3.3 Schwerpunkte für die zirkuläre Wiener Wirtschaft
Die Stadt Wien verfolgt drei grundlegende Schwerpunkte für zirkuläres Wirtschaften in allen Branchen.
- Märkte, Unternehmen und Kooperationen in der Kreislaufwirtschaft
- Innovationen für die Kreislaufwirtschaft
- Bewusstsein und Kompetenzen für die Kreislaufwirtschaft
Märkte, Unternehmen und Kooperationen in der Kreislaufwirtschaft
Um die Wirtschaft in eine ressourcenschonende Zukunft zu führen, setzt die Stadt auf eine darauf ausgerichtete öffentliche Beschaffung, die Förderung und Beratung zur Ökologisierung von Produktionsprozessen sowie die Wegbereitung neuer Geschäftsmodelle. Für ein gemeinsames Gelingen ist es entscheidend, dass die Metropolregion zusammenarbeitet und Wien logistische Herausforderungen mitdenkt und gestaltet.
BEST PRACTICE
ÖkoKauf Wien
Seit 1998 setzt die Magistratsabteilung 22 – Umweltschutz mit dem Programm ÖkoKauf Wien auf nachhaltige Beschaffung. Ziel ist es, bei der Vergabe von Aufträgen umweltfreundliche und ressourcenschonende Produkte und Dienstleistungen zu bevorzugen – etwa in den Bereichen Bau, Textilien, Lebensmittel, Elektrogeräte oder Möbel.
Wiener Standardleuchte
Die Magistratsabteilung 33 – Wien leuchtet hat eine besonders wartungsfreundliche und flexible Straßenleuchte entwickelt: die sogenannte Wiener Standardleuchte. Sie erlaubt den Einsatz verschiedener LED-Module unterschiedlicher Hersteller*innen in einem einzigen Leuchtengehäuse. Das System ist speziell auf die Anforderungen einer Großstadt wie Wien ausgelegt.
Kreative Räume – Service für Leerstandsaktivierung und Zwischennutzung
Kreative Räume Wien“ ist ein Service für Leerstandsaktivierung und befasst sich seit 2016 mit Raumnutzung durch Kultur, Soziales, Kreativwirtschaft und Stadtteilarbeit. Die Servicestelle unterstützt im Auftrag der Stadt Wien Raumsuchende, berät Eigentümer*innen und begleitet Projekte.
Hebel 1: Die Stadt Wien als Garantin für zirkuläre Nachfrage durch die öffentliche Beschaffung
Die Stadt Wien hat als öffentliche Auftraggeberin einen gewichtigen Hebel, um die Wirtschaft durch große Nachfrage seitens der öffentlichen Beschaffung zu stimulieren. Jahr für Jahr kauft sie Produkte und Leistungen aller Art im Wert von mehreren Milliarden Euro ein: Planungsleistungen, Bauleistungen, Lebensmittel, Textilien, Reinigungsmittel, Waschmittel, Desinfektionsmittel, Büromaterial, Einrichtungsgegenstände, Elektro- und Elektronikgeräten u.v.m.
Mit ÖkoKauf Wien gibt es ein seit vielen Jahren bewährtes Programm für ökologische Beschaffung, das bereits gegenwärtig eine Reihe von Maßnahmen für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft enthält und dahingehend ausgebaut werden soll.
Unsere Aktivitäten
- Ressourcenschonung vor der Beschaffung: Die Prüfung der 10-R-Grundsätze werden vor jedem Beschaffungsvorgang zum Standard. Mögliche Maßnahmen reichen vom Einplanen der Beschaffung zirkulärer Produkte oder Planungsleistungen, der Weitergabe von Produkten innerhalb der Organisation bis hin zur Nicht-Anschaffung durch effizientere Nutzung und Suffizienz (siehe auch Kapitel 5).
- Gezielter Einsatz von Vergabeverfahren: Instrumente wie Verhandlungsverfahren oder Alternativ- und Variantenangebot, Innovationspartnerschaft oder wettbewerblicher Dialog werden bedarfsorientiert angewendet, um Anreize bei Unternehmen für kreislauffähige Produkte und Dienstleistungen zu setzen.
