Die Zukunft der Lerchenfelder Straße wurde in den vergangenen Jahren im 7. und 8. Bezirk intensiv diskutiert. In einem mit der Stadt vereinbarten Beteiligungsprozess wurden gemeinsam mit Bürger*innen, Betrieben und Initiativen Ideen für eine mögliche Neugestaltung entwickelt. Auf dieser Grundlage liegen entsprechende Bezirksbeschlüsse, unter anderem zur Tempo-Reduktion, vor.
Die aktuellen Budgetkürzungen auf Stadtebene, der Entfall einer der wichtigsten Investitionsfördertöpfe für die Bezirke sowie die ausstehende Einigung zum Tempo-30-Limit (Anmerkung: die Lerchenfelder Straße ist eine sogenannte Hauptstraße) führen dazu, dass eine umfassende Umgestaltung der Lerchenfelder Straße derzeit nicht umgesetzt werden kann. Auch geplante Infrastrukturmaßnahmen, wie die Erschließung der Straße mit Fernwärme, wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.
Trotz dieser Umstände können die Wiener Linien ihr Gleiserneuerungsprogramm weiter umsetzen. Daher führen die Wiener Linien noch bis Ende Juli 2026 eine notwendige Gleissanierung in der Lerchenfelder Straße durch.
Planen im Dialog - Rückblick
Seit dem Projektbeginn im Februar 2022 fanden regelmäßige Treffen des Projektteams statt. Zudem gab es Zwischenpräsentationen in den jeweiligen politischen Gremien der beiden Bezirke sowie intensive Überlegungen, welche ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen vorhanden und welche für eine klimafitte Entwicklung der Lerchenfelder Straße notwendig sind. Im Zentrum stand ebenfalls der Dialog mit den Nutzer*innen der Straße. Zudem wurde beobachtet, wer die Straße nutzt und wofür.
Planen im Dialog bedeutet, dass die Rückmeldungen der Bevölkerung aus den verschiedenen Bürger*innen-Beteiligungen in den Entwurf eingearbeitet werden.
Fokus der Nutzer*innen
Die Ergebnisse der Befragungen und Dialogforen zeigen, dass für die Menschen folgende Themen für eine klimafitte Lerchenfelder Straße von zentraler Bedeutung sind:
- Mehr Begrünung und mehr Bäume
- Verkehrsberuhigung
- Radinfrastruktur
- Mehr Raum für Fußgänger*innen
- Mehr Sitzgelegenheiten
- Geschwindigkeitsbeschränkung
- Parkplätze reduzieren
- Mehr Platzsituationen und Treffpunkte
- Beschattung
Der bereits vorhandene gute "Mix" an Geschäften und Lokalen sowie die Plätze zum Verweilen sollten erhalten beziehungsweise erweitert werden. Möglichkeiten, zur Energiewende etwas beizutragen, sollen unterstützt und gefördert werden. Die meisten der bislang erreichten Menschen sind zudem mit der Straße emotional verbunden und nutzen diese nicht nur zum Einkaufen.
Projektstand
2022: Befragung, Dialogforen und Infoausstellung im Frühling
Im April 2022 beobachteten Mitarbeiter*innen der Gebietsbetreuung Stadterneuerung und das Projektteam, wie die Lerchenfelder Straße zu unterschiedlichen Zeitpunkten von Fußgänger*innen genutzt wird. Dabei zeigte sich, dass ganz unterschiedliche Menschen auf der Straße unterwegs sind: Sehr früh sind die Hundebesitzer*innen anzutreffen, gefolgt von Schüler*innen bei der Stolzenthalergasse und Piaristengasse. Zu Mittag ist bei den Supermärkten und Bäckereien viel los, am Nachmittag drehen Menschen mit Kinderwägen ihre Runden, und etwas später füllt sich der Bereich rund um den Weghuberpark mit Jugendlichen. Familien besuchen am Nachmittag gerne den Josef-Strauß-Park. Ganztägig genutzt werden der Ceija-Stojka-Platz sowie der Platz vor der Apotheke auf Höhe Nr. 35.
Die Lerchenfelder Straße ist ein belebter und intensiv genutzter Ort für viele unterschiedliche Menschen. Das zeigten auch die Antworten auf die Frage: "Was ist typisch für die Lerchenfelder Straße?". Besonders geschätzt wird die große Vielfalt an kleinen und speziellen Geschäften. Aber auch das gute Verhältnis von Geschäften und Gastronomie wird auffallend oft gelobt. Auch die besondere Nähe zu den Kund*innen wird von den Interviewten immer wieder hervorgehoben.
Bei den Interviews wurden insgesamt 468 Menschen befragt, davon 369 Personen auf der Lerchenfelder Straße und 99 Personen in den Geschäften oder Lokalen. Ergänzend dazu haben 130 Personen einen Online-Fragebogen ausgefüllt und 14 Personen haben ihre Ideen per E-Mail geschickt.
2022: Dialogforen und Ausstellung im Herbst
Bei 2 Dialogforen am 20. und 27. September 2022 wurden die Ergebnisse der sozialräumlichen Erhebung mit dem Schwerpunkt "Straßeninterviews" präsentiert. Bei 7 Themen-Tischen standen das Projektteam sowie Expert*innen aus Politik und Verwaltung für Fragen und Antworten bereit. Die Themen waren: "Begrünung und Abkühlung", "Aktive Mobilität", "Verkehrsberuhigung", "Geschäfte und Gastronomie", "Aufenthalt und Lieblingsplatzerl", "Energie sparen" sowie "Zum Projekt allgemein". Die Ergebnisse werden in den weiteren Planungsprozess einfließen.
