1.1 Wieso braucht es einen Masterplan Urbane Logistik?
Die Stadt Wien will bis 2040 klimaneutral werden. Dieses Ziel kann nur durch tiefgreifende Veränderungsprozesse im Verkehrssektor erreicht werden, der für über 40 % der Wiener Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Oft im Schatten des Personenverkehrs stehend, ist die städtische Logistik hierbei für das Funktionieren der Stadt – sowohl als Wirtschaftsstandort als auch als Ort zum Leben – von fundamentaler Bedeutung.
Die Logistik in Wien steht vor der Herausforderung, sich sowohl an globale Veränderungen im Wirtschaftsverkehr als auch an neue lokale Anforderungen wie Begrünung und Verkehrsberuhigung anpassen zu müssen, um die hohe Lebensqualität in Wien weiter zu sichern und gleichzeitig Wien als attraktiven Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln. Der Trend zum Online-Handel trägt dabei zu einem jährlich steigenden Rekordvolumen im Paketversand in Wien bei, gleichzeitig zeigte der Krieg in der Ukraine die Bedeutung und Abhängigkeit von (internationalen) Lieferketten auf. Auch im Zuge neuer Nachhaltigkeitsvorschriften der EU wie z.B. durch das EU-Lieferkettengesetz für große Unternehmen oder auf Basis neuer, rechtlicher Rahmenbedingungen wie dem Intelligente Verkehrssysteme – IVS-Gesetz entwickeln sich die Anforderungen im Bereich der Logistik weiter, zudem bringt das starke Wachstum des Wirtschaftsstandorts Wien in der Stadtregion eine weitere Zunahme der logistischen Ansprüche mit sich.
Was ist… Urbane Logistik?
Urbane Logistik bezeichnet die Planung, Steuerung und Optimierung von Transportprozessen in städtischen Gebieten. Ziel ist es vor allem, den Transport, den Umschlag, die Beschaffung und Verteilung von Waren und Dienstleistungen effizienter und effektiver mit dem Ziel der Nachhaltigkeit zu gestalten, um Herausforderungen wie Umweltbelastungen und begrenzte Infrastrukturkapazitäten zu bewältigen.
In diesem Spannungsfeld aus unterschiedlichsten Ansprüchen wird die Bedeutung des Wirtschaftsverkehrs für die Erreichung der Klimaziele deutlich, die sich auch in konkreten Zahlen der EU zeigt: Dem städtischen Güterverkehr werden zwischen 10 und 20 % der mit Kraftfahrzeugen gefahrenen Kilometer zugerechnet. Damit verbunden ist laut Eurostat der städtische Güterverkehr für fast 15 % der Treibhausgasemissionen und 30 % der Luftverschmutzung in Städten verantwortlich. Dies verdeutlicht, dass die Hebel zur Erreichung der Klimaneutralität im Logistiksektor groß sind und ein notwendiger Handlungsbedarf in diesem Sektor besteht, um städtische Zielsetzungen zu erreichen.
Der vorliegende Masterplan Urbane Logistik stellt erstmalig eine Gesamtstrategie für die städtische Logistik in Wien dar. Der Plan beleuchtet sowohl Rahmenbedingungen für den kleinräumigen Transport von Gütern auf der letzten Meile als auch für übergeordnete stadtgrenzen- sowie länderüberschreitende Güterströme, welche für die Versorgung der Stadt und deren internationale Wirtschaftsverflechtungen von hoher Bedeutung sind. Angesichts des Klimawandels, des technologischen Fortschritts und des stetigen Wachstums der Bevölkerung ist es unerlässlich, die Logistik in der Stadt sowohl ökologisch als auch ökonomisch und sozial nachhaltig zu gestalten. Die Diversität und Breite der städtischen Logistik müssen dabei berücksichtigt werden.