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Landtag, 43. Sitzung vom 12.03.2020, Wörtliches Protokoll  -  Seite 12 von 14

 

Prozent -: Es geht jetzt tatsächlich um die Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus.

 

Daher sind die Maßnahmen, die hier gesetzt wurden, auch wirklich entsprechend ernst zu nehmen. Es ist unser menschliches Problem, dass wir eben nur linear denken können und die Macht der großen Zahlen - wie die Exponentialfunktion funktioniert - nicht verstehen, und daher ist dieser Zeitraum auch so extrem wichtig.

 

Das Zweite: Was wir absolut schützen müssen, und daher ist diese Maßnahme so wichtig, sind unsere wichtigsten Versorgungsstrukturen, das sind die Spitäler. Wir haben jetzt nicht die Zeit, Spitäler zu belasten, weil wir noch nicht wissen, wie viele Intensivbetten wir brauchen. Wir brauchen nur nach Italien zu schauen, wie die Situation ist. Daher ist auch diese soziale Distanz, wie man das jetzt als geflügeltes Wort bezeichnet, auch so extrem wichtig, also bitte das wirklich ernst nehmen!

 

Der dritte Punkt: Eine Gruppe, die im Moment kaum diskutiert wird, sind die Menschen, die in den Spitälern arbeiten und da sind viele massiv besorgt. Ich habe heute in der Früh auch einen Anruf von einer Schwester auf einer Intensivstation bekommen, die natürlich auch die Fragen stellt: Was passiert da? Was heißt das? Sind wir ausreichend gerüstet? Haben wir auch genug Ausrüstung in unseren Spitälern? Was passiert mit meinen zwei Kindern, die nächste Woche nicht in die Schule gehen können? Das sind viele, viele Fragen der Menschen, die jetzt im Gesundheitssystem arbeiten, die müssen wir auch ernst nehmen und das ist auch unsere politische Verantwortung! (Beifall bei den NEOS.)

 

Was ich damit konkret meine, ist 100-prozentige Unterstützung dieser Menschen, die im Pflegebereich, im medizinischen Bereich arbeiten und auch 100-prozentige Unterstützung, dass alle notwendigen Materialien, Masken, et cetera zur Verfügung stehen. Das halte ich für extrem wichtig. Wir müssen wirklich auf die Menschen vor Ort schauen, denn wir wissen noch nicht, wie die Belastungswelle auch über unser Gesundheitssystem drüberschwappt. Manche sprechen in Italien von einem Tsunami, und ich glaube das ist wirklich ernst zu nehmen. Die Exponentialfunktion, die Macht der großen Zahl, ist etwas, das wir massiv unterschätzen und daher 100-prozentige Unterstützung all dieser Maßnahmen, die auf Bundes- wie auch auf Landesebene getroffen werden. (Beifall bei den NEOS.)

 

Ein vierter Punkt: Risikogruppen, nachdem hier immer davon gesprochen wird, das wäre quasi so 70 aufwärts. Nein, das sind nicht nur die, die 70 und älter sind, sondern das sind auch Menschen, die andere chronische Erkrankungen, etwa Asthma haben, die immunsupprimiert sind, das heißt, die zum Beispiel eine Chemotherapie machen oder Menschen, die auch einer hohen Viruslast ausgesetzt sind und dazu zählen auch Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten. Das gilt für die Spitälern genauso wie für den niedergelassenen Bereich, auch dort herrscht massive Unsicherheit. Das heißt, wir müssen wirklich beides im Auge behalten.

 

Es ist mir wichtig, dass wir da die politische Verantwortung übernehmen und daher halte ich es auch für wichtig, dass wir heute diesen Sonderlandtag haben, weil er als Instrument des Parlamentarismus ganz wichtig ist, und dass wir das auch in Zeiten wie diesen nicht einfach aufgeben, sondern uns dieser extremen Herausforderung stellen.

 

Ich möchte auch zum eigentlichen Geschäftsstück noch etwas sagen - ein bisschen leiser in den Rängen wäre vielleicht auch gut! -, weil hier immer vom Stiftungszweck gesprochen wurde. Ich glaube, ein Thema ist schon wichtig und das soll man sich schon vor Augen halten, denn damals ging es im Sinne des Stiftungszweckes um Nervenheilanstalten für Arme, Mittellose und sozial Bedürftige. Wien war historisch auch immer eine Stadt der Psychoanalyse, der psychischen Erkrankungen, die sich mit diesen Themen befasst hat, und eines muss ich schon sagen, historisch gesehen haben wir hier doch wieder einiges aufzuholen, um auf den Stand zu kommen, auf dem wir vielleicht zur Jahrhundertwende einmal waren.

 

Wir haben in vielen Bereichen sehr wohl auch eine Unterversorgung und da bin ich noch einmal bei den Themen der Akutpsychiatrie, bei den Themen der Kinderpsychiatrie. Ich weiß schon, dass da Stück für Stück Maßnahmen gesetzt werden, um das besser zu machen, aber in Wirklichkeit muss Wien da deutlich mehr tun. Das ist letztendlich historisch abgeleitet schon auch im Sinne dieses Stiftungszweckes und daher fordere ich sehr stark auf, dass wir bei den Versorgungseinrichtungen gerade auch in dem Bereich wirklich sehr genau darauf schauen, ob sich das für die Größe dieser Stadt auch tatsächlich ausgeht. Versorgungstechnisch, glaube ich, im Moment nicht.

 

Wenn diese Krise des Coronavirus einmal über uns hinweggeschwappt ist und wir hoffentlich sehr gut aus dieser Krise herausgekommen sind, dann ist es, glaube ich, auch wichtig, darauf zu schauen: Passen all diese Versorgungseinrichtungen wirklich? Ist das tatsächlich auch ausreichend für viele Bereiche? Ich möchte da auf dieses Thema gehen, und das ist mir noch wichtig zu sagen, wir diskutieren jetzt über den Coronavirus, aber den Luxus, den wir haben - am Beispiel der Grippeimpfung, am Beispiel der Masernimpfung -, nutzen wir nicht.

 

Verantwortungsvolle Politik muss darauf schauen, dass wir in Zukunft wirklich diese Durchimpfungsraten bei den Viren, gegen die wir Impfungen haben, gegen die wir Seren haben, massiv erhöhen. Das ist ein ganz wichtiger versorgungspolitischer Auftrag, und ich hoffe, dass wir dann exakt auch darauf schauen und Maßnahmen setzen, dass wir diese Durchimpfungsraten in Zukunft auch massiv erhöhen. Denn auch das ist ein Grund, warum unsere Spitäler jetzt sehr belastet sind, weil wir natürlich im abflachenden Peak der Grippewelle noch immer sehr viele Intensivbetten mit Patienten haben, die die Grippe haben und das wäre nicht notwendig.

 

In diesem Sinne hoffe ich, dass wir dann auch wirklich ernsthaft auf diese Versorgungsstrukturen schauen. - Danke. (Beifall bei den NEOS.)

 

Präsident Ernst Woller: Als nächster Redner zu Wort gemeldet ist Herr Abg. Wagner. Ich erteile es ihm.

 

11.19.31

Abg. Kurt Wagner (SPÖ)|: Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

 

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