Zum weißen Rössel (1)

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Dom-Café im Haus Singerstraße 10, 1913
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1379
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Zum Einhorn, Zum weißen Einhorn, Zum weißen Einhorn vulgo steinernes Rössel, Zum steinernen Rössel
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Schön
Prominente Bewohner Johannes Cuspinian, Franz Lauer, Antonio Draghi
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  6.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname Singerstraße_10.jpg
Bildunterschrift  Dom-Café im Haus Singerstraße 10, 1913
Bildquelle Wienbibliothek im Rathaus,D-76617: Der Architekt, September 1913, Tafel 142
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Singerstraße10
1Liliengasse1

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt89718211862
Stadt85317951821
Stadt92917701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zum weißen Rössel (1, Singerstraße 10, Liliengasse 1; Konskriptionsnummer 897; "Cuspinianhaus").

Cuspinianhaus

Die erste urkundliche Erwähnung eines Hauses auf diesem Grundstück stammt aus dem Jahr 1379. Laut Czeike (Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien) kaufte 1503 der Gelehrte, Humanist und Geschichtsschreiber Dr. Johannes Cuspinian dieses Haus, das er bis zu seinem Tod besaß. Harrer (Paul Harrer: Wien, seine Häuser) hingegen gibt an, dass Cuspinian das Gebäude 1510 erworben habe, der Kaufbrief aber erst mit 18. September 1515 datiert sei. Fest steht aber, dass es im Jahr 1510 neu errichtet wurde. 1517 (oder davor) erwarb Cuspinian zur Abrundung seines Besitzes den hinten angrenzenden St. Pöltner Hof (Stadt 908; 1, Weihburggasse 9), und ließ, nachdem er ihn hatte abreißen lassen, einen zweistöckigen Neubau errichten. 1525 fiel dieser dem großen Stadtbrand zum Opfer, der vom Cillierhof ausgegangen war. Cuspinian ist einer der Gewährsmänner, die uns über diese Brandkatastrophe nähere Angaben überlieferten. Er erlitt selbst große Verluste an wertvollen Einrichtungsgegenständen. Einen Bericht an den Markgrafen von Brandenburg brach er mit folgenden Worten ab: "Woferne ich nicht mit meiner großen Bekümmernis also beschwert wäre, wollte ich Euren fürstlichen Gnaden mehr schreiben. Denn ich bin verprunnen [abgebrannt] und sind mir in meinem Haus, darin ich wohne, 6 Ziegeldächer und 9 Böden, 4 Stuben und 4 Kammern mit schönem Hausrat, wie E[uer] f[ürstlich] Gnaden gesehen, verbrannt, dazu in der Vorstadt ein Haus und Stadel mit meinem Zehent, so ich wohl 6000 fl. [ Gulden ] oder mehr Schaden empfangen habe in 3 oder 4 Stunden." In seinem Haus hatte die von Kaiser Maximilian I. gegründete und vom Kaiser geleitete Donaugesellschaft ihre Versammlungen abgehalten. Eine von drei angebrachten Mamortafeln zählte die Mitglieder der Gesellschaft auf, eine andere war Kaiser Maximilian I. gewidmet und die dritte nahm auf den Erbauer Bezug. Am 19. April 1529 ist Cuspinian in dem nach dem Brand wiedererrichteten Haus gestorben. Der Wolmuet-Plan (1547) zeigt die beiden Häuser Stadt 897 und 908 zu einer einzigen Realität verbaut.


Schildnamen

Ab 1565 ist der Schildname "Zum Einhorn" belegt, zwischen 1628 und 1687 "Zum weißen Einhorn", 1726 und 1777 "Zum weißen Einhorn vulgo steinernes Rössel", später nur noch "Zum steinernen Rössel". Offenbar leitete sich der Name von einer Steinskulptur über dem Haustor ab, die ein Einhorn darstellte, das aber wegen Verwitterung (Abbruch des Horns) später als Rössel (Pferd) gedeutet wurde. 1788 wurde am Haus stattdessen eine Pferdefigur aus Blei angebracht, die beim Hausabbruch (1911/1912) gemeinsam mit den drei Gedenktafeln von Dr. Albert Figdor erworben und 1913 dem Historischen Museum Wien (heute Wien Museum) übereignet wurde.


General Franz Freiherr von Lauer

Im Dezember 1800 fanden vor dem Haus große Demonstrationen gegen den General Franz Freiherr von Lauer (1735-1803) statt, der den ersten Stock bewohnte. Ihm wurde die Hauptschuld an der Niederlage bei Hohenlinde (3. Dezember 1800) zugeschrieben, die Erzherzog Johann, der jüngere Bruder des Kaisers, gegen Moreau erlitt. Als bekannt wurde, das der General nach Wien zurückgekehrt war, versammelten sich wütende Demonstranten vor dem Haus, die ihm laut drohten und Kot und Steine gegen das Haus warfen. Erst durch den Einsatz von Militärgewalt konnte der Aufruhr beendet werden.


Neubau 1912

1., Singerstraße 10-14, um 1940

1912 wurde das alte Gebäude abgetragen und durch das heutige Haus ersetzt, das auf einer Grundfläche von 561 Quadratmetern steht. Im Parterre war das "Dom-Café" untergebracht. Am 21. Mai 1935 wurde das Gebäude vom "Gegenseitigen Versicherungsverein für Montanwerke, Maschinen- und Metallfabriken" erworben, der es noch 1955 besaß. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs (April 1945) erlitt das Haus vier Granateinschläge am Dach, die jedoch schon im Herbst 1945 beseitigt waren, während die Mauer auch zu dieser Zeit noch viele Geschosseinschläge zeigte.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Dom-Café


Literatur

  • Richard Perger: Cuspiniana. In: Wiener Geschichtsblätter 26. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1971, S. 168 ff.
  • Cuspinians Wohnhaus in Wien. In: Wiener Geschichtsblätter 26. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1971, S. 169 ff.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 413
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 1. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 12-16