Masterplan Urbane Logistik Startseite wien.gv.at
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5.1 Handlungsfeld A – Transportmittel und Verkehrsträger

5. Umsetzungsmaßnahmen des Masterplan Urbane Logistik

Wien bietet für die urbane Logistik eine breite Palette an Infrastrukturen für unterschiedlichste Verkehrsträger. Egal ob zu Land, Luft oder Wasser: mit dem Hafen Wien, dem internationalen Flughafen Wien in Schwechat und dem hochrangigen Straßen- und Schienennetz ist die Stadt bereits bestens in das nationale und internationale Verkehrsnetz integriert und ein wichtiger Knoten im transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN). Angesichts der steigenden Umweltbelastungen aus dem Verkehrs- und damit auch Logistiksektor in Verbindung mit dem anhaltenden Bevölkerungswachstum steht Wien vor der Herausforderung, die Logistiksysteme der Stadt effizienter und effektiver mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit zu programmieren. Zur Erreichung der Klimaneutralität müssen daher Transformationsprozesse der „Gefäße“ der Logistik – der unterschiedlichen Transportmittel und Verkehrsträger – stattfinden. Diese sollen zukünftig nach dem Modell der "Drei Vs" gedacht werden: Logistik soll so organisiert werden, dass nichtzwingend erforderliche Verkehre vermieden werden. Die verbleibenden Logistikverkehre werden auf nachhaltigere Transportansätze verlagert, die restlichen Logistikverkehre in der Stadt Wien im Sinne der Umweltverträglichkeit verbessert.

Besonderes Augenmerk im Masterplan erfordern diese Transportmittel der Logistikbranche, welche sich im Spannungsfeld von technologischem Wandel und hohem Kostendruck befinden. In der Stadt Wien wird der motorisierte Straßengüterverkehr als Verkehrsart mit dem höchsten Handlungs- und Regulierungsbedarfs angesehen, um die Klima- und Mobilitätsziele zu erreichen. Dieser Sektor bildet daher einen Schwerpunkt des Masterplans Urbane Logistik.

Hebel A1 – Evaluierung von Zero-Emission-Zonen (ZEZ) für den Wirtschaftsverkehr

Worum geht’s? Der Logistikverkehr auf den Straßen Wiens verursacht erhebliche CO₂-Emissionen und trägt maßgeblich zum Verkehrsaufkommen in der Stadt bei. Um eine weitgehende CO₂-Neutralität in der Logistik zu erreichen, sind ordnungspolitische Maßnahmen erforderlich, welche den Transformationsprozess effektiv vorantreiben. Die Stadt Wien prüft hierzu Zero-Emission-Zonen (ZEZ) als entscheidenden Hebel für einen klimaneutralen Wirtschaftsverkehr. In diesen Zone wird ausschließlich lokal emissionsfreien Fahrzeugen des Wirtschaftsverkehrs die Zufahrt erlaubt sein. Dadurch sollen sowohl die Luftqualität als auch die Lebensqualität der Wiener*innen nachhaltig verbessert werden.

So geht’s! Die Stadt Wien setzt sich für die erforderlichen Anpassungen auf bundesgesetzlicher Ebene ein, um Zero-Emission-Zone (ZEZ) im Stadtgebiet umsetzen zu können. Eine enge Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Wirtschaftstreibenden sowie eine wissenschaftliche Begleitung sollen den Übergang unterstützen. Sobald gesetzliche Grundlagen zur Erprobung von ZEZs vorliegen, sollen Pilotgebiete geprüft werden.

