Zollergasse wird klimafit

Die Zollergasse wird bis zum Sommer neugestaltet. Große Platanen, begrünte Pergolen und ein Wasserspiel als "Bachlauf" sorgen für Abkühlung und ein besseres Mikroklima.

Stadträtin Ulli Sima und Bezirksvorsteher Markus Reiter vor einer großen Visualisierung der umgestalteten Zollergasse

Planungsstadträtin Ulli Sima und Bezirksvorsteher Markus Reiter

Die Zollergasse wird durch die Umgestaltung verkehrsberuhigt, begrünt und gekühlt. Die Pläne der Neugestaltung präsentierten Planungsstadträtin Ulli Sima und Bezirksvorsteher Markus Reiter am 10. März 2021. Gemeinsames Ziel ist ein attraktiver Aufenthaltsort mit Schatten, Schanigärten und konsumfreien Räumen rechtzeitig zu Sommerbeginn.

Projekt "Kühle Zone Neubau"

"Wir schaffen eine weitere klimafitte Straße mit neuen, großen Bäumen im dichtverbauten Stadtgebiet und einem kleinen 'Bach' mit Sprühnebeln mitten in der Zollergasse zur Abkühlung", freut sich Planungsstadträtin Sima. Für Bezirksvorsteher Reiter ist das Projekt "ein weiteres Vorzeigeprojekt im Rahmen des Klimawandelanpassungsprogrammes 'Kühle Zone Neubau', welches gemeinsam mit der Wiener Stadtregierung realisiert werden kann. Mit der erstmaligen Realisierung von großen Platanen in der Straßenmitte gehen wir als Bezirk Neubau einmal mehr voran und leisten Pionierarbeit weit über die Bezirksgrenzen hinaus."

Umgestaltet wird die Zollergasse von der Mariahilfer Straße bis zur Lindengasse. Die Abteilung Wiener Wasser (MA 31) hat in diesem Bereich in den letzten Wochen die Wasserrohre getauscht. Die Baustelle zur Begrünung schließt ab Mitte April nahtlos an, das stellt die gut koordinierte Baustellenlogistik in der Stadt sicher. Die Fertigstellung ist für Ende Juni 2021 geplant.

Klimawandelanpassung mit Cooling-Elementen für Hitzetage

Rendering der begrünten Zollergasse mit einigen Menschen

Planungsbüro: korbwurf landschaftsarchitektur

Bei der attraktiven Gestaltung der Straße spielen Klimawandelanpassungsmaßnahmen die zentrale Rolle: der Boden wird im Bereich der Baumscheiben zu 100 % entsiegelt. Das Wasser kann dadurch in die Erde abrinnen. Zur Verbesserung des Mikroklimas werden im Boden 3 Quelldüsen und 3 Nebeldüsen installiert, die im Bereich der FußgängerInnen-Zone einen kleinen Bachlauf erzeugen und kühlen.

8 großkronige mittig gepflanzte Platanen, sogenannte XL-Bäume, sorgen von Tag 1 an für Schatten. Sie sind schon 25 Jahre alt, 10 Meter hoch und haben eine Baumkrone von 4 Metern. Dazu gibt es 2 berankte, etwa 3 Meter hohe Pergolen, deren Aussehen an Webrahmen erinnern. Großzügige Grünflächen mit blühenden Staudenmischungen werten die neugestaltete Straße weiter auf.

Pflasterung im Teppichmuster erinnert an Namensgeber

Gasse mit parkenden Autos

Vor der Neugestaltung

Namensgebend für die Zollergasse ist der Tuchhändler Michael von Zollern (1665 bis 1756). Inspiriert von Stoffmustern werden die quadratischen Granitpflastersteine angeordnet: Die gepflasterte Fläche soll einen Teppich symbolisieren - ein Teppich, der darauf wartet, von Menschen betreten zu werden.

Schattige Schanigärten und konsumfreie Räume

Bis zu 20 konsumfreie Sitzgelegenheiten wie Sitzhocker, Pendelsitze in den Pergolen, Sessel und Sitzbänke mit Arm- und Rückenlehnen sollen zum Verweilen einladen. Ein Trinkbrunnen stellt frisches Quellwasser bereit. Das taktile Leitsystem soll blinde und sehschwache Menschen sicher durch den Straßenraum führen. Die konsumfreien Flächen können auch für temporäre Kunst und Kultur im öffentlichen Raum genutzt werden. Für Fahrräder stehen künftig in diesem Abschnitt der Zollergasse 20 Radbügel zur Verfügung.

Freiflächen für Gastro als Corona-Soforthilfe

Als Corona-Sofortmaßnahme für die Gastronomie werden die 10 betroffenen Betriebe Ersatzflächen für Schanigärten erhalten. Diese werden sich in der Lindengasse im Bereich Zollergasse und Neubaugasse sowie direkt auf der Mariahilfer Straße im Bereich der Zollergasse befinden.

Schwammstadt-Prinzip für klimafitte Bäume

Zur Verbesserung des Lebensraums der Bäume sowie des Regenwasser-Managements kommt das Schwammstadt-Prinzip zum Einsatz. Durch dieses innovative System bekommen Bäume mehr Luft und Wasser. Ihre Lebensdauer wird dadurch erhöht. Durch die sukzessive Verdunstung kommt es zu einer permanenten Verbesserung des Mikroklimas.

Zudem wird die Kanalisation bei Starkregen-Ereignissen entlastet. Dafür sorgt eine Schicht aus grobkörnigem Schotter sowie wasserspeichernden Materialien wie Aktivkohle, die im Straßenraum eingebracht wird. Die Bäume stehen in ihren Baumscheiben, haben aber direkten Kontakt zu den Schotter-Schichten und können diese durchwurzeln.

Das gilt auch für das Wasserspiel, das im Bereich der FußgängerInnen-Zone durch das natürliche Gefälle einen bachartigen Wasserfilm ausbildet. Das Wasser wird über Bodendüsen als Nebel und Sprudler sichtbar und kühlt durch Verdunstungsprozesse die Umgebungstemperatur ab. Überschüssiges Wasser wird zu den Staudenbeeten und Bäumen abgeleitet und kann von den Pflanzen wieder aufgenommen werden.

Die Entwässerung kann von Sommer- auf Winterbetrieb umgestellt werden, damit durch Streusalz verunreinigtes Wasser direkt in die Kanalisation abgeleitet wird und nicht in den Wurzelbereich der Bäume eindringt.

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