Zur blauen Flasche (1)

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Stock-im-Eisen-Platz 4 (1779)
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Christian Flaschner
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  5.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Stock-im-Eisen-Platz_1779.jpg
Bildunterschrift  Stock-im-Eisen-Platz 4 (1779)
Bildquelle Wilhelm Kisch: Wien. Wien: Gottlieb 1883
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Stock-im-Eisen-Platz4

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zur blauen Flasche (1, Stock-im-Eisen-Platz 4, Teil).

Urheber des späteren Hausschildnamens "Zur blauen Flasche“ war vermutlich Christian Flaschner, der 1563 erwarb.

Das Haus, das in der Lokalgeschichte Wiens immerhin eine gewisse Rolle spielt, war mit seiner Vorderfront auf den alten Rossmarkt (Stock-im-Eisen-Platz) hinaus sehr schmal, hatte aber dafür eine umso größere Tiefe und reicht mit seinem rückwärtigem Trakt bis zum Schlossergassl.

Das Kaffeehaus

In dem ab 1695 so benannten Haus im ehemaligen Schlossergässel eröffnete der Armenier Isaac de Luca (eigentlich Lucas[ian]) 1703 ein Kaffeehaus und führte es bis zu seinem Tod (1729). 1730 heiratete seine Witwe den armenischen Kaffeesieder Anton Deodat (der 1733 gemeinsam mit Franz Ignaz Deodat eine Kaffeehütte jenseits der Schlagbrücke eröffnete; Café Hugelmann) und führte es gemeinsam mit diesem weiter. 1744-1767 gelangte es an ihren Sohn aus erster Ehe, Wolfgang de Luca, bis 1775 besaß es dann dessen Witwe. Als eines der ältesten und am längsten in Betrieb gestandenen Kaffeehäuser prägte es sich so tief im Bewußtsein der Wiener ein, dass es mit Koltschitzky (Erstes Kaffeehaus) in Verbindung gebracht werden konnte. Dies umso leichter, als de Luca ab 1710 wie Koltschitzky das Amt eines orientalischen Kuriers ausübte, sein Nachfolger aber mit Johannes Diodato verwechselt wurde (Schwanfelnersches Haus). Aus der Verbindung der beiden Lebensläufe entstand die "Kolschitzky-Legende".

Die Kolschitzky-Legende

In diesem befand sich nach der Überlieferung der Kaffeeschank Kolschitzys, des ersten Wiener Kaffeesieders. Franz Georg Kolschitzky hatte sich als Kundschafter zur Zeit der Zweiten Belagerung Wiens durch die Türken im Jahr 1683 sicherlich Verdienste erworben, doch wurden diese übermäßig aufgebauscht, denn er war ein gewaltiger Maulheld, der in fast moderner Weise für sich Reklame zu machen Verstand. Er gewann einen Relationsschreiber zur Aufzeichnung seiner Abenteuer und ließ diesen Bericht, geschmückt mit seinen Bild in Druck erscheinen, der große Verbreitung fand.

Nach der allgemeinen bekannten Erzählung wurden Kolschitzky Verdienste auf originelle Art entlohnt. Als man in dem vom Feind verlassenen Lager 300 Säcke einer graugrünen Frucht fand, wusste man mit ihnen nichts anzufangen, und man überließ sie gerne Kolschitzky, der darum bat weil er von seinem Aufenthalt in der Türkei her ihren Zweck genau kannte (Kaffee war auch in Wien bereits bekannt, so ist bereit am 6. Juli 1668 eine Raize, Demeter Domasy, Kaffee aus Wien ausgeführt). Bald schenkt der Pole seinen ersten Kaffee in einem bescheiden laden in der Domgasse (alt Stadt 845, neu Domgasse 6) aus, übersiedelte aber, da er zu klein war, in das gegen die Schlossergasse ausmündende Lokal. Hier bediente der ehemalige Kundschafter seine Gäste in einer phantasierreichen Tracht und nicht selten sollen hier auch Graf Starhemberg und Prinz Eugen eingekehrt sein, so besagt das wenigstens die ausgeschmückte Kolschitzkylegende. Gustav Gugitz hat sich bemüht die Legende auf ihren wahren Kern zurückzuführen. Nach ihm befand sich Kolschitzkys erstes Kaffeehaus in dem an die Kantorei angebauten Haus Stadt 938 auf de Stephansfreithaus (das Haus wurde 1792 aufgrund der Regulierung des Stephansplatzes abgebrochen, von wo er auf die Brandstätte alte Stadt 628 übersiedelte. Anders lautenden Angaben kann kaum mehr kritisch nachgegangen werden. Es ist also nicht erwiesen, das Kolschitzky am Stock-im-Eisen-Platz 4 sein Kaffeehaus führte.

Die Speiseanstalt

Im selben Haus das ab 1700 das Schild "Zur blauen Flasche“ trug befand sich ab etwa 1800 eine Art Speiseanstalt, wo in zwei Zimmern täglich binnen drei Stunden 350 Menschen "abgefüttert" werden konnten. Für acht Kreuzer erhielt man Suppe, Rindfleisch mit einer Brühe, Grünspeis, Braten oder Eingemachtes. "Die Portionen sind groß, dass der einen gewaltigen Fressmagen haben müsste, welcher sich nicht vollkommen satt daran äße“ (Johann Pezzl: Beschreibung von Wien, S. 361). Die Teller waren aus Zinn, und das Brot lag gemeinschaftlich auf dem Tische, sodass jeder sich davon nach Belieben abschneiden konnte. Den größten Haufen an diesen Tischen machen die Livreeleute aus. Die Zehnkreuzertische wurden mit den gleichen Speisen bedient, doch war für sie ein besonderes Zimmer reserviert. Dort bekam jeder Gast eine weiße Kreuzersemmel dazu, ein eigenes Trinkglas und eine, wenn auch nicht immer reinne Serviette, während bei den Achtkreuzertischen das Wasser in einem zinnernen Becher in der Runde herumging. Auch die Gesellschaft dieser beiden Tafeln unterschied sich nicht unwesentlich voneinander. An den Zehnkreuzertafel sah man nach Pezzl Söhne der Musen, Diener des Altars, Kanzleimänner, Kadetten und so weiter.

Literatur

  • Karl Teply: Die erste armenische Kolonie in Wien. In: Wiener Geschichtsblätter. Nummer 28. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1973, S. 105 ff.
  • Karl Teply, Johannes Diodato: Der Patriarch der ersten Armenier in Wien. In: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Nummer 28. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1972, S. 31 ff.
  • Paul Harrer: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 1, 1. Teil (Wien 1951), S. 34, 35
  • Johann Pezzl: Beschreibung von Wien. 1806, S. 361