Schimmel im Wohnraum - rechtliche Sicht

Meldepflicht

Sobald eine Mieterin beziehungsweise ein Mieter in ihrer beziehungsweise seiner Wohnung (oder Geschäftslokal) Schimmelpilz bemerkt, muss sofort die Vermieterin beziehungsweise der Vermieter davon in Kenntnis gesetzt werden. Passiert dies nicht, wird die Mieterin oder der Mieter möglicherweise schadenersatzpflichtig.

Ernster Schaden - Erhebliche Gefahr für die Gesundheit

Bei Wohnungen (oder Geschäftslokalen), die zur Gänze dem Mietrechtsgesetz unterliegen, kann Schimmelbefall sogar einen "ernsten Schaden des Hauses" darstellen, und damit eine Erhaltungsverpflichtung der Vermieterin beziehungsweise des Vermieters (gemäß § 3 MRG) auslösen.

Ein "Ernster Schaden des Hauses" durch Schimmelbefall liegt etwa dann vor, wenn bereits Verputz oder Mauerwerk durchdrungen sind. In diesem Fall muss die Vermieterin beziehungsweise der Vermieter unabhängig vom Verschulden die Beseitigung des Schimmels veranlassen.

Vorsicht vor möglicher Regressforderung

Stellt sich heraus, dass die Schimmelbildung ausschließlich auf das ungünstige Wohnverhalten der Mieterin beziehungsweise des Mieters zurückzuführen ist, und kein Bauschaden vorliegt, dann ist grundsätzlich eine Regressforderung der Vermieterin beziehungsweise des Vermieters gegen die Mieterin beziehungsweise den Mieter denkbar. Die Kosten der Schimmelbeseitigung könnten der Mieterin beziehungsweise dem Mieter angelastet werden. Auch der Kündigungstatbestand des "Nachteiligen Gebrauches des Mietgegenstandes" könnte in solchen Fällen angedacht werden.

Mietzinsminderung

Die Geltendmachung einer Mietzinsminderung (gemäß § 1096 ABGB) bei Auftreten von Schimmel ist grundsätzlich möglich. Es ist jedoch Vorsicht geboten, wenn die Ursache für die Schimmelbildung nicht geklärt ist oder bei der Mieterin beziehungsweise beim Mieter liegt (Regressforderungen möglich).

Mietvertragsabhängige Situation

Bei jenen Mietverhältnissen, die nicht dem MRG unterliegen, beziehungsweise bei denen § 3 MRG nicht zur Anwendung kommt, ist vorab auf die vertragliche Situation zu achten: Wurde die Erhaltungspflicht auf die Mieterin beziehungsweise den Mieter übertragen, ist zwar der Schimmel von der Mieterin beziehungsweise vom Mieter zu sanieren, diese oder dieser kann jedoch in der Folge Gewährleistungsansprüche gegen die Vermieterin beziehungsweise den Vermieter prüfen.

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