- Zirkuläre Kriterien: Leistungsbeschreibungen, technische Spezifikationen, Ausführungsbedingungen sowie Eignungs-, Auswahl-, und Zuschlagskriterien werden hinsichtlich der 10-R-Grundsätze niederschwellig und unter Bedachtnahme bestehender Systeme (z. B. bei Neubau und Sanierung der Zirkularitätsfaktor für Wien, EU-Taxonomie) überarbeitet und auf noch nicht umfasste Produktgruppen erweitert.
- Gemeinsame Vergabe: Übergreifende Zusammenarbeit der städtischen Dienststellen und Unternehmenseinheiten wird, wo möglich, forciert. Dies betrifft insbesondere jene Produktgruppen, bei denen eine zentrale ökologische Beschaffung nicht in Konkurrenz zur Stärkung von kleinen und mittleren Unternehmen oder regionaler Wertschöpfung steht.
- Unterstützung von Beschaffer*innen: Checklisten, Leitlinien, Produktdatenbanken zur Beschaffung sowie Trainings und Vernetzung für Beschaffer*innen werden weiterentwickelt und in der Stadt Wien und ihren Unternehmungen und Unternehmen etabliert. Monitoring: Daten zu Beschaffungsvorgängen (z. B. Umweltwirkung, Lebenszyklusanalysen, Beschaffungsvolumen) werden gesammelt und für die Weiterentwicklung des Beschaffungsprogramms ÖkoKauf Wien aufbereitet und von allen Organisationseinheiten der Stadt Wien genutzt.
Hebel 2: Zirkuläre Prozesse und Produkte als Wettbewerbsvorteil
Für ein zirkuläres Wien braucht es Unternehmen, die sich an wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen orientieren. Im Zusammenspiel zwischen Stadtverwaltung und Wirtschaft gilt es, die Kreislaufwirtschaft im Rahmen der gemeinsamen Beziehungen (Regelwerke, Flächen und Infrastruktur, innovative Ökosysteme, Finanzierungen) maßgeschneidert voranzutreiben.
Unsere Aktivitäten
- Unternehmen der Stadt Wien mit hoher Gestaltungskompetenz: Die Wiener Stadtwerke-Gruppe und die Wien Holding nutzen ihre koordinierende Rolle und entwickeln kooperative und konzernweite Kreislaufwirtschaftsstrategien, die mit Dekarbonisierungsplänen und Nachhaltigkeitsberichterstattung verknüpft sind.
- Die Stadt als Wegbereiterin: Die städtischen Unternehmen agieren als Vorreiter*innen für die zirkuläre Transformation, entwickeln, testen und implementieren frühzeitig, wo es technisch, rechtlich und wirtschaftlich möglich ist, entsprechende Verfahren, Technologien und Lösungen.
- Reparaturbon & Wien-Bonus: Bereits vorhandene Initiativen wie der Wiener Reparaturbon und der Wien-Bonus zur Stärkung lokaler Dienstleistungen und regionaler Beschaffung werden evaluiert und entsprechend angepasst.
- Geförderte Innovations- und Unternehmensberatung: Die Stadt Wien begleitet Unternehmen bei ihrer Umstellung auf kreislauforientierte Produkte und Geschäftsmodelle. Im engen Schulterschluss unterstützen ÖkoBusiness Wien und Wirtschaftsagentur Wien Unternehmen mit Informationen, Services, Förderungen und Infrastrukturangeboten bei ihren konkreten Schritten Richtung Kreislaufwirtschaft.
- Ordnungsrechtliche Grundlagen anpassen: Richtlinien und Verordnungen (z. B. Gewerbeordnung) werden hinsichtlich allfälliger Barrieren für Kreislaufwirtschaft beurteilt und weiterentwickelt (siehe auch Kapitel 5).
Hebel 3: Märkte, Logistik und Kooperationen zu Ressourcenaustausch in der Metropolregion Wien
Derzeit gibt es nur ein geringes Angebot und schwach ausgeprägte Märkte für Gebrauchtwaren, Sekundärrohstoffe und wiederverwendbare Materialien. Daher ist die Etablierung und Stärkung solcher Märkte erforderlich. Notwendig sind die Stimulierung des Marktgeschehens sowie Förderung, Entwicklung und Aufbau selbsttragender Strukturen. Eine Standortpolitik, die Produktion und Logistik in der Metropolregion (z. B. von Lebensmitteln und Baustoffen) gesamthaft einbezieht, kann wirtschaftlich tragfähige Kooperationen und Ressourcenaustausch zwischen Regionen, Branchen und Industriesektoren fördern.
Multimodale Knotenpunkte wie der Hafen Wien spielen eine zentrale Rolle beim Aufbau eines leistungsfähigen Kreislaufwirtschaftsmarktes. Bestehende Flächen und Infrastrukturen können gezielt für Sekundärstofflogistik, Bodenumschlag oder kreislauffähigen Güterverkehr sowie Logistikkonzepte genutzt und weiterentwickelt werden.
In der Aufbauphase von zirkulären Märkten stellt die Analyse von Potenzialen, branchenspezifischen Besonderheiten und Herausforderungen sowie zu kooperativen Trägermodellen eine wichtige Voraussetzung dar. Erfolgsversprechend ist von Beginn an ein ganzheitliches Ökosystem, das alle für den Recycling- und Re-UseMarkt relevanten Stakeholder*innen einbindet, digitale Möglichkeiten konsequent nutzt und leistungsfähige, zielgruppengerechte Logistiklösungen integriert.
Unsere Aktivitäten
- Grundlagen zu Materialflüssen: Untersuchungen zum stadt- und regionalwirtschaftlichen Status-Quo und zu den Potenzialen zu Kreisläufen von Gütern und Stoffen innerhalb der Region sowie den Austauschbeziehungen mit anderen Regionen werden seitens der Stadt gefördert. Dies betrifft u. a. Mengen, Qualitäten, Abfallanteile und den Bedarf an Logistikflächen (siehe auch Kapitel 5).
- Kooperationen für gesteigerte Unabhängigkeit der Region: Strategische Leitlinien der Wirtschaftskooperation und gezielte Vernetzungsformate zur Kreislaufwirtschaft in der Metropolregion Wien werden in Zusammenarbeit mit bestehenden Netzwerken (z. B. Stadt-Umland-Management, Abfallverbände) aufgebaut (https://www.wien.gv.at/pdf/ma18/wien-plan.pdf, abgerufen am 2.7.25).
- Organisationsmodelle für Ressourcenaustausch: Die Stadt unterstützt den Aufbau kreislauforientierter Marktplätze sowie die damit verbundene Logistik und gestaltet das Marktgeschehen in Wien mit (z. B. mittels Beratung, Pilotprojekten, Beteiligungen).
- Teilen und gemeinsam Nutzen: Sharing-Angebote werden in dafür geeigneten Anwendungsfeldern bei privater Trägerschaft bedarfsorientiert unterstützt.
Innovationen für die Kreislaufwirtschaft
Hand in Hand mit einer starken Stadtverwaltung und leistungsfähigen Unternehmen der Stadt treiben relevante Akteur*innen aus Forschung und Wirtschaft Innovationen für die Kreislaufwirtschaft voran. Ko-Kreation und Partizipation helfen bei der praxistauglichen Entwicklung und Implementierung neuer technischer Lösungen für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.
Die Themen Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft ergänzen bereits bestehende Instrumente der Wiener Innovationsförderung. Gemeinsam mit Förderinstrumenten des Bundes wird das Innovationspotenzial für zirkuläres Wirtschaften ausgebaut.
BEST PRACTICE
Vienna Planet Fund
Über den Vienna Planet Fund unterstützt die Wirtschaftsagentur Wien innovative Unternehmen und Gründer*innen dabei, klimafreundliche und ressourcenschonende Projekte in Wien zu realisieren. Gefördert werden zum Beispiel Investitionen, Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sowie Beratung- und Entwicklungsleistungen für die Umsetzung.
Climate Lab
Das Climate Lab entwickelt Kooperationsprogramme, schafft Raum für Erkundungen und baut eine branchenübergreifende Gemeinschaft zur Kreislaufwirtschaft auf. Es werden Kooperationen zwischen Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung initiiert, Programme für vielversprechende Start-ups und Scale-ups in ganz Europa sowie auch Möglichkeiten zur Vernetzung angeboten.