Wichtige Aspekte für eine nachhaltige Implementierung:

  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Die Realisierung von Zero-Emission-Zonen in Wien setzt gesetzliche Anpassungen auf Bundesebene voraus. Die Stadt Wien setzt sich daher für die notwendigen Novellierungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) beziehungsweise des Immissionsschutzgesetzes-Luft (IG-L) beim Bund ein, um eine rechtliche Grundlage für die Einführung einer ZEZ zu schaffen.
  • Standortsicherung, Übergangsfristen und Ausnahmen: Unternehmen erhalten ausreichend Vorlaufzeit, ihre Fahrzeugflotten entsprechend umzustellen. Übergangsfristen und erforderliche Ausnahmen werden dabei berücksichtigt und abgestimmt. Ergänzende Maßnahmen, wie der Ausbau der E-Ladeinfrastruktur für den Wirtschaftsverkehr, unterstützen die erfolgreiche Implementierung (siehe B1).
  • Bezirkslogistikkonzepte: Bis 2028 wird in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien ein Bezirkslogistikkonzept für den 1. Bezirk entwickelt. Dieses soll als Planungsgrundlage dienen.
  • Wissenschaftliche Begleitung: Erkenntnisse aus der Wissenschaft (wie das Projekt FAMOUS (siehe C3)) liefern wertvolle Grundlagen für die Planung und begleiten die praktische Umsetzung der Zero-Emission-Zonen.
  • Lokale und regionale Kooperation: Eine Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien

stellt einen Hebel für die Akzeptanz der Maßnahme sicher. Durch die Einbettung der

Maßnahme in die Plattform “Logistik 2030+” (siehe C3) wird das Vorhaben zudem über die Stadtgrenzen hinaus verankert und die Vorbereitung nachhaltiger, regionaler Logistiklösungen angeregt.

Hebel A2 – Förderung von alternativen Zustellfahrzeugen in Wien

Worum geht’s? Die letzte Meile im Lieferverkehr wird derzeit hauptsächlich von benzin- und dieselbetriebenen Kleintransportern bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht bewältigt, welche zu hohen Emissionen und Verkehrsbelastungen in Wien beitragen. Die Stadt Wien strebt daher an, den Fahrzeugeinsatz in der Logistik auf der letzten Meile mit umweltfreundlicheren, leiseren und flächeneffizienteren Fahrzeugen zu forcieren, indem sie für bestimmte - v. a. innerstädtische Anwendungsfälle in der Feinverteilung - den Einsatz alternativer Zustellfahrzeuge wie beispielsweise (E-)Lastenräder oder funktional vergleichbare, platzsparender Fahrzeugkonzepte – ermöglicht und fördert.

Auf der Mariahilferstraße in Wien steht ein Ladetransporter, neben ihm auf der Straße fahren zwei Radfahrer*innen, einer mit dem Lastenrad.

© Stadt Wien/Christian Fürthner

So geht’s! Umsetzungsschritte für den vermehrten Einsatz alternativer Zustellfahrzeuge: Innovationsräume für Pilotprojekte in Form von Testfeldern („Living Labs“) werden unterstützt, um den Einsatz alternativer, besser für den urbanen Raum geeigneter Zustellfahrzeuge zu erproben und zu evaluieren. Die Potenziale verschiedener, alternativer Zustellfahrzeuge als geräuscharme, CO2-freie und flexible Verkehrslösung für die Güterfeinverteilung und Dienstleistungsfahrten auf der letzten Meile sollen damit zukünftig stärker zum Tragen kommen. Die Erfassung von räumlichen und verkehrlichen Konflikten im Straßenraum – insbesondere mit nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer*innen – dient dabei der Identifizierung rechtlicher Anpassungsbedarfe, um ein konfliktfreies und sicheres Miteinander zwischen allen Verkehrsteilnehmer*innen sicherzustellen. Notwendige Änderungen von Bundesgesetzen werden aktiv eingefordert. Eine bessere Aufklärung

über geltende Regelungen und mögliche Folgen problematischen Verhaltens sollen Konflikte auf Verkehrsflächen reduzieren. Die Stadt Wien bleibt zudem weiterhin engagiert, den Einsatz von alternativen Zustellfahrzeugen in Wien voranzutreiben.

