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Gemeinderat, 4. Sitzung vom 27.6.2001, Wörtliches Protokoll  -  Seite 76 von 121

 

nicht in den Genuss jenes Eigentums gekommen sind, das sie in dieser Zeit verloren haben.

 

Dazu kommt, dass viele Menschen, die in dieser Zeit emigrieren mussten oder Nachkommen von Familien waren, die in dieser Zeit eingesperrt werden, verfolgt wurden und zum Teil auch ermordet wurden, auf Grund ihrer persönlichen Situation zum Teil traumatisiert auch keine entsprechenden Ansprüche angemeldet haben. Es ist auch völlig richtig, dass man diesen betroffenen Menschen und auch ihren Nachkommen eine entsprechende Unterstützung gibt und sie auch in die rechtliche Situation bringt, dass sie eine entsprechende Abgeltung des verlorenen Eigentums zugestanden bekommen.

 

Deshalb ist es auch richtig, dass auf Bundesebene eine entsprechende gesetzliche Bestimmung verabschiedet wurde und dass wir auch im Gemeinderat am 29. April des Jahres 1999 einen entsprechenden Beschluss gefasst haben, der den Gemeinderat verpflichtet, Kunst- und Kulturgegenstände an die Nachkommen beziehungsweise die Überlebenden des Naziregimes zurückzuerstatten. In der Tat sind die Einrichtungen der Stadt Wien ja auch beauftragt worden, entsprechende Recherchen anzustellen und es gibt ja im Historischen Museum, aber auch im Stadt- und Landesarchiv und in der Stadt- und Landesbibliothek eine ganze Reihe von Sammlungen. Im Historischen Museum der Stadt Wien 110 Sammlungen, die auch dahingehend überprüft wurden, ob es Objekte gibt, die in dieser Zeit unrechtmäßig in den Besitz der Stadt Wien gekommen sind. Das Historische Museum hat sich damals ausbedungen, auch unter Einbeziehung von Fachexperten, die nicht nur in der Stadt Wien, sondern auch in anderen Bereichen tätig sind, hier eine entsprechende Stellungnahme im kommenden Jahr zu veröffentlichen.

 

Die Rückgabe dieser Kunstgegenstände ist, wenn man so will, auch der Abschluss einer langen Diskussion über die Rückgabe materieller Güter aus dieser Zeit. Es ist deshalb auch eine völlig richtige Entscheidung des Bürgermeisters gewesen, einen eigenen Restitutionsbeauftragten in der Person von Herrn Dr Kurt Scholz mit dieser Frage zu betrauen und ihm auch zusätzlich die Lösung des Problems Hakoah Fußballplatz und Sportplatz mit auf den Weg zu geben. Das ist eine Frage, die gelöst werden muss und - wie ich meine - gelöst werden muss im Sinne des Hakoah Sportvereins, darüber hinaus aber auch in einem Bereich, wo der Bezirk eingebunden ist, die Anrainer mit eingebunden sind und wo die Sportausübung nicht nur aus historischer Tradition, sondern auch in der gegenwärtigen Situation ermöglicht wird.

 

Ich würde meinen, dass man Herrn Dr Scholz Gelegenheit geben sollte, noch mit den Verantwortlichen des Vereins Hakoah die verschiedensten Überlegungen zu prüfen und auch zu überlegen, welche Alternativmöglichkeiten es gibt, damit die Zugänglichkeit der Angehörigen dieses Sportvereins gegeben ist und der Hakoah Sportverein darüber hinaus auch jene Popularität bekommt, die er in der Ersten Republik gehabt hat. Ich denke, wir sollten hier die Beratungen nicht präjudizieren und darauf achten, dass das Ergebnis eines ist, mit dem der Sportverein Hakoah gut leben kann, aber auch, wie gesagt, der Bezirk und die Anrainer.

 

Ein weiteres Thema, das von meiner Vorrednerin auch angesprochen worden ist, ist die Frage, inwieweit es gelingt, in unserem Stadtbild an die Opfer des Naziregimes zu gedenken. Da gebe ich Ihnen auch vollkommen Recht, es sind eine ganze Reihe von verschiedenen Gruppen, die in dieser Zeit verfolgt wurden. Es sind unsere jüdischen Mitbürger gewesen, es sind aber auch viele Gruppen gewesen, die Sie auch angeführt haben, Roma, Sinti, Homosexuelle, aber auch Menschen, die aus der Sicht des damaligen Regimes in Verdacht gestanden sind, beispielsweise asozial zu sein, wie sich herausstellt unzutreffend, und die aus diesem Titel heraus verfolgt wurden. Ich denke, dass sich die verschiedensten Denkmäler auch in sehr unterschiedlicher Art und Weise eignen, alle Zielgruppen einzubeziehen. Es gibt Denkmäler, die halt ganz besonders an bestimmte verfolgte Gruppen aus dieser Zeit erinnern.

 

Es war ein besonderes Anliegen der Stadt Wien, am Judenplatz ein Ensemble mit dem Denkmal von Rachel Witheread zu schaffen, aber auch mit den Ausgrabungen der mittelalterlichen Synagoge unter Einrichtung einer Informationsstelle des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands, wo über die Biografie der insgesamt 65 000 jüdischen Menschen, die in dieser Zeit verfolgt und ermordet wurden, entsprechend Auskunft gegeben wird. Ich denke, dass es ganz wichtig ist, das auch im Bewusstsein der Stadt zu verankern und auch im Stadtbild der Stadt zu verankern.

 

Wo ich Ihnen etwas widersprechen möchte, das ist Ihre Einschätzung des Hrdlicka-Denkmals. Wenn Sie meinen, dass die Verantwortlichen der Stadt hier aus Angst vor bestimmten Bevölkerungskreisen, wie Sie das ausgedrückt haben, das Denkmal nicht entsprechend unterstützt hätten, möchte ich nur daran erinnern, dass es damals eine große und heftige Auseinandersetzung gegeben hat, in der die Sozialdemokraten fallweise alleine gestanden sind, und zwar nicht nur in der Diskussion mit anderen politischen Gruppen, sondern in Diskussion mit großen Tageszeitungen in unserem Land, mit Medien und mit Anrainern und wir dennoch der Meinung waren, es ist wichtig, dieses Denkmal an einem ganz zentralen und bedeutenden Punkt in unserer Stadt zu errichten, nämlich an der Stelle, wo früher der Phillips-Hof gestanden ist, in dessen Keller - und der war in der Nazizeit ein Luftschutzraum - mehrere 100 Menschen begraben worden sind, die ebenfalls Opfer dieses barbarischen Regimes geworden sind.

 

Also ich denke, dass es wichtig gewesen ist, auch diesen Standort zu errichten. Sie haben natürlich Recht, man könnte jetzt bei jedem Denkmal alle Ziel

 

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