Innovationslabor thinkport VIENNA
Das Innovationslabor unterstützt nachhaltige Logistiklösungen, die sich den Herausforderungen der zirkulären Stadt stellen und umfassende, langfristige Lösungen entwickeln. Das Lab ist eine neutrale, objektive und kompetente Anlaufstelle für Themen rund um die Güterlogistik in der Stadt Wien und somit eine wichtige Unterstützung der Kreislaufwirtschaft.
Hebel 4: Innovationsförderung und Beratung zu zirkulären Geschäftsmodellen
Unterstützung neuer Geschäftsmodelle für zirkuläre Produkte und Dienstleistungen ist ein wichtiger Bestandteil für den Übergang von der linearen Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft. Neben einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ergeben sich auch neue Wertschöpfungsoptionen für Unternehmen, etwa durch das Anbieten von Product-as-a-Service-Dienstleistungen, der Weiternutzung von Sekundärressourcen.
Wesentliche Aktivitäten in diesem Bereich sind Förderungen und Beratungsleistungen. Innovationsförderung für zirkuläre Geschäftsmodelle steigert die regionale Wertschöpfung, generiert Arbeitsplätze und stimuliert die Forschungs- und Entwicklungskompetenzen in Wien.
Unsere Aktivitäten
- Förderung und Beratung zu neuen Geschäftsmodellen: Die Entwicklung von neuen Produkten und Services, die den Weg zu einer Zero-Waste-Economy ebnen, wird von der Wirtschaftsagentur Wien gefördert. Beratungsangebote wie OekoBusiness Wien werden weiterentwickelt und ausgebaut, um zukünftig auch Fragen der Kreislaufwirtschaft sowie die Entwicklung von Product-as-a-Service-Dienstleistungen für gemeinschaftliche Nutzung, Miete, Leasing oder Contracting anstelle des Kaufs zu fördern.
- Integrierte Entwicklungsvorhaben: Die Stadt Wien unterstützt Wiener Unternehmen und FTI-Einrichtungen bei der Akquisition und Teilnahme an nationalen und internationalen Entwicklungsvorhaben zur Kreislaufwirtschaft mit integrierten und ganzheitlichen Ansätzen (z. B. zum Erhalt der Bestandsstadt aus der Zwischen- und Nachkriegszeit).
- Kooperationen mit Hochschulen: Die Stadt Wien kooperiert mit Wiener Hochschulen, Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsorganisationen sowie der Kreativwirtschaft bei der Planung und Ausrichtung der Transformation zur Kreislaufwirtschaft (z. B. aufbauend auf die aktuelle Stiftungsprofessur Kreislaufwirtschaft und transformative Geschäftsmodelle der Stadt Wien).
Hebel 5: Ko-Kreation als Basis für mehr Tempo im Übergang zur Kreislaufwirtschaft
Das stärkere Zusammenspiel von Forschung, Unternehmen, Stadtverwaltung, Organisationen und Bevölkerung bei der Entwicklung von Lösungen zur Ressourcenschonung soll die Umsetzungsgeschwindigkeit von zirkulären Lösungen „made in Vienna“ unterstützen. Parallelprozesse und fragmentierte Zuständigkeiten können Investitionen und Ressourceneffizienz beispielsweise erheblich erschweren.
Unsere Aktivitäten
- Ko-Kreation für neue Ideen und Produkte: Die Stadt begünstigt interdisziplinäre und branchenübergreifende Strukturen für die Entwicklung zirkulärer Lösungen (z. B. Biofabrique Vienna).
- Öffentlich-private Zusammenarbeit: Die inter-und transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Stadt und Unternehmen wird künftig verstärkt bei der Entwicklung von Projekten, Richtlinien, Verordnungen, Gesetzen und Förderbestimmungen genutzt (z. B. Anpassung der Baunormen).
- Orte der Ko-Kreation: Neue Initiativen und Formate der Zusammenarbeit zwischen Bildungs- und Ausbildungsstandorten, Reparaturbetrieben, Maker-Spaces*, Jugendzentren, Freizeiteinrichtungen etc. werden bei der Einbindung von zirkulären Schwerpunkten unterstützt (siehe auch Kapitel 4).