Wichtige Aspekte für die Etablierung alternativer Zustellfahrzeuge und Verkehrsmanagements:

  • Automatisierte Zustellfahrzeuge: Initiativen zur Automatisierung in der Logistik werden begrüßt. Automatisierte, unbemannte Zustellfahrzeuge wie Lieferroboter auf den Gehsteigen und Radwegen werden seitens der Stadt Wien jedoch nicht unterstützt.
  • Öffentlicher Raum: Der öffentliche Raum, wie Parks, Straßen oder Plätze, ist in erster Linie für den Menschen gedacht und für alle Personen zugänglich. Die Nutzung des öffentlichen Raums für Logistikzwecke muss daher auf das notwendige, praktikable Minimum beschränkt werden. Abstell- und Manipulationsflächen sollen daher grundsätzlich auf privaten und halböffentlichen Flächen, die zwar öffentlich zugänglich sind, aber Zugangsregeln unterliegen können (wie Bahnhöfe oder Gemeindebauten) realisiert werden.
  • Güterlogistik per Wasserwege: Die Stadt Wien untersucht die Machbarkeit von Logistikkonzepten auf den Wasserwegen der Donau und des Donaukanals, welche zukünftig mit lokal-emissionsfreien oder hybriden Binnenschiffen abgewickelt werden könnte. Damit soll der Großraum Wien über die vorhandene Infrastruktur der Donau sowohl lokal als auch überregional umweltfreundlich verbunden werden.

Hebel A3 – Verbesserung der Wissens- und Datenbasis der Stadt Wien zu Logistikverkehren

Worum geht’s? Fundiertes Wissen über Logistikprozesse ist essenziell für die Optimierung derurbanen Logistiksysteme und Grundlage für eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung innerhalb der Stadt Wien. Um dies zu erreichen, intensiviert die Stadt Wien zukünftig die Bemühungen, die Daten- und Wissenslage innerhalb der Stadtregion zu Güterströmen zu verbessern. Eine erweiterte Informationsgrundlage zu den Güterströmen in Wien schafft zudem zusätzliche Möglichkeiten für ein effektiveres Verkehrsmanagement auf der letzten Logistikmeile, etwa durch die Optimierung von Lieferzeitfenstern.

So geht’s! Umsetzung einer verbesserten Logistik-Datenerfassung und -nutzung: Die neue

Koordinationsstelle für Logistik in der Stadt Wien (siehe Hebel C1) prüft in Zusammenarbeit den relevanten Dienststellen und Unternehmen der Stadt Wien sowie Interessensverbänden und der Wissenschaft die Möglichkeiten bestehende Datenquellen bestmöglich miteinander zu verknüpfen. Auf EU- und Bundesebene wird sich die Stadt Wien für eine bessere Datenlage zu Logistikströmen bzw. zur Schaffung rechtlicher, regulativer Grundlagen zur Datenerhebung, die für alle Logistikanbieter*innen gelten, einsetzen. Das Thema Datenschutz muss dabei immer gewahrt bleiben und betriebliche Interessen der Wirtschaftsakteur*innen gebührend berücksichtigt werden.

Zwei Radfahrer*innen begegnen sich, eine Person sitzt auf einem Grätzlrad.

© Stadt Wien/Christian Fürthner

Wichtige Aspekte für eine nachhaltige Implementierung:

  • Kommunikation: Eine frühzeitige Einbindung relevanter Stakeholder*innen sowie eine Einladung zum transparenten Datenaustausch bei gleichzeitiger Bereitstellung von Ergebnissen macht deutlich, dass von diesem Prozess nicht nur die öffentliche Hand profitiert, sondern auch ein Wissensgewinn für die Logistiktreibenden der Stadtregion entsteht. Ein vertrauensvoller und kooperativer Prozess zwischen öffentlicher Hand und Wirtschaftsakteur*innen ist dabei die oberste Prämisse.
  • Kooperation auf Augenhöhe: Durch die gemeinsame Identifikation von Datenbedarfen, die Definition von Datenstandards und die laufende Aktualisierung der Datengrundlagen soll jedenfalls ein gegenseitiger Mehrwert für alle privaten und öffentlichen Beteiligten entstehen und somit Anreize zur Mitwirkung gesetzt werden.
  • Digitale Technologien: Bei der systematischen Erhebung und Strukturierung von Daten sollen sowohl neue digitale Technologien eingesetzt als auch neue Datenpotenziale sowie zukünftige Möglichkeiten der Datenerhebung durch digitale Technologien geprüft werden.