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Gemeinderat, 15. Sitzung vom 21.11.2011, Wörtliches Protokoll  -  Seite 72 von 150

 

vorgenommen, weiter Ausgaben zu tätigen und auf keinen Fall, obwohl wir ein Sparbudget haben, hier budgetäre Mittel zu kürzen. Solange - und das wird in diesen Zeiten besonders deutlich - die Verteilung von Zeit, Arbeit und Geld dermaßen ungerecht geregelt ist und dermaßen ungleich ist zwischen Männern und Frauen, steht es uns sehr gut an, jedes Mittel auszuschöpfen, um an der weiteren Gleichstellungspolitik für Frauen und an der Gleichstellung für Frauen zu arbeiten.

 

Wir wissen alle: Frauen sind am Arbeitsmarkt immer noch schwer benachteiligt. Von gleichem Lohn für gleiche Arbeit sind wir kilometerweit entfernt, wir leiden unter der gläsernen Decke, wir leiden unter Einkommensdiskriminierung, die steigende Arbeitslosigkeit trifft auch immer Frauen am härtesten. Wir arbeiten verstärkt und sehr viel in der nichtexistenzsichernden Teilzeitarbeit, und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - nämlich die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie - für Frauen, vor allem für Frauen, wurde auch bereits thematisiert.

 

Daran möchte ich gleich anschließen, Frau Kollegin Feldmann, dass ich schon einigermaßen lustig finde, dass ausgerechnet die ÖVP in diesem Fall solche Worte findet und dass ausgerechnet die ÖVP - aber sagen wir einmal: zum Glück endlich auch die ÖVP - auf die Idee kommt, hier Erleichterungen und erleichterte Rahmenbedingungen für Frauen zu schaffen - für Frauen und Männer selbstverständlich, das wäre der Anspruch -, um endlich zur fairen Verteilung von Arbeit, Zeit und Geld zu kommen.

 

In Österreich – ja, da haben Sie recht - haben wir eine viel höhere Teilzeitquote als in vielen vergleichbaren Ländern. Auch bleiben Frauen viel länger in Karenz als in vergleichbaren Ländern. In Österreich sind Frauen überdurchschnittlich lange in Karenz. Und wem haben wir das zu verdanken? Wem haben wir das zu verdanken?, frage ich die ÖVP. - Der schwarz-blauen Regierung haben wir das zu verdanken! (Ironische Heiterkeit und Zwischenrufe bei der FPÖ.) Das Langzeitkarenzmodell, dass Frauen dermaßen lange in der Karenz bleiben, wirkt sich extrem negativ auf ihr Einkommen aus. Je länger Frauen in Karenz bleiben, desto negativer, desto niedriger ihr durchschnittliches Bruttoeinkommen. Und das geht radikal bergab: Am Anfang mit 6 Monaten geht es noch, aber sobald man 3 Jahre in Karenz bleibt - und das sind die Modelle, die Sie gefördert haben! -, muss man nach 3 Jahren Karenz Einkommenseinbußen von bis zu 60 Prozent in Kauf nehmen. Das ist genau die Politik, die Sie zu verantworten haben. Das ist Ihre Politik! (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ. – Zwischenruf von GRin Martina Ludwig-Faymann.) – Ja, richtig. Genau.

 

Aber trotzdem, wir wollen optimistisch bleiben. Ich freue mich, dass endlich auch die ÖVP einsieht, in welche fatale Richtung sie in den letzten Jahren gemeinsam mit der FPÖ da gesteuert ist, und dass sie endlich ein Umdenken in diese Richtung andenkt. Das stimmt mich zumindest ein bisschen optimistisch, was die Zukunft der Frauen in Österreich angeht.

 

Ja, es ist so: Während Frauen, während wir, während Frauen auch vor mir damit beschäftigt waren, nach der Welt zu greifen, haben Männer leider nicht die Hälfte der Häuser übernommen. Das haben sie nicht! – Herr Jung beklatscht die Männer und seine männlichen Kollegen, dass sie das nicht getan haben. Wir beklatschen das nicht. Wir halten das weiterhin für eine Unverfrorenheit. Das muss sich ändern, das wird sich ändern, und das ändert sich natürlich speziell unter einer rot-grünen Regierung. (GR Mag Wolfgang Jung: ... wieder auf den Teppich!) Selbstverständlich. Selbstverständlich!

 

Das ändert sich genau damit, dass wir Rollenbilder, stereotype Rollenbilder bekämpfen, dass wir für deren Aufweichung und endlich für klischeefreies, stereotypenfreies Wählen von Rollen, Wählen von Arbeitsplätzen, Wählen von Lebensentwürfen einstehen. (GR Mag Wolfgang Jung: Das Pech ist nur, dass die Leute Sie nicht wählen!)

 

Das tun wir, indem wir einerseits eine Watch Group einsetzen werden gegen sexistische Werbung. Genau diese formt nämlich sehr viele Bilder für junge Frauen, formt sehr viele Ansprüche an junge Frauen, die wir so nicht unterstützen, die wir viel differenzierter, ausdifferenzierter haben wollen, die wir nicht so ganz klar den Geschlechterrollen zugeordnet sehen wollen. Genau deshalb wird es die Wiener Watch Group geben. Das wird eine Expertinnengruppe sein, die sich sehr genau darum kümmern und sehr genau beobachten wird, ob sexistische Sujets – und welche - in der Wiener Werbelandschaft festzustellen sind, und daraufhin diese anprangern wird und dafür sorgen wird, dass auf Wiener Plakatwänden (GR Mag Wolfgang Jung: Da werden Sie bei der Gewista aber zu tun haben, um zu überzeugen!), auf Wänden der Wiener City Lines, in regionalen Wiener Printmedien keine sexistische Kackscheiße mehr zu finden ist. (Beifall bei den GRÜNEN. – Oh-Rufe und Pfui-Rufe bei der FPÖ. – GR Mag Wolfgang Jung: Das ist nicht mehr ernst zu nehmen!) – „Nicht mehr ernst zu nehmen"? (Heiterkeit der Rednerin.)

 

Wofür wir auch sorgen werden, ist eine deutliche Erhöhung des Anteils von Frauen in den Aufsichtsräten. Das gehört zum umfassenden Paket von Frauenstärkung und Frauenförderung. Dazu gehört natürlich auch die Anhebung der Zahl von Frauen in den Aufsichtsräten. Auch das hat sich die rot-grüne Regierung auf ihre Fahnen geheftet. Mit freiwilliger Selbstregulierung der Unternehmen ist, wie wir wissen, nichts zu machen. Das dient genau nur dem Machterhalt männlicher Eliten. Dem werden wir einen Riegel vorschieben, ganz genau. Und natürlich werden wir einstehen und stehen wir ein für die Erhöhung des Frauenanteils in der Stadt Wien und in stadtnahen Unternehmen. Wir haben uns hier einiges vorgenommen. Wir sagen: Her mit den Quoten! Frauen, nur zu! Hier in Wien ist Platz für euch! Wir schätzen eure Ausbildungen, eure Studienabschlüsse! Wir schätzen euer Engagement, wir warten darauf und wir wollen keinesfalls darauf verzichten! (Zwischenruf bei der SPÖ.) Ganz genau.

 

Ein weiterer Punkt, der mir sehr wichtig ist und der immer wieder anzumerken ist, nämlich gerade auch in

 

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