Konferenz "Local Heroes & Global Players"

Am 2. November 2015 fand im Tech Gate Vienna die Konferenz "Local Heroes & Global Players", veranstaltet von der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23), statt.

Hinweistafel zur Konferenz "Local Heroes & Global Players"

Airbnb, Uber & Co. wirbeln mit ihren Angeboten den Servicesektor gehörig durcheinander und sorgen seit Monaten für Schlagzeilen. Das Internet, die immer größere Verbreitung von Smartphones und Tablets und die zunehmende Digitalisierung aller Lebenswelten ermöglichen zahlreiche neue Geschäftsmodelle. Diese bringen neue Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich.

Was als harmlose Tauschbörse in der Nachbarschaft begann, ist längst zu einem profitablen Geschäftsmodell von Milliardenkonzernen und ihren Investorinnen und Investoren geworden. Die internationale Konferenz beleuchtete verschiedene Facetten der Thematik. Sie zeigte auf, welche Schritte andere europäische Städte gesetzt haben. Wie fair ist die Sharing Economy? Welche Auswirkungen hat sie auf lokale Wertschöpfung? Welche Branchen sind besonders betroffen? Wie verändern sich Arbeitsverhältnisse? Entsprechen sie noch unserem Bild von "guter Arbeit"?

"Innovation bedeutet auch soziale Innovation"

Vizebürgermeisterin und Wirtschafts- und Finanzstadträtin Mag.a Renate Brauner strich bei ihrer Begrüßung die Herausforderungen heraus, die sich durch veränderte Wirtschaftsformen für Politik und Verwaltung ergeben. Es müsse für faire und gleiche Bedingungen für alle gesorgt werden. Soziale Standards für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssten gesichert sein. Daher müssten Rahmenbedingungen für die Bereiche geschaffen werden, in denen moderne Sharing Economy tätig ist. Renate Brauner erwähnte die Leitlinien der Wiener Wirtschaftspolitik: "Wien steht für Innovation und Erneuerung. Innovation bedeutet aber auch soziale Innovation, die die Bedürfnisse aller Menschen in einer Gesellschaft im Blick hat. Es ist unsere Aufgabe, in der Politik und Verwaltung darauf zu achten, dass auch bei neuen Wirtschaftsmodellen gute Arbeit und soziale Inklusion möglich ist."

Der Leiter der MA 23, Dipl. Vw. Klemens Himpele betonte bei seiner Einleitung, dass das Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Angebote der Sharing Economy nehmen weltweit rasant zu und bringen in manchen Bereichen grundlegende Veränderungen des Wirtschaftssystems mit sich. Daher hat die MA 23 bereits 2014 eine Studie zu diesem Thema in Auftrag gegeben. Seit dieser Studie setzt sich die Stadt Wien intensiv mit der "Sharing Economy" auseinander. Die Herausforderung sei es, "das technische und innovative Potenzial zu nutzen und gleichzeitig auf die sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu achten, um fairen Wettbewerb zu ermöglichen und beispielsweise Lohndumping zu verhindern."

"Potenziale heben, statt Mauern bauen"

Magistratsdirektor-Stellvertreter Mag. Wolfgang Müller berichtete, dass die auf Initiative von Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner von der Stadt Wien eingerichtete Arbeitsgruppe zu diesem Thema bis Ende 2015 Vorschläge erarbeitet, wie man mit Airbnb, Uber & Co. umgehen möchte. Es gehe darum, keine Mauern zu bauen, sondern Potenziale zu heben und Fairness im Wettbewerb und am Arbeitsmarkt sicherzustellen. Aufgabe der Verwaltung sei es, alle Bedürfnisse im Blick zu haben. Es müsse ein differenzierter Blick auf rechtliche Phänomene geworfen werden, die sich durch neue Geschäftsmodelle ergeben. Die WIFO-Ökonomin Rahel Falk gab einen theoretischen Einstieg in das Thema Sharing Economy. Sie plädierte für eine saubere Begriffsabgrenzung der kommerziellen und der nicht-kommerziellen Angebote. Nur so könnten die Vor- und Nachteile der Ökonomie des Teilens fair beurteilt werden.

Isabella Mader vom Excellence Institut zeigte anhand der Internetplattform "amazon mechanical turk", dass dem Preiswettbewerb auf Plattformen keine Grenzen nach unten gesetzt sind. So liegen die Löhne für einfache Arbeitsaufträge im einstelligen Cent-Bereich. Trotzdem sind mehrere hunderttausend Menschen auf diesen Plattformen registriert.

In zwei Podiumsdiskussionen wurden das Beherbergungs- (Airbnb) und Personentransportwesen (Uber) teilweise kontroversiell diskutiert. Einig waren sich jedoch alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass Vorteile, die durch die Umgehung gesetzlicher Bestimmungen entstehen, einen unfairen Wettbewerb darstellen und daher nicht zu tolerieren sind.

Zum Abschluss der Konferenz erklärte Vanessa Barth (IG Metall) anhand von mehreren Beispielen die Funktionsweise von "Crowdworking". Es gebe nicht nur negative Aspekte, sondern auch einen extrem niederschwelligen Zugang zu Arbeit. Eine Initiative der IGM versucht, die Asymmetrie zwischen Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern sowie Auftraggeberinnen und Auftraggebern abzuschwächen. Bei der Initiative wurde eine Plattform eingerichtet, auf der auch die Auftraggeberinnen und Auftraggeber bewertet werden können. Bisher konnten nur die Auftragnehmerinnen und Auftragnehmer bewertet werden.

Präsentationen

  • Rahel Falk: Geschäftsmodelle der Sharing Economy zwischen Gewinn und Gemeinsinn: 390 KB PDF
  • Isabella Mader: On Demand Economy - und die Konsequenzen: 4,9 MB PDF
  • Eugen Antalovsky: The Big Transformers z. B. Airbnb: 680 KB PDF
  • Peter Wieser: Airbnb in Wien: 1,7 MB PDF
  • Stephan von Dassel: Präsentation: 470 KB PDF
  • Herbert Bartik: The Big Transformers z. B. Uber: 500 KB PDF
  • Vanessa Barth: Crowdworking - zurück in die Zukunft?: 3,3 MB PDF

Studie der MA 23 zum Thema

Studie "The Big Transformers. Sharing- und On-Demand-Economy auf dem Vormarsch"

Position der Stadt Wien zur Share Economy

  • Share Economy in Wien: 1 MB PDF (Deutsch)
  • Share Economy in Vienna: 1 MB PDF (Englisch)

Weiterführende Informationen

  • Checkliste zur Vermietung von Wohnungen für touristische Zwecke: 502 KB PDF
Verantwortlich für diese Seite:
Wirtschaft, Arbeit und Statistik (Magistratsabteilung 23)
Kontaktformular