*Maker-Spaces sind offene, geteilte Werkstätten und oft Vernetzungsorte (Inkubatoren) für technikaffine Startups. Ihr Angebot besteht aus einer technischen Infrastruktur (Maschinen und Werkzeuge), Kontakten zur Wirtschaft und Förderstellen und Know-how zur Gründung.
Hebel 6: Forschungstranslation und Skalierung für ein zirkuläres Wien
Forschung und Entwicklung von gesellschaftlichen, technischen, ökonomischen Lösungen zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft sollen unter Einbindung von Nutzer*innen, Stadtverwaltung und Unternehmen erfolgen. Es geht um eine rasche Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in Prozesse der Anwender*innen, und um rasche Anwendung in voller Breite.
Innovative Prozess- und Produktentwicklungen, die mögliche Geschäftsmodelle von vornherein mitdenken, sind die Voraussetzung für erfolgreiche Lösungen. Innovationsfördernde rechtliche Rahmenbedingungen sind für viele Lösungen der Kreislaufwirtschaft unabkömmlich.
Unsere Aktivitäten
- Maßgeschneiderte Einrichtungen: Orte der Vernetzung (Inkubatoren) und Technologietransferzentren werden für die unternehmerische Entwicklung (Spin-offs) von Forschungseinrichtungen und Start-ups unterstützt.
- Testen und Pilotieren: Die Stadt arbeitet mit Akteur*innen aus Hochschulen und Unternehmen an der systematischen Nutzung von Anwendungsfällen als Living Labs, Regulatory Sandboxes und Reallabore für Pilotanwendungen der Kreislaufwirtschaft (z. B. RENOWAVE und „Digital findet Stadt“, siehe auch Kapitel 5).
- Vermittlung: Die Stadt Wien unterstützt die Vermittlung von Forschungsbedarf und -ergebnissen zur Kreislaufwirtschaft zwischen Forscher*innen, Studierenden, Stadtverwaltung und Unternehmen.
- System- und standortrelevante Branchen und Technologien: Marktanalysen und Potenziale zur Stärkung der Resilienz gegenüber globalen Entwicklungen wie Verfügbarkeit von seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen, Lebensmittelversorgung, E-Akkus aus Autos werden unterstützt.
- Investor*innen: Aufmerksamkeit von möglicherweise finanzierenden Einrichtungen und Investor*innen wird auf Innovationen der Kreislaufwirtschaft gelenkt, deren Kräfte gebündelt und vermittelt.
Bewusstsein und Kompetenzen für die Kreislaufwirtschaft
Kreative Mittel der Information, Kommunikation und Vermittlung können die Bedeutung und Attraktivität der Kreislaufwirtschaft breiten Schichten der Gesellschaft ebenso wie einschlägigen Zielgruppen vermitteln. Zirkuläres Handeln benötigt eine umfassende Weiterentwicklung unserer Lern- und Ausbildungsprogramme. Vielfältige Angebote addressieren breite Schichten der Gesellschaft ebenso wie fachspezifische Ausbildungsschwerpunkte und Berufsgruppen in der gesamten Wertschöpfungskette.
BEST PRACTICE
Urban Living Lab – Zirkuläres Bauen Wien
Das Urban Living Lab – Zirkuläres Bauen Wien ist ein Reallabor, das im Rahmen des Programms DoTank Circular City Wien 2020-2030 von der Magistratsdirektion – Bauten und Technik initiiert und durch das Innovationsmanagement der Stadt Wien, Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik, gefördert wird. Ziel ist es, konkrete Lösungsansätze für zirkuläres Planen und Bauen in Wien zu entwickeln – in enger Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. 2024 und 2025 wurde in dialog- und experimentbasierten Formaten gemeinsam an praktischen Fragen des zirkulären Bauens gearbeitet, Theorie und Praxis verknüpft und Änderungsbedarfe für zirkuläre Rahmenbedingungen identifiziert.
Re:Form
Re:Form ist ein gemeinsames Projekt von OekoBusiness Wien und der VIENNA DESIGN WEEK, das neue Wege für nachhaltiges Wirtschaften aufzeigt. In interdisziplinären Teams arbeiten Unternehmen, Designer*innen und Berater*innen an innovativen Lösungen – von ressourcenschonenden Produkten bis hin zu neuen Ansätzen in Kommunikation und Unternehmenskultur.
