Zur goldenen Schlange

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1421
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Hausschild
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Stanislaus Kostka
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  6.06.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
1Steindlgasse6
1Kurrentgasse2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt42818211862
Stadt46117951821
Stadt25017701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zur goldenen Schlange (1, Steindlgasse 6, Kurrentgasse 2; Konskriptionsnummer 428).

Geschichte

Dieses Eckhaus wird erstmals 1421 urkundlich erwähnt. Da es zur Judenstadt gehörte, wurde es im Zuge der Judenvertreibung (siehe Geserah) von Herzog Albrecht V. beschlagnahmt und am 3. Juli 1422 verkauft. 1451 gelangte Helene Kottanner in den Besitz des Gebäudes. Sie war die Kammerfrau der Königin Elisabeth, die sich als Witwe mit den ungarischen Kroninsignien nach Visegrad begab, wo sie am 22. Februar 1440 den Erben Ladislaus Postumus gebar. Auf der Reise nach Stuhlweißenburg versteckte Helene Kottanner die ungarische Krone vor dem Kronprätendenten König Wladislaw I. von Polen, sodass der zwölf Wochen alte Ladislaus in Stuhlweißenburg zum ungarischen König gekrönt werden konnte. Zur Belohnung für ihre Dienste, so können wir immer wieder lesen, habe die sie dieses Haus erhalten. Dem widerspricht allerdings die Eintragung ins Grundbuch, derzufolge ihr das Haus als Ersatz für eine uneinbringliche Geldforderung gerichtlich zugesprochen wurde. Bereits kurz darauf verkaufte sie es wieder. 1468 fiel das Gebäude aufgrund ausständiger Steuern an die Stadt, die es sofort verkaufte.

1563 bis 1599 gehörte das Haus dem Schneider Caspar Wachenschwanz. 1564/1566 bewohnte der Jesuitennovize Stanislaus Kostka in Begleitung seines Bruders und unter Aufsicht des polnischen Edelmannes Bilinski ein Zimmer. 1583 wurde dieses in Erinnerung an ein ihm dort geoffenbartes Wunder (1566 soll ihm während einer schweren Krankheit ein Engel die Kommunion gebracht haben, als der evangelische Hausbesitzer Wachenschwanz einem Priester den Zutritt verwehrte) in eine einfache Kapelle umgewandelt (Stanislaus-Kostka-Kapelle).

Ab 1677 gehörte das Haus dem Chirurgen Dr. Nikolaus Pinon. Maria Barbara Koller von Mohrenfeld, die 1735 in den Besitz des Hauses gelangte, ließ 1742 die Kapelle mit Gold und Marmor reich ausschmücken, deren Decke stukkieren und an den Wänden Blumenmalereien anbringen und bestimmte testamentarisch, dass das Zinserträgnis des Hauses zur Erhaltung der Stanislaus-Kostka-Kapelle zu verwenden sei. Die Verwaltung wurde dem jeweiligen Pater Provinz Procuratori der Jesuiten übertragen.

1757 wurde das Gebäude umgebaut. Als 1783 die ehemalige Jesuitenkirche Am Hof ("Zu den neun Chören der Engel") zur Pfarrkirche erhoben wurde, verwendete man es als Pfarrhof.

Mit Kaufvertrag vom 9. November 1915 ging das Gebäude in den Besitz des "christlichen Verbandes der weiblichen Hausbediensteten in Wien" über. Auf Grund eines Bescheides der "Reichskommission für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich" wurde das Eigentumsrecht am Gebäude am 11. August 1938 der "Vermögensverwaltung der Deutschen Arbeiterfront Ges. m.b.H." übertragen, die es im Dezember 1938 dem Erzbistum Wien verkaufte. Aufgrund eines Vergleichs kam das Gebäude 1948 in den Besitz des "Verbandes der christlichen Hausgehilfinnen in Wien".

Architektur

Von außen zeichnet sich das Haus vor allem kurrentgassenseitig durch Putten aus, die um die schön vergitterten, theresianischen Fenster flattern. Im Inneren des Hauses befindet sich die bereits mehrfach erwähnte Stanislaus-Kostka-Kapelle. Sie ist ein Schmuckstück barocker Innenkunst. Das Altarbild von Franz Stecher bezieht sich auf oben geschilderte Vision, stammt aber erst aus dem Jahr 1840.

Literatur

  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 64
  • Gustav Gugitz: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien. Wien: Hollinek 1952 (Österreichische Heimat, 17), S. 84 f.
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 1: Wien. Wien: Hollinek 1955, S. 38
  • Karl Janecek: Lateinische Inschriften an Bauwerken und Denkmälern Wiens. Horn: F. Berger i. Komm. 1956, S. 31
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 42
  • Johann Gebhart: Heilige Sagen in Österreich. Wien: Greß 1856, S. 11 ff.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 425
  • Gerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele: Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Ein belehrendes und unterhaltendes Nachschlag- und Lesebuch in anekdotischer, artistischer, biographischer, geschichtlicher, legendarischer, pittoresker, romantischer und topographischer Beziehung. 2 Bände. Wien: [s.n.] 1846, S. 504 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 285 f., S. 418
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 2. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 351-355
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 3. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 473 (Jahre 1421/1422)