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Gemeinderat, 33. Sitzung vom 25.09.2003, Wörtliches Protokoll  -  Seite 51 von 102

 

wobei sich die Situation dieser Vereine nicht verbessert, sondern nur verschlechtert hat, und da haben alle, die ich befragt habe, damit übereingestimmt. Ich möchte noch einmal auf das Zitat „Österreichische Geschichte an fremden Orten ist auch österreichische Kultur an fremden Orten“ zurückkommen.

 

Ich weiß nicht, sehr geehrter Herr Stadtrat, ob Sie das wirklich verantworten können, dass man diese Arbeit einfach ignoriert und zur Selbstausbeutung überlässt bis es eben nicht mehr geht. Pech gehabt, geht halt leider nicht mehr.

 

Dann habe ich noch ein ganz besonderes Schmankerl hier auf Lager. Es gibt noch einen Exilverein, der beschäftigt sich hier allerdings mit Exilanten, die aus anderen Ländern in Wien sind, der beschäftigt sich mit ihnen, um hier auch ihre Kultur zu fördern. Da gibt es besonders in der Literatur bereits prominente Vertreter. Für diesen Verein habe ich hier vor zwei Jahren gebeten, man möge ihn doch nicht so stark kürzen. Herr Kulturstadtrat, wir hatten damals die große Freude, dass Sie hier noch in der Sitzung herausgekommen sind und gesagt haben, dass Sie die Kürzung von damals noch 50 000 Schilling rückgängig machen werden und dieser Verein das Geld bekommt. Ich konnte es nicht glauben, als ich das gehört habe. Das war vor zwei Jahren und die haben das Geld bis heute nicht! Von der MA 7 haben sie nichts bekommen und man hat ihnen für dieses Jahr auch noch das Jahresbudget um fast 50 Prozent gekürzt! Das ist der Erfolg! Und ich habe bei vielen Vereinen herumgefragt und die haben gesagt: „Bitte, bitte, sagen Sie nichts, weil alles, was wir dann ernten ist nur, dass man sagt, Sie hätten sich ja nicht zu beschweren brauchen, mehr Geld haben wir eben nicht und so ist das.“ Es sind nur Zores, die sie sich damit einhandeln. Das ist eine Kulturpolitik der Macht, muss ich sagen, vor der die Kulturschaffenden auf Knien rutschen sollen, um schön „Bitte, bitte“ zu machen! Sie werden als Bettler behandelt!

 

Ich möchte nur erinnern, dass auch die Arbeit dieser Kulturschaffenden ein Teil österreichischer Kultur in der Welt ist und bitte, das auch wirklich zu unterstützen und sie nicht in herablassender Weise noch als Bettler zu behandeln! (Beifall bei den GRÜNEN und der ÖVP.)

 

Ich möchte wie vor zwei Jahren sagen: Es ist ein Appell an die Kulturpolitik dieser Stadt, diese Arbeit zu unterstützen. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer: Herr Dr Salcher hat sich gemeldet, ich erteile ihm das Wort.

 

GR Dr Andreas Salcher (ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien): Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Sie sehen, ich habe jetzt eine Runde ausgelassen, um mich von den schweren Angriffen der SPÖ beim ersten Tagesordnungspunkt wieder einigermaßen zu erholen. Aber Sie sehen, das ist doch gelungen und ich möchte wieder den Antrag einbringen und ich werde ihn wieder alleine einbringen. Ich werde Sie heute noch zwei Mal überraschen, weil ich dann mit jemand anderen einen Antrag einbringen werde. (Heiterkeit bei der ÖVP. – Beifall von amtsf StR Dr Andreas Mailath-Pokorny.) Das ist selten, dass Sie mir applaudieren, aber ich gebe zu, ich applaudiere Ihnen auch selten. (Amtsf StR Dr Andreas Mailath-Pokorny: Damit Sie nicht so alleine sind!) Naja, da werde ich allein sein, da würde ich auch aufpassen in der Debatte. Wenn ich mir da so die heutigen Zeitungen anschaue, dann bin ja nicht ich der, der da diskutiert wird, aber das ist ein anderes Thema.

 

Ich möchte hier ein Thema aufgreifen und diesen Geschäftsordnungspunkt dafür benützen. Im Jahre 2002 hat es diese durchaus lobenswerte Aktion des Herrn Bürgermeisters gegeben, einmal im Jahr ein Gratisbuch an die Wiener Bevölkerung zu verteilen. Man hat sich damals für den Lieblingsautor von Peter Marboe, nämlich für den Frederic Morten entschieden und sein Buch „Ewigkeitsgasse“ zur Verteilung gebracht. Der Rückhalt in der Bevölkerung war trotz vier bis fünf Vorwörter von Mitgliedern der Stadtregierung gegeben. Der einzige, der kein Vorwort geschrieben hat, war der zuständige Stadtrat für Kultur und Wissenschaft, aber trotzdem haben es offensichtlich viele Bürger geschafft, über die ersten Seiten drüber zu kommen, weil die Wiener Bevölkerung eine literarisch gebildete ist und gewusst hat, irgendwann fängt das Buch dann wirklich an und es ist ja ein sehr gutes Buch. Damals hat allerdings der Herr Bürger...

 

Ja und das war ja noch lustig, dass sich dann auf einmal die Anzahl der Bezirksvorsteher der Stadt Wien, die sich gemeinsam für diese Aktion ausgesprochen haben, obwohl der Frederic Morten keinen einzigen von ihnen gekannt hat, erhöht hatte. Die ÖVP-Bezirksvorsteher kamen überhaupt nicht vor und interessanterweise gab es dann im 7. Bezirk nicht den bei uns allen bekannten grünen BV Blimlinger, sondern einen roten Bezirksvorsteher. Also vom Verkauf und von der PR, würde ich sagen, war die Aktion noch steigerungsfähig.

 

Aber jetzt hatte man ja ein Jahr Zeit, da ein bisserl drüber nachzudenken und wir warten alle darauf, was aus dieser Aktion eigentlich geworden ist, weil jetzt im Jahr 2003 eigentlich wieder Zeit wäre, dass die Stadt Wien der Bevölkerung hier ein Buch zur Förderung der Literatur zur Verfügung stellt. Ich glaube, es hat ja damals auch private Sponsoren gegeben. Also das ist eine Aktion, die von der Grundidee her durchaus zu unterstützen wäre. Aber da bis jetzt kein Vorschlag gekommen ist, möchten wir hier einen Vorschlag machen.

 

Es gibt das Buch von Ella Lingens „Gefangene der Angst, ein Leben im Zeichen des Widerstandes“, der Mutter von Peter Michael Lingens und alle, die sich mit dem Buch auseinandergesetzt haben, das auch in der Öffentlichkeit eine sehr breite Rezession gefunden hat, werden sicher der Meinung sein, dass das ein sehr geeignetes Buch wäre, auch von seiner Thematik her.

 

Wir stellen daher den Antrag: „Der Bürgermeister der Stadt Wien möge VBgmin Grete Laska und StR Andreas Mailath-Pokorny mit der Durchführung der Aktion „Eine Stadt – ein Buch“ für das Jahr 2003/2004 beauftragen und über das Buch „Gefangene der Angst, ein Leben im Zeichen des Widerstandes“ von Ella Lingens mit dem Deuticke Verlag Verhandlungen über die Verwendung für

 

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