6.4 Profifußballerin
Personenbeschreibung
Irina ist 28 Jahre alt und hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Sie ist Profifußballerin, genauer gesagt Stürmerin. Schon als Kleinkind hat sie es geliebt, stundenlang im Park mit den Füßen um den Ball zu kämpfen und riskante Torschüsse zu versuchen. Ihre Eltern haben sie erst nach Hause bekommen, wenn es schon zu dunkel war, um den Ball zu sehen. In der Volksschule hat sie sich für ein Mädchenteam eingesetzt und war bald in einem Verein. Später hat sie die Ausbildung zur Übungsleiterin gemacht. Das bedeutet, sie ist Fußballtrainerin. Neben Schule und Ausbildung hat sie in verschiedenen Vereinen trainiert und sich immer weiter nach oben gespielt. Heute spielt Irina bei einem großen Wiener Fußballclub. Was ihr besonders Spaß macht, ist die Zusammenarbeit im Team. Das Training kann aber ganz schön anstrengend sein. Und vor den großen, wichtigen Spielen spürt sie die Nervosität im Bauch. Aber das Gefühl, wenn nach einem Tor das ganze Team jubelt und die Zusehenden sie anfeuern, findet sie unbeschreiblich. Zusätzlich arbeitet Irina als Trainerin beim Verein kick mit, ein Fußballprojekt für Mädchen und junge Frauen. Das macht sie, um genug Geld zum Leben zu haben, denn vom Profi-Fußball allein kann sie (noch) nicht leben – im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen. Es ist ihr aber auch besonders wichtig, Mädchen in ihrem Lieblingssport zu fördern. Irina sagt: „Wenn es Frauenfußball heißt, müssen wir dann nicht auch Männerfußball sagen?“
(Hierbei handelt es sich um eine erfundene Personenbeschreibung.)
Jobbeschreibung
Fußball ist mit Abstand der beliebteste Sport in Österreich: Zum Zusehen und Anfeuern, aber auch zum selbst Spielen. Über 200.000 Menschen sind in Österreich Mitglied in einem Fußballverein und fast 900.000 Menschen besuchten 2023 in Wien ein Fußballspiel. Nur wenige schaffen es allerdings, Profi zu werden. Vor allem die Spielerinnen des österreichischen Nationalteams haben in jüngster Zeit durch ihre Erfolge von sich reden gemacht: 2017 haben sie es sogar ins Halbfinale der Europameisterschaften geschafft. Trotzdem ist es immer noch so, dass Männerfußball mehr Aufmerksamkeit und Förderung bekommt. Auch beim Gehalt ist es nicht so einfach: Es gibt zwar einen Kollektivvertrag für Fußballer*innen der Österreichischen Fußball-Bundesliga. Trotzdem gibt es kein einheitliches Gehalt, auf das sich Profis verlassen können. Es gibt beim Fußballsport einen eindeutigen Gender Pay Gap. Das bedeutet, dass Männer und Frauen, die in derselben Liga spielen, unterschiedlich viel Gehalt bekommen. Männer verdienen hier sogar 50- bis 200-mal mehr als Frauen.
In Österreich verdienen Frauen allgemein bei gleicher Ausbildung und gleicher Arbeit im Durchschnitt immer noch weniger als Männer. In Wien ist der Unterschied am geringsten, aber auch hier gibt es noch eine Einkommensschere zwischen Männern und Frauen. Vor allem Profispielerinnen können selten vom Fußball leben, die meisten brauchen einen zweiten Job. Viele Profifußballerinnen versuchen deswegen, in anderen Ländern einen Verein oder Club zu finden.
Ausbildungswege
Wer Fußballprofi werden möchte, muss früh anfangen. Die Anforderungen sind sehr hoch, und es braucht jahrelanges Training und gezielte Förderung, um eine Chance darauf zu haben, sein Hobby zum Traumberuf zu machen. Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) hat zum Beispiel einen eigenen Ausbildungsweg: Am besten ist man schon als Kind Mitglied in einem Verein. Danach gibt es in den Bundesländern Landesverbands-Ausbildungszentren, in denen 10- bis 14-jährige Nachwuchstalente trainiert werden. Das Wiener Zentrum befindet sich im Ernst-Happel-Stadion. Die meisten versuchen anschließend, in eine ÖFB-Akademie aufgenommen zu werden. Das sind Eliteausbildungsstätten für die Talentiertesten. In St. Pölten gibt es die einzige Frauen-Akademie in ganz Österreich. Wer dort trainiert, geht dann in eine nahegelegene Partner*innenschule. Um das Fußballtraining mit einer Ausbildung oder einem Studium zu vereinbaren, gibt es auch begehrte Stipendien, um die man sich bewerben kann. Viele nutzen diese Möglichkeit auch im Ausland, zum Beispiel in den USA. Der Weg zum Profifußball ist also kein leichter. Um es an die Spitze zu schaffen, braucht es Talent, Durchhaltevermögen, viel Training und auch Glück.