Hebel 7: Information und Kommunikation für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft
Akzeptanz, Bewusstseinsbildung und Information sind als demokratische Basis aller Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft essenziell. Alle beteiligten Akteur*innen – von Expert*innen in Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bis hin zur breiten Bevölkerung – müssen ein gemeinsames Verständnis der Ziele und Herausforderungen entwickeln. Kreislauffähige Projekte müssen die Attraktivität ihrer Prozesse und Ergebnisse medial unter Beweis stellen. Genauso ist Werbung für ressourcenintensiven Konsum zu hinterfragen und einzuschränken.
Dafür braucht es maßgeschneiderte Übersetzungsleistungen für die breite Themenvielfalt des zirkulären Wiens. Die Vermittlung einfacher Botschaften führt zu Aneignung und Identifikation mit dem Thema und vermittelt ein Grundverständnis für komplexe Zusammenhänge und praktikable Lösungen.
Unsere Aktivitäten
- Multimediale, zielgruppenspezifische Kommunikationskanäle und Öffentlichkeitsarbeit: Leicht verständliche, multimediale Kommunikation für diverse Zielgruppen zur Kreislaufwirtschaft, u. a. auf Websites, Social Media, Newsletter, Printmedien etc. sowie durch telefonische Beratung, interaktive Formate (wie z. B. die Beteiligungsplattform „Wien mitgestalten“) und Veranstaltungen der Stadt Wien werden forciert (https://www.mitgestalten.wien.gv.at/de-DE/, abgerufen am 21.7.25)
- Breite Basis und innovative Formate: Die Stadt Wien arbeitet mit Wissenschaft, Bildungs- und Vermittlungsorganisationen, der Zivilgesellschaft sowie der Wiener Kreativwirtschaft und dem waff bei der Grundlagenerstellung, Planung und Umsetzung von Maßnahmen der Bewusstseinsbildung, Partizipation und Kommunikation zur Ressourcenschonung zusammen. (z. B. Urban Living Lab – Zirkuläres Bauen Wien, Wiener Forschungsfest)
- Online-Information: Bestehende Informationen und Formate werden zur Kommunikation der wesentlichen Schritte im Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft weitergeführt und ausgebaut (z. B. VIE.CYCLE für das zirkuläre Bauen oder Wien isst G.U.T.) (https://www.viecycle.wien.gv.at, abgerufen am 21.7.25).
- Attraktive Kompetenzvermittlung: Bildungs- und Vermittlungsangebote werden so weiterentwickelt, dass das Denkmodell der Kreislaufwirtschaft integraler Bestandteil ist – in enger Zusammenarbeit mit Partner*innen wie der Bildungsdirektion Wien, dem Klima-Campus Wien, dem Education Lab und Schoolfood4Change.
- Sensibilisierung von Mitarbeiter*innen der Stadt: Im Rahmen der internen Kommunikation und Vernetzung (Wiener Klimanetzwerk) und des Programms PUMA werden Aktivitäten zur Sensibilisierung der Verwaltungsbediensteten in Bezug auf Abfallvermeidung und Ressourcenschonung fortgeführt.
Hebel 8: Qualifizierung und Kompetenzen für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft
Bereits heute besteht ein genereller Bedarf an qualifizierten Fachkräften, darüber hinaus auch um die organisatorischen Voraussetzungen für die Kreislaufwirtschaft zu schaffen. In einer stark auf den Dienstleistungssektor ausgerichteten Kreislaufwirtschaft braucht es faire Arbeitsbedingungen, qualifiziertes Fachpersonal u. a. im Bereich des Handwerks, der Digitalisierung und der Bewertung. In einigen Reparaturbranchen zeigt sich aktuell ein Nachwuchsproblem. Zirkulär ausgerichtete Wirtschaft kann zudem auch als Impuls für Höherqualifizierung genutzt werden.
Unsere Aktivitäten
- Städtische Qualifizierung: Die Vermittlung von Inhalten und der Aufbau von Kompetenzen im Bereich Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft wird innerhalb der Stadtverwaltung bedarfsorientiert integriert (z. B. Umgang mit den 10-R-Grundsätzen in Förder- und Beratungsstellen, Berücksichtigung bei Personalentwicklung in Dienststellen, Integration in Aus- und Weiterbildungsangeboten der Wien-Akademie sowie der Lehrlingsausbildung).
- Kooperationen mit sozialökonomischen Betrieben: Bereits begonnene sozialwirtschaftliche Initiativen (z. B. Re-Use Austria) im Bereich der Erst- und Höherqualifizierung bei Handwerk und Reparatur für am Arbeitsmarkt benachteiligte Zielgruppen werden unterstützt.
- Handwerks- und Reparaturstadt Wien: Die Wissensbasis zu Arbeitskräftepotenzial und Qualifikationsmängeln wird verbessert; u. a. mit Hilfe periodischer Erhebungen, Marktanalysen und Potenzialstudien. Dabei kommt dem Ausbau von kreislaufwirtschaftlichen Skills für niedrige, mittlere und hohe Qualifikationsniveaus besondere Bedeutung zu, bereits bestehende Qualifizierungsniveaus werden erweitert (z. B. Abfallbeauftragte).
- Qualitäts- und Vermarktungsinitiative von neuen Teilgewerben: Neue Teilgewerbe für Kreislaufwirtschaft (z. B. Reparatur) sowie die Reduktion von Zutrittshürden und die Verkürzung von Ausbildungszeiten durch Teilqualifizierungsmöglichkeiten seitens Bund und Wirtschaft werden durch gemeinsame Vermarktung unterstützt.
Hebel 9: Die Wiener Kreativwirtschaft im Zeichen der Kreislaufwirtschaft
Der Kreativwirtschaft kommt beim Entwickeln positiver Zukunftsbilder auf drei Ebenen große Bedeutung zu: bei der grundlegenden Übersetzung und Kommunikation von Kreislaufwirtschaftsthemen in die Praxis, bei der Entwicklung und dem Design von Produkten sowie im jeweils eigenständigen Arbeitskontext („zirkuläres Schaffen“). Die inhaltliche Bandbreite ist groß: In den Bereichen Design und Mode, Digitalisierung und Multimedia, Film, Musik und Kunst, Wissens- und Kulturvermittlung bis hin zu Interieor Design, Social Design, Architektur und Medien agiert eine Vielzahl ambitionierter Personen, Unternehmen und Organisationen.
Aktivitäten sollen dabei auf bestehende Formate und Netzwerke aufgebaut werden, gemeinsam mit Wien Tourismus kann an themenaffinen Kommunikationsschwerpunkten wie „Wien als Innovationsstadt“ oder „Wien als ‚Circular Culture Hub‘“ als neue Narrative gearbeitet werden.
Unsere Aktivitäten
- Exzellente Vermittlungsformate: Klima und Kreislaufwirtschaft werden als international erkennbare Wiener Schwerpunkte der Kulturvermittlung ausgebaut (z. B. Klima Biennale Wien).
- Planungssicherheit: Langjährige Schwerpunktprogramme u. a. in den Bereichen Design, Mode, Möbel, Architektur und Produktentwicklung auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft auszurichten, wird von den jeweiligen Fachbereichen der Stadt Wien geprüft.
- Kommunikation durch Kunst und Kultur: Vorhandene Potenziale im Bereich Multimedia, Digitalisierung und Medien für die Entwicklung attraktiver Kommunikationsformate werden aktiviert und genutzt.
- Kulturförderung: Die Kooperation mit kulturellen Einrichtungen wird durch Berücksichtigung von Kreislaufwirtschaftsthemen in Förderrichtlinien und Qualitätsstandards weiterentwickelt.
„Die Wiener Kulturstrategie 2030 macht deutlich: Ökologische und soziale Nachhaltigkeit sind längst fester Bestandteil der Wiener Kulturpolitik. Ob durch die Förderung gezielter künstlerischer Initiativen, durch Nachnutzungskonzepte für bestehende Infrastruktur oder durch nachhaltige Sanierungen und Revitalisierungen – Kunst und Kultur öffnen Räume des Zusammenkommens und regen zu neuen ökologischen Denk- und Handlungsweisen an. Die kulturpolitischen Maßnahmen der Stadt Wien tragen aktiv dazu bei, dass ökologisch nachhaltiges Handeln gelebte Praxis wird.“