"Wien darf sich nicht zu Tode siegen" - Interview mit Klemens Himpele, Leiter der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23)

Wien konnte sich in den letzten Jahren auf Basis verschiedener Rankings über eine Vielzahl von Auszeichnungen freuen: lebenswerteste Stadt der Welt, "Smart City" oder auch als dritt-innovativste Stadt Europas.

Klemens Himpele

Dipl.-Vw. Klemens Himpele, Leiter der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik - MA 23

Wenn jemand die Gesamtheit all dieser Statistiken und Städtevergleiche im Auge behält, dann ist das Klemens Himpele, Leiter der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik (MA 23). wien.at sprach mit ihm über die Gründe für den internationalen Erfolgslauf der Stadt und die anstehenden Herausforderungen.

wien.at: Wien wurde im "Innovative Cities Global Index" zur dritt-innovativsten Stadt Europas gekürt (im Mai 2014, Anmerkung der Redaktion): Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus diesem Ranking?

Klemens Himpele: "Es ist erfreulich, dass Wien erneut in einem internationalen Ranking einen Spitzenplatz erzielt hat. Das ist Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit und zugleich Ansporn, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Die erfreuliche Erkenntnis aus diesem Ranking ist, dass sich Wien auf dem richtigen Weg befindet und wir eine sehr gute Ausgangsposition haben, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Zieht man die Ergebnisse anderer Rankings hinzu - Wien als lebenswerteste (Mercer) beziehungsweise erfolgreichste Stadt (Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen) der Welt - wird deutlich, dass Wien in vielen Bereichen gut aufgestellt ist und ein gutes Umfeld für kreative und innovative Ideen bietet."

wien.at: Welche Maßnahmen der Stadt Wien sehen Sie als ausschlaggebend für diese internationale Positionierung Wiens an?

Himpele: Das Gesamtpaket ist entscheidend. Wien zeichnet sich durch seine hohe Lebensqualität aus. Das hat einen massiven Einfluss auch auf kreative und innovative Köpfe. Daher ist das Thema Lebensqualität von entscheidender Bedeutung auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Daneben verfügt Wien mit der FTI-Strategie 'Wien denkt Zukunft' über ein Konzept, Zukunftsthemen frühzeitig zu besetzen. Zudem investiert die Stadt seit Jahren in nachhaltige Maßnahmen. Exemplarisch genannt werden können aber die Projekte der Wirtschaftsagentur Wien. Diese hat beispielsweise im Jahr 2012 rund 700 Projekte von Wiener Unternehmen mit rund 33 Millionen Euro gefördert. Innovation spielt dabei eine maßgebliche Rolle, etwa im Programm 'Innovation' des ZIT. Neben Unternehmen fördert Wien aber auch die Ausbildung von Fachkräften für den Standort - genannt seien der Qualifikationsplan Wien, die Programme des waff und des WWTF und die Fachhochschulförderung.
Kurzum: Wien bietet hervorragende Strukturen, ausgezeichnete Lebensbedingungen, gut ausgebildete Menschen und eine nachhaltige Wirtschaftsförderung an. So gelingt es, gemeinsam mit den Wienerinnen und Wienern sowie den Wiener Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu hervorragenden Rankingplätzen zu kommen.

wien.at: Wenn diese Statistik vor allem eines zeigt, dann dass sich Wien in einem tagtäglichen und beinharten Wettbewerb mit anderen Städten befindet. Unternehmen können es sich aussuchen, wo sie sich ansiedeln und wo sie Arbeitsplätze schaffen wollen. Wie begegnet Wien dieser Herausforderung?

Himpele: Auch hier spielen die Themen 'Lebensqualität' und 'Fachkräfte für den Standort' eine entscheidende Rolle. Wien ist ein Premium-Anbieter. Wir werden unsere herausragende Lebensqualität nur halten können, wenn wir im internationalen Wettbewerb als Anbieter herausragender Qualität wahrgenommen werden. Daher ist es so wichtig, die bestehenden Stärken mit den zukünftigen Herausforderungen zusammenzubringen. Und das ist der Grund, warum Wien mit erheblichem Aufwand in die Zukunftsbereiche der Stadt investiert. Die Menschen müssen sich hier wohlfühlen - und sie müssen in die Lage versetzt werden, gut und produktiv tätig zu sein - sowohl im Bereich der Dienstleistungen als auch im Bereich der Produktion.

wien.at: Für viele Menschen ist das Silicon Valley in den USA der Inbegriff der Innovation. Aber sogar mit dieser Region kann Wien konkurrieren. Überraschend?

Himpele: Wir wissen, dass Wien im Bereich der Innovation gut aufgestellt ist. Die San Francisco Bay Area - hier befindet sich das Silicon Valley – liegt im 'Innovative Cities Global Index' nur einen Punkt vor Wien. Es ist natürlich eine tolle Bestätigung, auf Augenhöhe mit einer Region zu liegen, die als Inbegriff der Innovation gilt. Entscheidend für uns ist die Weiterentwicklung der Wiener Stärken. Wenn wir hier von anderen Regionen lernen können, machen wir das gerne.

wien.at: In welchen Bereichen gilt es, noch besser zu werden?

Himpele: Ich bin froh, dass Sie auch diese Frage stellen - denn wir sollten uns über die guten Platzierungen freuen und müssen gleichzeitig aufpassen, uns nicht zu Tode zu siegen. Die Herausforderungen für Wien liegen in der noch deutlicheren Positionierung als Forschungs- und Innovationsstandort. Die Weiterentwicklung der Wiener Strategie für Forschung, Technologie und Innovation - das ist im Regierungsübereinkommen auch so festgehalten - und hier insbesondere die Verbesserung der internationalen Vernetzung wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Wien wird nur als weltoffene Stadt, in Kooperation mit den Nachbarstädten erfolgreich sein.
Die Stärken – etwa in den Bereichen IKT, Life Sciences und Creative Industries - müssen deutlicher sichtbar gemacht werden. Das klingt leichter als es ist, da mit Wien - zugespitzt formuliert - vor allem Sisi, Walzer und Wiener Schnitzel verbunden wird. Dieses Bild muss um die Innovationskraft der Stadt ergänzt werden - und hier kann uns der "Innovative Cities Global Index" wirklich helfen.

wien.at: Wiens Bürgermeister formulierte die Zielsetzung "weg von den rauchenden Schornsteinen, hin zu den rauchenden Köpfen", um den Wandel der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft zu illustrieren. Wo manifestiert sich dieser Wandel in Wien besonders?

Himpele: Der Wandel manifestiert sich beispielsweise in den eben genannten Bereichen der IKT und der Life Sciences, aber auch in der Entwicklung der Industrie. Hier wird mit beträchtlichem Wissen und 'rauchenden Köpfen' an innovativen Lösungen und Produktionsprozessen gearbeitet - denn der Bürgermeister hat recht: Die Zukunft Wiens steckt in kreativen und innovativen Ideen und Produkten und damit in den Köpfen der Wienerinnen und Wiener.
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