Im Oktober waren die Ergebnisse der Befragung für 3 Wochen im Treffpunkt Lerchenfeld als Ausstellung zu sehen. Zu den Öffnungszeiten stand eine fachliche Auskunftsperson zur Verfügung. Zusätzlich fanden Führungen und Veranstaltungen statt.
2023: Schwerpunkt "Raus aus Gas"
Die weltpolitische Lage macht den Umstieg auf erneuerbare Energieformen dringlicher denn je. Die Stadt Wien arbeitet mit dem Programm "Raus aus Gas" intensiv daran. Im Projekt "Klimafitte Lerchenfelder Straße" wurde 2023 dazu ein besonderer Schwerpunkt gesetzt. Denn bevor die Straße aufgegraben wird, ist es wichtig zu überlegen, wie beispielsweise die Fernwärme zu den Häusern und in die Wohnungen kommt. Dazu gab es Veranstaltungen mit Haus- und Wohnungsbesitzer*innen ebenso wie ein regelmäßiges Beratungsangebot für Mieter*innen im Herbst.
2023: Straßenteppich und Fotowäscheleine
Im Frühjahr und im Sommer wurde wieder der intensive Dialog gepflegt. Ausgestattet mit einem Luftbild-Straßenteppich war das Projektteam zwischen Mai und September unterwegs, um sich mit den Menschen über ihre Straße auszutauschen. Besonders beleibt war die Aktion "Fotowäscheleine", bei der es Fotos der Lerchenfelder Straße von einst und jetzt zu sehen gab. Unterstützt wurde diese Aktion von der Pfarre Altlerchenfeld und der Jugendorganisation Kult.Kids. Die jungen Menschen zeichneten ihre Wünsche für eine klimafitte Lerchenfelder Straße und zeigten diese anschließend in einer Ausstellung im Treffpunkt Lerchenfeld.
2023: Führungen und Aktion 17.000 Schritte
Großen Anklang fanden die Führungen zu den begrünten Innenhöfen an der Lerchenfelder Straße und zur barrierefreien Nutzung der Straße.
Die
Aktion 17.000 Schritte für ein Goodie mit der Wien-Zu-Fuß-App fand in
Kooperation mit den Kaufleuten der Lerchenfelder Straße statt. Das
Transparent zur klimafitten Lerchenfelder Straße, das am Bauzaun über
die Projektfortschritte informiert, wurde zu einem praktischen
Schlüsselanhänger umgearbeitet. Jedes Stück war ein Unikat und schnell
vergriffen.
2023: Zusammenführung der Anliegen
Ende 2023 begann die technische Straßenplanung und damit die Zusammenführung der Anliegen der Bewohner*innen mit den Planungsbüros und der Stadt Wien.
2024: Erstellung eines Vorentwurfs
Im ersten Halbjahr 2024 startete eine Phase der magistratsinternen Abläufe und der Auswahl der Planungsbüros. Es wurde an einem Vorentwurf gearbeitet.
2025: Information im Rahmen eines Dialogabends
Im Mai 2025 fand ein gemeinsamer Dialogabend der Bezirksvorstehungen Neubau und Josefstadt zur klimafitten Lerchenfelder Straße statt. Rund 100 Bewohner*innen sind gekommen. Die Bezirksvorsteher des 7. und 8. Bezirks haben zusammen mit den Dienststellen der Stadt Wien über die geplanten Entwicklungen informiert. Der damalige Stand umfasste die Modernisierung der Straßenbahngleise, den Ausbau des Fernwärme-Netzes und die Förderung zum Fernwärme-Ausbau.
2026: Gleisbauarbeiten von Mai bis Juni
Vom Schmerlingplatz bis über die Neubaugasse werden heuer rund 1.200 Meter Gleise entlang der Strecke der Straßenbahn-Linie 46 auf der Lerchenfelder Straße erneuert. Von 16. März bis Mitte Juli 2026 kann die Straßenbahn deshalb nicht zwischen Ring, Volkstheater und der U6-Station Thaliastraße fahren. Die Straßenbahn wird von Joachimsthalerplatz kommend ab Thaliastraße zur U-Bahn-Station Josefstädter Straße umgeleitet: Gleissanierung in der Lerchenfelder Straße
2026: Umgestaltung vorerst pausiert
Die aktuellen Budgetkürzungen auf Stadtebene, der Entfall einer der wichtigsten Investitionsfördertöpfe für die Bezirke sowie die ausstehende Einigung zum Tempo-30-Limit (Anmerkung: die Lerchenfelder Straße ist eine sogenannte Hauptstraße) führen dazu, dass eine umfassende Umgestaltung der Lerchenfelder Straße derzeit nicht umgesetzt werden kann. Auch geplante Infrastrukturmaßnahmen, wie die Erschließung der Straße mit Fernwärme, wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.
Weiterführende Informationen
- Klimafitte Lerchenfelder Straße - Gebietsbetreuung Stadterneuerung (GB*)
- Klimafitte Lerchenfelder Straße - Planen im Dialog - STADTpsychologie Projektsteuerung
- "PROZESS:DESIGN Lerche" zur partizipativen Gestaltung einer klimafitten Lerchenfelder Straße (Dezember 2021, 7 MB PDF)