungsansätze werden international als Erfolg versprechend angesehen. Einen solchen Ansatz verfolgt auch das Wiener Wundnetz – ein Versorgungskonzept, das auf spezialisierten Ordinationen und einer gezielten Vernetzung relevanter Gesundheitsdiensteanbieter*innen basiert.

Das Wiener Wundnetz wurde durch ein Wiener Landeszielsteuerungsprojekt initiiert. Neben der erfolgreichen Etablierung von Versorgungspunkten auf Basis von Sonderverträgen zwischen Gesundheitsdienstanbieter*innen und Krankenversicherungsträgern wurden regelmäßige Netzwerktreffen organisiert – deren Nutzen trotz anfänglicher Skepsis heute außer Frage steht.

Die Schaffung des Wiener Wundnetzes ist ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zu einer verbesserten Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden in Wien. Doch wie der Blick aus der Versorgungspraxis zeigt, bleibt viel zu tun, um die derzeit noch beobachteten Brüche in der Versorgungskontinuität zu beheben und die Betreuungsqualität zu verbessern, damit jede in Wien lebende Person eine qualitativ hochwertige Wundversorgung erhält.