Landtag, 5. Sitzung vom 19.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 23 von 43
Was es also wirklich braucht, ist eine Neuausrichtung, eine Reform, die tatsächlich die PatientInnen im Fokus hat, also eine patientInnenzentrierte Versorgung. Derzeit hat man ja das Gefühl, es gibt nach wie vor die Mehrfachbefundungen. Zwischen stationärem und niedergelassenem Bereich werden die PatientInnen als Kostenstelle hin und her geschickt, weil es eben unterschiedliche Verrechnungsstellen gibt. Damit muss endlich Schluss sein. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Man sieht an der Debatte über die GastpatientInnen, wie absurd diese Strukturen mittlerweile sind. Ich finde, es ist wirklich unmenschlich, dass in Österreich, egal wo man gesundheitliche Versorgung in Anspruch nehmen will, nicht grundsätzlich die E-Card zählt, sondern halt die Postleitzahl. Ich denke, es arbeiten ganz viele Menschen im Wiener Gesundheitssystem und in Wiener Gesundheitseinrichtungen. Denen sagt man trotzdem: Pech gehabt. Geh in dein Heimatbundesland, auch wenn die Krankenhäuser in Wien für diese Personen wohnortnäher sind.
Dass die Stadt im Finanzausgleich schlecht verhandelt hat, ist ja offensichtlich. Leidtragende sind die PatientInnen. Darum, meine sehr geehrten Damen und Herren, unterstützen wir natürlich die Forderung nach einer Versorgungsregion Ost. Davon wird schon lang geredet. Wir haben sie schon oft gefordert. Wir sehen nur leider keine Fortschritte in diese Richtung. Kommen Sie hier also bitte tatsächlich in die Gänge. (Beifall bei den GRÜNEN. - Abg. Stefan Berger: Anschober und Co.!)
Was mir auch Sorge macht, ist, dass es die Versorgung für alle so ja tatsächlich nicht gibt, sondern dass sich die Mehrklassenmedizin immer weiter ausbreitet. Diese Mehrklassenmedizin ist einfach Gift für unser System. Das Gegengift heißt ganz klar: Wir brauchen einen Ausbau der Kassenstellen. Wir brauchen mehr Primärversorgungszentren. Wir brauchen mehr kinder- und frauenmedizinische Angebote.
Ich habe gestern über die Menopause gesprochen. Es gibt in der Frauengesundheit aber auch noch ganz viele andere Themen, die unterversorgt sind. Wir brauchen mehr psychiatrische und psychologische Versorgung insbesondere für Kinder, aber auch mehr Hebammen, damit wir der Leitlinie Eins-zu-eins-Betreuung bei der Geburt endlich näherkommen. Auch Community Nurses sind eine GRÜNE Forderung. Leider hat die Stadt Wien sie gestrichen, statt sie auszubauen. (Zwischenruf von Abg. Mag. Josef Taucher.)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, im Strukturplan Gesundheit stehen viele gute Dinge drinnen - wenn wir ihn denn endlich einmal sehen. Frau Hu winkt damit herum, es gibt ihn aber nicht online. Wir können ihn nicht sehen. Der Herr Stadtrat hat gesagt, es ist ein Entwurf. Wir warten nach wie vor darauf, was tatsächlich vorgelegt wird. Die offenen Punkte sind ja tatsächlich vor allem: Wann werden diese vielen neuen Einrichtungen versorgungswirksam? Wann gehen sie in Betrieb? Wie viel Versorgungskapazitäten haben sie?
Über den Bettenabbau haben wir heute schon ein bisschen gesprochen. Ich halte es für bedenklich, wenn Betten dort gestrichen werden, wo PatientInnen tatsächlich drinnen liegen können. Der Herr Stadtrat hat gemeint, bei den orthopädischen Spitälern liegen dort jetzt nur GastpatientInnen drinnen. Wenn die gestrichen werden, dann können aber auch keine WienerInnen drinnen liegen.
Ambulant vor stationär - ja, aber dort, wo es sinnvoll ist. Im orthopädischen Bereich brauchen wir sie. Die Wartezeiten auf OPs sagen das ja eindeutig. Da kann man nicht sagen: ambulant statt stationär, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich hoffe hier wirklich auf konstruktive Gespräche. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Was aus meiner Sicht ebenfalls wichtig ist, dass wir die Gesundheitsberufe stärken. Wir haben nicht nur ein zu spitallastiges System, sondern wir haben auch ein ärztInnenlastiges System. Auf der anderen Seite haben wir hervorragende Ausbildungen für die Gesundheitsberufe. Man lässt sie aber nicht das tun, was sie eigentlich tun könnten. Wir sehen das ganz klar in der Diabetesversorgung. Da braucht es den Arzt oder die Ärztin oft gar nicht. Da können DiätologInnen oder spezialisierte Pflegekräfte Hervorragendes leisten. Das gibt es in den anderen Bereichen auch.
Der große unterbelichtete Bereich bleiben nach wie vor die Prävention und die Gesundheitsförderung. Ich habe es gestern gesagt, ich sage es heute: Niemand traut sich, bei Alkohol und Zigaretten hinzugreifen. Dabei sind wir dort im OECD-Bericht wirklich traurige Spitze. Da gäbe es sehr, sehr viel zu tun. Nicht nur produzieren diese beiden krankmachenden Suchtmittel sehr viele kranke Menschen, sondern auch frühzeitige Tode. Da wären also wirklich einmal eine mutige Ansage und Politik notwendig.
Auch das Thema Mental Health, meine sehr geehrten Damen und Herren, muss gelebt werden. Wenn ich heute im "Standard" lese, dass bei der Caritas Versorgungsstrukturen für chronisch psychisch kranke Menschen gestrichen werden, dann ist das alles andere als Gesundheitsförderung, sondern das ist eine krankmachende Politik, die wir auf keine Weise unterstützen können.
Was wir brauchen, ist eben ein Gesundheitssystem, das wirklich solidarisch, gendergerecht, modern und effizient ist. Auf der anderen Seite brauchen wir aber auch eine Gesundheitspolitik, die mehr als nur das …
Präsident Anton Mahdalik (unterbrechend): Ich bitte um den Schlusssatz.
Abg. Mag. Barbara Huemer (fortsetzend): Das ist mein letzter Satz, Herr Präsident. - Wir brauchen also nicht nur Investitionen in eine gute Gesundheitsversorgung, sondern auch gesunde Lebensbedingungen. Denn ohne diese können die Menschen nicht gesund sein und bleiben. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Präsident Anton Mahdalik: Als nächste Rednerin ist Frau Abg. Däger-Gregori gemeldet. - Bitte sehr. (StR Peter Kraus, MSc - in Richtung der ans obere Pult tretenden Abg. Luise Däger-Gregori, MSc: Anderes Pult! - Abg. Luise Däger-Gregori, MSc - erheitert ans untere Rednerpult tretend: Da hat jetzt hoffentlich nicht der Freud zugeschlagen! Never, nie! - Beifall von und
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular