Landtag, 6. Sitzung vom 12.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 9 von 39
dann immer ein bisserl kolportiert wird: Na ja, Wien hat so ein Glück gehabt, dass es vom Hochwasser verschont geblieben ist. - Ich weiß, dass der Herr Bürgermeister und ich uns dann denken: Na ja, eigentlich waren es mehr die Maßnahmen, die wir gesetzt haben, und nicht unbedingt ein großes Glück, sondern dass wir eben in die Donauinsel investiert haben und viele andere Hochwasserschutzmaßnahmen gesetzt haben.
Der Bau der Neuen Donau Anfang der 1970er Jahre war damals wirklich ein visionäres Jahrhundertprojekt - das muss man schon sagen - und auch ein Projekt, dessen Bauzeit sich ja weit über zehn Jahre hingezogen hat. Das war also schon eine Riesennummer. Wir haben ja damals einen Ausbau auf 10 000 m³ in der Sekunde entlang der Donau gemacht. Wir haben dann gesehen, dass wir damit 2002 bei dem sogenannten Jahrhunderthochwasser schon an die Grenzen gekommen sind und haben in Folge dieses Jahrhunderthochwassers seit 2004 gemeinsam mit dem Bund - da gab es Förderungen - noch einmal fast 100 Millionen EUR investiert, um die Donau auf 14 000 m³ pro Sekunde weiter auszubauen.
Wir haben da also noch einmal investiert. Es waren sehr langwierige und oft auch schwierige Arbeiten, weil wir ja teilweise zum Beispiel am Damm entlang des Nationalparks gearbeitet haben. Da gab es natürlich ganz strenge Auflagen. Wir durften nur in den Wintermonaten arbeiten. Die ganzen Orchideenwiesen, die am Damm gewachsen sind, sind wie bei einer Hauttransplantation quasi abgehoben und transplantiert worden. Wir haben die Mauern unten gemacht. Dann hat man sie wieder genau an die gleiche Fläche zurücktransplantiert.
Über die Würfelnatter, die dort vorkommt, können Ihnen, glaube ich, auch die Projektumsetzer viele Geschichten erzählen. Die musste man natürlich zuerst einfangen und dann wieder zurückbringen. Es waren also sehr interessante Dinge dabei, die wir gemacht haben.
Es hat sich aus meiner Sicht aber wirklich bewährt, weil wir merken, dass die Hochwässer, die jetzt gekommen sind, teilweise über 10 000 m³ in der Sekunde haben. Glücklicherweise sind sie noch weit von den 14 000 m³ entfernt, auf die wir aufgebaut haben.
Auch beim Hochwasser 2024 hat das System auf der Neuen Donau ja wieder seine Zuverlässigkeit bewiesen. Wir haben mit den Hafentoren Freudenau und Albern mittlerweile ja auch im Hafen einen guten Schutz, ebenso - ich habe es vorhin schon erwähnt - durch die Ertüchtigung des Marchfeld-Schutzdamms. Das ist eben der Damm, der entlang des Nationalparks verläuft.
Mit dem Hafenumschließungsdamm haben wir, wenn ich mich richtig erinnere, gleich 2005 und 2006 begonnen. Warum? - Weil das die Schwachstelle war, die wir beim Hochwasser 2002 identifiziert haben. Da haben wir gesehen: Das ist dort, wo es den größten Handlungsbedarf gibt. Das war eines der ersten Dinge, die wir damals umgesetzt haben.
Wir haben entlang der Neuen Donau auch die Sanierung der drei Hochwasserwehre in Angriff genommen. Ich glaube, man kann sagen, dass wir mit dem Hochwasserschutz entlang der Donau sehr, sehr gut aufgestellt und faktisch fertig sind. Natürlich ist es aber ein System, bei dem man in Wahrheit nie fertig ist, weil man sozusagen beim Livetest dann immer wieder sieht: Okay, da können wir noch verbessern, da müssen wir noch ein bisserl nachhaken, dort müssen wir die Schraube noch ein bisserl besser andrehen.
Ja, der Wienfluss - ich habe es vorhin schon gesagt - ist natürlich ein besonderes Gewässer. Der führt während der trockenen Monate rund 200 Liter in der Sekunde, ist also das kleine Rinnsal, das Sie unten sehen. Er kann aber bei Hochwasser auf das 2 000fache anschwellen. Das sind dann fast 440 000 Liter in der Sekunde. Wir haben es 2024 gesehen. Es war knapp - obwohl wir beim Wienfluss auf 1 000 Liter in der Sekunde ausgebaut sind.
Jetzt muss man sich nur vorstellen: Der Standard, der in ganz Österreich vom Bund gefördert wird, betrifft ein hundertjährliches Hochwasser. - Was habe ich jetzt gesagt? 1 000 Liter? - Nein, Blödsinn. Das ist falsch. Bitte, das zu streichen. - Wir sind dort auf ein tausendjährliches Hochwasser ausgebaut. Der Standard, der gefördert ist, betrifft ein hundertjährliches Hochwasser.
Das heißt, wir haben schon ein Vielfaches des Schutzes, der eigentlich normgemäß vorgeschrieben wäre. Das ist für uns selbstverständlich, weil wir dort einfach sehr viele sehr wichtige Schutzgüter haben. Das ist die U-Bahn. Das geht mitten durch die Stadt. Da haben wir also schon besondere Herausforderungen.
Nichtsdestotrotz muss man sagen, es war knapp. Das kann man nicht leugnen. Wenn man für ein tausendjährliches Hochwasser ausgebaut ist und es kommt ein tausendjährliches, dann ist man schon relativ genau an der Grenze, für die der Schutz reicht.
Die zentralen Schutzmaßnahmen sind die Rückhaltebecken im Auhof. Die sind ja das Herzstück der Hochwasserschutzanlage. Das heißt, anders als viele Menschen glauben, ist es nicht nur das Becken des Wienflusses selber, sondern es gibt dahinter ein sehr großes Areal, wo wir mit sechs Rückhaltebecken eine Rückhaltekapazität von fast 1,2 Millionen m3 haben.
Ich weiß nicht, wer schon jemals dort war. Ein Becken ist schon riesig. Die sechs Becken zusammen sind so groß, dass man sie - außer aus der Luft - eigentlich gar nicht mehr wirklich sehen kann. Das entspricht ungefähr 540 olympischen 50-Meter-Becken oder - das haben sie mir hier aufgeschrieben - acht Millionen gefüllten Badewannen.
Es ist also wirklich ein riesiges Ding, das wir da im Auhof haben. Man muss sich vorstellen, dass beim Hochwasser 2024 diese sechs Rückhaltebecken erstmals seit ihrem Bau im 19. Jahrhundert vollständig gefüllt waren. Das heißt, es ist vorher noch nie passiert, dass alle Becken gefüllt waren. Wir haben natürlich in der Vergangenheit schon einige Becken gebraucht, aber nicht in diesem Ausmaß, dass man sagen kann, dass alle Becken vollgefüllt waren. Innerhalb weniger Stunden hat der Wienfluss mit einer Durchflussmenge von 440 000 Litern in der Sekunde diese ganz knapp unter der Kapazitätsgrenze der Anlage gefüllt.
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular