Zum schwarzen Mohren (Apotheke)

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Art der Organisation Sonstiges
Datum von 1350
Datum bis
Benannt nach
Prominente Personen
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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BezirkStraßeHausnummer
1Wipplingerstraße12

frühere Adressierung

BezirkStraßeHausnummerDatum vonDatum bis
1Tuchlauben2718851906
1Tuchlauben2516161640
1Hoher Markt616401650
1Graben13501410
1Hoher Markt616611840
1Graben1114101465
1Tuchlauben2718411883
1Graben714651587
1Tuchlauben2418831885
1Kärntner Straße1415921616
BezeichnungDatum vonDatum bis
Ad signum aethiopis15881589
Apud aethiopem nigrum1589
Ad insigne aethiopis1590
Zum schwarzen Aethiopen1595
Aethiopis15961606
Nigromantische Apotheke1616
Ad signum aethyopis1616
Zum (schwarzen) Mohren1616
Zum (schwarzen) Äthiopen1616
Beim Schwarzen Mohren1700
Schwarze Mohrenapotheke1701
Beim Mohren1768
Zu den drei Mohren1814
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Adresse: 1, Wipplingerstraße 12

Gründung: Mitte des 14. Jahrhunderts


Soweit beurteilbar ist die heutige Mohren-Apotheke die drittälteste noch bestehende Apotheke der Wiener Innenstadt. Hinsichtlich ihres uns seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert überlieferten Schildnamens bildet sie eine Ausnahme unter den Apotheken der Stadt, da sie als einzige nach einem Menschentypus benannt wurde, zu dem es jedoch keine erkennbare Beziehung gab. Neben der Alten Feldapotheke diente sie vor allem der Versorgung der Truppen mit Medikamenten.


Mittelalter

Die mittelalterliche Geschichte der Apotheke ist weitgehend unbekannt, da bis zur Spätrenaissance kein Schildname überliefert ist. Die ersten sicher nachweisbaren Besitzer des Betriebes sind Caspar Herman, genannt der Puchveler, und seiner Ehegattin Elsbeth, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Wien lebten und eine Apotheke betrieben.

Caspars Vater Hermann der Puchveler besaß das kleine Haus Konskriptionsnummer 390 in der Wipplingerstraße nächst der Ecke zum Hohen Markt. Die Apotheke war jedoch zunächst nicht an diesem Standort untergebracht, übersiedelte aber zu einem späteren Zeitpunkt an diese Straßenecke, allerdings auf ein größeres Grundstück. Beachtenswert ist jedoch, dass Hermanns Witwe Margarethe um 1420 den bereits zweimal verwitweten Apotheker Wolfgang Lengenauer (zeitgenössisch Lengenawer) heiratete, der schon 1410, also zur Zeit seiner ersten Ehe mit Dorothea, zur Hälfte jenes Haus am Graben besaß, das um 1364 in den Besitz des Apothekers Heinrich von Eßlingen und seiner Gattin Anna gekommen war (Konskriptionsnummer 1120, das ist Graben 11, Ecke Dorotheergasse) und aus dessen Nachlass es Wolfgang Lengenauer 1410 erwarb. Aus der Verbindung Lengenauers zu Heinrich (Kauf des Hauses, in dem er die Apotheke unterbrachte) lässt sich schließen, dass Heinrich, der sich keiner anderen damals bestehenden Apotheke zuordnen lässt, einer der frühesten Besitzer der später mit dem Schild "Zum schwarzen Mohren" bezeichneten Apotheke war.

Unter Lengenauer florierte die Apotheke und er konnte sein Vermögen beträchtlich vermehren. Er besaß Weingärten, dessen Anbauflächen die seiner Berufskollegen beachtlich an Größe überstiegen. Auch der Kaufmannsstand des Schwiegersohns, an den Lengenauer seinen Hausgenossenanteil weitergab, liefert einen Beweis für das Vermögen in der Familie. Als die Bürgerschaft von Herzog Albrecht V. unmissverständlich aufgefordert wurde, ihm ein "Darlehen" zu gewähren, leistete Lengenauer einen Beitrag mit dem für damalige Verhältnisse erheblichen Betrag von 40 Pfund Pfennig, ohne dass er daraus irgendeinen erkennbaren Nutzen gezogen hätte.

Caspar Herman, Stiefsohn von Lengenauer, wird 1443 Nachfolger der Apotheke. Er kaufte 1446 ein Haus am Graben, in das er möglicherweise die Apotheke verlegte. Er starb um 1454. Seine Witwe heiratete zunächst Jörg Werl und (nach dessen baldigem Ableben) in dritter Ehe 1457 Hanns Gebhart. Da beide keine Apotheker waren, kann vermutet werden, dass die Konzession in andere Hände kam.

Die nächsten zwei Besitzer sind nicht gesichert. Vermutlich ist von 1461 bis 1465 Mert Znaimer und mit ziemlicher Sicherheit der Apotheker Laurenz Taschendorfer von 1468 bis 1497/1498 Besitzer der Apotheke.

Als Kaufpreis wurden von Taschendorfer 630 Pfund Pfennig erlegt. Die Kaufsumme verdeutlicht den Wohlstand des Käufers ebenso wie die gute Lage des Hauses in einem der vornehmsten Viertel der Stadt. Taschendorfer muss nach dem 22. Mai 1497 und einige Zeit vor dem 13. Juli 1499 gestorben sein. Taschendorfers Tochter Barbara verkaufte Ulrich Kueckh (auch Kuck, Kuckh, Khueck) die Apotheke am Standort Graben 7/Seilergasse 4 (Konskriptionsnummer 1092), die er von 1499 bis 1530 besaß.


Frühe Neuzeit

Ulrich Kueckhs Tochter war mit dem Apotheker Andre Fetz (Fecz) verheiratet, der 1530 Eigentümer des Hauses samt Apotheke wurde. Nach ihrem Tod heirate er Katharina Lazius, die Schwester des angesehenen Humanisten, Arztes und Hofhistoriographen Wolfgang Lazius. Nach seinem Tod 1559 führte seine Witwe Katharina den Betrieb als Witwenbetrieb bis 1586 weiter.

Im ausgehenden 16. Jahrhundert wird der nicht aus Wien stammende Johann Heckheler als Besitzer der Apotheke genannt. Am 5. Dezember 1588 legte er die Prüfung ab, 1590 verkaufte er die Apotheke bereits wieder. Zur Zeit der Prüfung Heckhelers trug die Apotheke das Schild "Ad signum aethiopis". Heckheler hatte immer wieder mit den Doktores der medizinischen Fakultät Differenzen. Er verweigerte die Zahlung der Prüfungstaxe, weshalb ihm kein Zeugnis ausgefolgt wurde, und handelte sich außerdem den nachgewiesenen Vorwurf ein, Rezepte des am Kohlmarkt tätigen Bartscherers Andreas Ganazius akzeptiert zu haben. Ihm wurde auch vorgeworfen, er begünstige einen Juden und andere circumforanei (Herumstreuner?). Als er, vor die Fakultät zitiert, bei dieser erschien, gebärdete er sich widerspenstig und hochfahrend (ob contumaciam) und erklärte hochmütig, er könne den Eid weder leisten noch halten und er weigere sich auch weiterhin, das Prüfungsgeld zu bezahlen. Bevor die Fakultät eine Entscheidung traf, verkaufte Heckheler die Apotheke.

Als Besitzer der Apotheke "Ad signum aethiopis" folgte 1592 Johann (Joannes) Kiele. Als Schildbezeichnung wird in den nächsten Jahren (bis 1606) verkürzt "Aethiopis" angegeben, dazwischen von 1600 bis 1602 auch "Ad nigrum hominem".

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er die Witwe von Abraham Sangner, Besitzerin der "Blauen Apotheke", die den Betrieb als Witwenbetrieb führte. Durch die Heirat wurde er Besitzer dieser Apotheke und verkaufte 1602 die Mohren-Apotheke an Peter Pesster. Die Schildbezeichnung wird zu dieser Zeit mit "Ad nigrum hominem" angegeben. Pesster erbte von seinen Eltern das Haus Objekt Konskriptionsnummer 1049 (Kärntner Straße 14/Kupferschmiedgasse 1/Neuer Markt 1), das auch wahrscheinlicher Standort der Apotheke war. Er verstarb 1605.

Seine Witwe heiratete (jedenfalls noch 1605) in dritter Ehe den Apotheker August Bartholomäus Schlezer (Bartlme Schleczer) den Älteren, der am 28. August 1606 das Examen ablegte. 1612 kam er in den Besitz der Hirschen-Apotheke am Graben. Da ein Apotheker nicht zwei Betriebe leiten oder besitzen durfte, wurde die Mohren-Apotheke von Johann Georg Soldinus übernommen. Aufgrund von Schwierigkeiten mit der Fakultät beschloss diese, seine Apotheke mit 27. Februar 1614 zu sperren. Die Fakultät kritisierte die Zubereitung von Rezepten für auswärtige Ärzte sowie freches Verhalten gegenüber der Fakultät, zudem werden Verstöße gegen die Apothekerordnung und solche gegen das Fakultätsstatut genannt. Nach mehrmaligen Visitationen, die letzte verlief ohne Beanstandung, verkaufte Soldinus die Apotheke "Zum Äthiopen" 1615 an den aus Pressburg zugewanderten Provisor Volckmar Thillo. Standort war sein Haus Tuchlauben 25. 1631 verkaufte dieser die Apotheke.

Besitznachfolger in der Apothekengerechtigkeit wurde der Student Christoph(orus) Werner (Wehrner), der die 1631 gekaufte Apotheke nebst einem Kammerhandel betrieb. Nach seinem Tod 1651 führte seine Witwe Anna Maria Werner die Apotheke bis 1653 fort.

Am 28. Juli 1653 wurde der in der Apotheke als Gehilfe beschäftigte Daniel Müller senior geprüft. Er besaß das Haus Konskriptionsnummer 444, Tuchlauben 27/Schultergasse 2 (heute Teil des Areals Hoher Markt 6). Dies dürfte auch der Standort der Apotheke gewesen sein.

Im Jahr 1666 war Müller examinator, 1668 wurde er Regimentsapotheker der Stadtguardia, was normalerweise bedeutete, dass er den Stadtguardia-Angehörigen Preisnachlässe gewähren musste. Im Gegenzug konnte er mit höheren Umsätzen rechnen. In diesem Fall haben wir es jedoch mit einer Ausnahmesituation zu tun: Aus einer überlieferten Beschwerde gegen einen praktizierenden Arzt geht hervor, dass es nicht bloß zu einem Preisnachlass auf die abgegebenen Medikamente kam, sondern dass diese kostenlos abgegeben wurden. Da auszuschließen ist, dass der Apotheker die Medikamente auf eigene Kosten verschenkte, können wir davon ausgehen, dass es eine Vereinbarung gab, die eine Pauschalabgeltung der Dienste des Apothekers regelte (was eigentlich der frühen Form einer "Krankenversicherung" durch den Dienstgeber, in diesem Fall die Stadtverwaltung, entsprechen würde). Müller versorgte als Feld- und Stadtguardia-Apotheker die gesamte militärische Streitmacht in der seit dem 14. Juli von den Osmanen umschlossenen Stadt mit Medikamenten und Verbandszeug. Er verstarb 1683 an der Ruhr.

Nach seinem Tod führte seine Witwe Maria Elisabeth Müller, geboren Pieringer, die Apotheke bis 1689, danach von 1689–1700 ihr Sohn, Daniel Müller junior. Die Schildbezeichnung der Apotheke ist "Zum schwarzen Äthiopen". Nach seinem Tod heiratete die Witwe Eleonore den Apotheker "Zum goldenen Hirschen", Ignaz Greimoldt, der allerdings den Besitz seiner Apotheke nicht gegen die erheiratete Konzession eintauschen wollte.

Am 1. September 1700 verkaufte sie dem Apothekersohn Johann Josef Fetzer ihre beiden ererbten Häuser (die später unter der gemeinsamen Konskriptionsnummer 444 baulich vereinigt wurden) samt der Apotheke mit allem Zubehör zu einem nicht überlieferten Preis.

Fetzer verstarb am 3. Mai 1715 im 45. Lebensjahr an "hitzigem Fieber", einer oftmals aufscheinenden Todesursache (mit verschiedenen Deutungsmöglichkeiten).

1719 kommt die Apotheke schließlich an den niederösterreichischen Landschaftsapotheker Theodor Adolph Feichl (auch Feichel, Feigl, Veigl), den die Witwe Fetzers, Maria Anna, nachdem sie das Haus 1715 geerbt und die Apotheke einige Jahre als Witwenbetrieb weiter geführt hatte, geheiratet hatte. Feichl verstarb am 13. Jänner 1739. In dem am 14. Jänner präsentierten letzten Willen wurde der noch minderjährige Sohn Theodor Christoph zum Universalerben eingesetzt, womit dieser auch Eigentümer des Hauses Konskriptionsnummer 444 wurde. Das Testamentskodizill vom 12. Jänner enthielt im Wesentlichen die Bestimmung, dass der Apothekengeselle Joseph Ludwig Hemleben die Apotheke so lange leiten solle, bis des Erblassers Sohn sein Pharmaziestudium abgeschlossen habe.

Am 5. Dezember 1743 kaufte er die Apotheke von Theodor Christoph Feichl, Hemleben geriet aber in Zahlungsschwierigkeiten und musste schließlich am 4. Oktober 1748 die Apotheke an Feichl zurückverkaufen.

Mit Kaufvertrag vom 25. Jänner 1754 erwarb der damals 31-jährige Leopold Hasel senior (auch Häßl) die Apotheke um 21.000 Gulden. Das Haus behielt Theodor Christoph Feichl bis zu seinem Tod 1770. Der Umsatz und damit der Gewinn der Apotheke gingen in den nächsten Jahren merkbar zurück (durch die Einmietung in Feichls Haus stiegen natürlich auch die Spesen). Leopold Hasel senior verstarb am 14. Mai 1768 im 45. Lebensjahr an Lungenentzündung. Er galt als mittellos und hinterließ kein Testament.

Die Apotheke wurde von seiner Witwe Regina (geboren Dietl) unter der Leitung eines Provisors erst 1790 auf dem Erbweg an den 1756 geborenen Sohn Leopold Hasel junior übergeben. Sein Großvater Joseph Dietl, Bürger und Bäckermeister auf der Wieden, und Anton Lang übten als Kuratoren die Vormundschaft aus.

Hasel heiratete 1791 und verkaufte die Apotheke drei Jahre später mit Vertrag vom 20. Februar 1794 um 12.000 Gulden an den damals 34-jährigen Johann Nepomuk Gschladt (geboren 1760) und dessen erste Gattin Susanna. Der Konskriptionsbogen fixiert die Adresse Konskriptionsnummer 477 (ab 1821 Konskriptionsnummer 444, das entspricht in beiden Fällen dem 1841 neu erbauten Wohnhaus Tuchlauben 27, Ecke Schultergasse 2).


19. Jahrhundert

Am 9. Juli 1810 verkauften Gschladt und seine zweite Gattin Justina die Apotheke um 50.000 Gulden (der Wert entsprach infolge der damaligen hohen Inflation nicht dem scheinbar hohen Preis) an den (frühestens 1806, vermutlich jedoch später) aus Komorn/Komárom in Ungarn zugewanderten Johann Georg Pados (auch Bados, Badosch). Die Wohnungen im Haus Konskriptionsnummer 477 waren im Kaufpreis inbegriffen. Dass sich die Ertragslage der Apotheke weiterhin ungünstig entwickelte, ist daraus zu ersehen, dass die Landesstelle am 20. August 1813 den Normalwert der Apotheke mit nur noch 6.900 Gulden festlegte. Dieser Wertverlust kann nicht allein auf die Währungsreform zurückgeführt werden. Im Häuserschematismus von Anton Behsel (1829) ist das Apothekenhaus unter dem Schildnamen "Zum Mohren" verzeichnet.

1829 verkaufte Pados die Apotheke an Wenzel Dobry und seine Gattin Theresia. Diese verkauften die Apothekengerechtigkeit aber bereits nach wenigen Jahren an Eduard Brandmayer, dem der Magistrat mit Dekret vom 10. Juli 1837 die Betriebsbewilligung erteilte.

1841 wurde an der Stelle des alten Gebäudes durch Dr. Ignaz Leykauf, einen Augenarzt und Geburtshelfer, ein Neubau errichtet. Die Apotheke wurde in den Neubau Tuchlauben 27 übertragen und blieb im Haus eingemietet.

Am 1. November 1850 kaufte der diplomierte Pharmazeut Josef Weiss (Weis) die Apotheke. Der Magistrat erteilte ihm die Betriebsbewilligung mit Dekret vom 28. April 1851, allerdings mit dem Zusatz, er habe sich an die gewerblichen Vorschriften zu halten und eine allfällige Verpachtung vorher dem Magistrat anzuzeigen. Weiss inserierte im "Wiener Communal-Kalender" regelmäßig und großzügig die verschiedenartigsten Medikamente, Pflaster, Salben, Tinkturen, Pomaden, Essenzen, Elixiere und Pastillen sowie schmerzstillende und verdauungsfördernde Präparate, die offenbar sämtlich ohne ärztliche Verschreibung erhältlich waren. Außerdem warb er auch für reichlich kurios anmutende Erzeugnisse, wie ein "augenblicklich schmerzstillendes Zahnwehwasser", einen "mineralisch-vegetabilischen Zahn-Cement zur Selbstplombierung (sic!) hohler Zähne", ein "Cachou Aromatisé" zur Beseitigung üblen Mundgeruchs („unentbehrlich bei dem Besuche feinerer Gesellschaften, der Theater, Bälle, Salons usw.“). Weiters bot er pflanzliche Heilmittel wie einen "Gehör-Liquor" aus reinem Pflanzensaft oder ein Nussschalen-Chinarindenöl an. "Englische Zahnperlen" zum Umhängen, damit Kinder "die Zähne leichter und schmerzloser erhalten", fehlten nicht im reichhaltigen Angebot. Josef Weiss verstarb am 5. März 1877.

Von 1877 – 1898 wurde die Apotheke als Witwen- beziehungsweise Erbenbetrieb geführt. Den Erben Carl Weiss, Maria Schäfer und den minderjährigen Kindern Luise, Hermine und Friedrich wurde der Fortbetrieb der Apotheke unter Leitung des Provisors Viktor Schäfer mit Dekret vom 7. September 1884 gestattet. Mitte der 1890er Jahre überschrieben die inzwischen erwachsenen Kinder ihre Anteile an Carl Weiss und Maria Schäfer, welche die Apotheke fortan allein betrieben.

Der Umbau des Hauses Konskriptionsnummer 444 (Tuchlauben 27), das 1880 in den Besitz von Eduard und Heinrich Schmidt gekommen war, machte einen vorübergehenden Standortwechsel erforderlich. Die Apotheke wurde mit Bewilligung des Magistrats vom 24. Mai 1883 in das Ausweichquartier Tuchlauben 24 verlegt. Nach dem am 9. Juli 1885 abgehaltenen Lokalaugenschein der im Neubau Tuchlauben 27 angemieteten Lokalitäten erfolgte am 1. August 1885 die Übersiedlung auf den früheren Standort.


20. Jahrhundert

Als Maria Schäfer ihre Apothekenhälfte 1898 verkaufte, erfolgte mit Magistratsdekret vom 29. November 1898 die Anschreibung des Mag. pharm. Franz Zipperer und dessen Gattin Aloisia als Eigentümer zu je einem Viertel. Die Leitung der Apotheke übernahm Zipperer, jedoch nur für kurze Zeit. Bereits 1900 verkauften die drei Eigentümer die Apotheke an Mag. pharm. Ludwig Werner.

Die Übergabe erfolgte am 1. Juli 1900, zum Leiter wurde Mag. pharm. Alexander Taussig bestellt. Als Werner bereits nach zwei Monaten, am 1. September 1900, überraschend verstarb (er stand erst im 25. Lebensjahr), betrieben die Erben die Apotheke unter der Leitung Taussigs zwar weiter, sahen sich jedoch nach einem Käufer um, den sie alsbald auch fanden.

Am 1. Jänner 1901 übernahm Mag. pharm. Maximilian Korwill die Apotheke. Er wurde am 20. April 1901 im "Vormerkbuch der verkäuflichen Apothekengewerbe" angeschrieben. Provisor Taussig führte den Betrieb zunächst weiter.

Nachdem Korwill 1903 die Leitung der Apotheke selbst übernommen hatte, erhielt er am 21. Juli 1906 die Bewilligung der Niederösterreichischen Statthalterei, diese an einen anderen Standort zu verlegen. Die Eröffnung im Haus Wipplingerstraße 12 erfolgte am 15. Oktober 1906. Am 19. Juli 1919 ließ Korwill den Normalwert der Apotheke amtlich feststellen: er betrug 5.796 Kronen. Am 1. November 1935 verstarb Korwill.

Die Apotheke gelangte aus der Verlassenschaft an die beiden Töchter Mag. pharm. Gertrud Saphir und Edith Solka. Am 26. April 1938 trat Mag. pharm. Frieda Kahls erstmals als Pächterin der Apotheke in Erscheinung. Mit "Abtretungserklärung" der rechtmäßigen Eigentümer vom 10. Oktober 1938 wurde die Arisierung der Apotheke durchgeführt. Neue Eigentümer waren ab 29. Juli 1938 je zur Hälfte Mag. pharm. Frieda Kahls und Mag. pharm. Anton Datz, die am 26. Oktober 1940 heirateten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm Mag. pharm. Franz Foldina die treuhändige Führung für Rechnung des zukünftigen Besitzers. Er wurde am 27. Jänner 1948 durch Mag. pharm. Hugo Pokorny ersetzt. Inzwischen war die öffentliche Verwaltung der Apotheke mit 22. August 1945 an Edith Röder (geboren Korwill, geschieden Solka) übertragen worden. Am 26. November 1948 erfolgte die Aufhebung der öffentlichen Verwaltung und die Übergabe der Apotheke an Edith Röder und Mag. pharm Gertrude Saphir (Chicago, USA).

Am 16. Dezember 1948 folgte die Löschung der Eigentümer Kahls-Datz und die Anschreibung der wiedereingesetzten ursprünglichen Besitzer. Zwei Tage danach, am 18. Dezember 1948, übernahm Mag. pharm. Margarethe Ornezeder die Leitung der Apotheke, am 1. Juni 1953 folgte ihr Mag. pharm. Dr. Paul Kurmany, am 1. Dezember 1954 Mag. pharm. Walter Blabensteiner und am 1. Februar 1955 neuerlich Mag. pharm. Margarethe Ornezeder nach.

Im Jahr 2000 schien als Inhaber der Apotheke die Mag. pharm. S. Friedrich KG auf, Konzessionärin war Mag. pharm. Sylvia Friedrich.


Besitzerliste

  • um 1350–1404 Heinrich von Eßlingen
  • 1405–1410 Lienhart Imperger
  • 1410–1442 Wolfgang Lengenauer
  • 1443–um 1454 Caspar Herman, † um 1454
  • um 1454–1461 unbekannt
  • 1461–1465 Mert Znaimer (?)
  • … 1468–1497/1498 Laurenz Taschendorfer, † um 1497/1498
  • 1499–1530 Ulrich Kueckh, † 10. März 1530
  • 1530(?)–1559 Andre Fetz (Übernahme als Schwiegersohn), † 1559
  • 1559–1586 Katharina Fetz, geboren Lazius (Witwenbetrieb)
  • 1588–1590 Johann Heckheler (Kauf aus der Verlassenschaft)
  • 1592–1602 Johann Kiele (Kauf; 1602–1610 durch Heirat Besitzer der "Blauen Apotheke"), † 24. Juni 1610
  • 1602–1605 Peter Pesster (Kauf), † 1605
  • 1605–1612 Bartholomäus Schlezer senior (Heirat der Witwe Regina Pesster; 1612–1639 Apotheker "Zum goldenen Hirschen"), * um 1575/1580, † zwischen 31. Mai und 16. August 1639
  • 1612–1615 Johann Georg Soldinus (danach Hofdienst im Ausland)
  • 1615–1631 Volckmar Thillo (Kauf; 1631–1639 Apotheker "Zum schwarzen Elefanten")
  • 1631–1651 Christoph Werner (Kauf), † 29. Juni 1651
  • 1651–1653 Anna Maria Werner (Witwenbetrieb)
  • 1653–1683 Daniel Müller senior (Kauf), † 11. August 1683
  • 1683–1689 Maria Elisabeth Müller, geboren Pieringer (Witwenbetrieb)
  • 1689–1700 Daniel Müller junior (Sohn als Erbe), * 1666, † 9. Februar 1700
  • 1700 Eleonore Müller (Witwe als Erbin; nochmals verheiratet mit Ignaz Greimoldt, Apotheker "Zum goldenen Hirschen")
  • 1700–1715 Johann Josef Fetzer (Kauf), * um 1670, † 3. Mai 1715
  • 1715 – um 1719 Maria Anna Fetzer, geboren Vorreiter (Witwenbetrieb), † 28.April 1733
  • um 1719–1739 Theodor Adolph Feichl (Heirat der Witwe Maria Anna), * 1681, † 13. Jänner 1739
  • 1739–1743 Theodor Christoph Feichl, Sohn aus dieser Ehe, Provisor: Joseph Ludwig Hemleben
  • 1743–1748 Joseph Ludwig Hemleben (Kauf)
  • 1748–1754 Theodor Christoph Feichl (Rückkauf), † 1770
  • 1754–1768 Leopold Hasel senior (Kauf), * 1723, † 14. Mai 1768
  • 1768–1790 Regina Hasel (Witwenbetrieb)
  • 1790–1794 Leopold Hasel junior (Erbe), * 1756
  • 1794–1810 Johann Nepomuk Gschladt (Gattin Justina; Kauf), * 1760
  • 1810–1829 Johann Georg Pados (Kauf), * 1769
  • 1829–1837 Wenzel Dobry (Kauf)
  • 1837–1850 Eduard Brandmayer (Kauf)
  • 1850–1877 Josef Weiss (Kauf), † 1877
  • 1877–1898 Witwen- beziehungsweise Erbenbetrieb
  • 1898–1900 Franz Zipperer (und Mitbesitzer; Kauf)
  • 1900–1901 Ludwig Werner beziehungsweise Erbenbetrieb (Kauf)
  • 1901–1935 Maximilian Korwill (Kauf)
  • 1935–1938 Erbenbetrieb
  • 1938 Arisierung durch die nationalsozialistische Stadtverwaltung
  • 1945–1948 Öffentliche Verwaltung der Republik Österreich (Rückstellungsverfahren)
  • 1948–? Rückstellung
  • … 2000 … Inhaber Mag. pharm. S. Friedrich KG, Konzessionärin Mag. pharm. Sylvia Friedrich


Standorte

  • um 1350(?)–1410 Graben ("in valle lactis", neben dem Ellerbachschen Haus)
  • 1410 – mindestens 1465 (nicht gesichert) Graben 11/Dorotheergasse 2 (Konskriptionsnummer 1120/1186/1150)
  • frühestens 1465 – mindestens 1587 Graben 7/Seilergasse 4 (Konskriptionsnummer 1092/1158/1119)
  • 1592–1616 Kärntner Straße 14/Kupferschmiedgasse 1/Neuer Markt 1 (Konskriptionsnummer 1049/1113/1079)
  • 1616 – mindestens 1640 Tuchlauben 25 (Konskriptionsnummer 265/432/399)
  • 1640 – um 1650 (Pacht) Schultergasse 2/Hoher Markt 6/Wipplingerstraße 1 (Teil C–D; Konskriptionsnummer 444/477/281)
  • 1661 – um 1840 (Ausweichquartier um 1840?)Schultergasse 2/Hoher Markt 6/Wipplingerstraße 1 (Konskriptionsnummer 444/477/281, Teil A; entspricht der späteren Adresse Tuchlauben 27)
  • 1841–1883 Tuchlauben 27/Schultergasse 2 (im Neubau)
  • 1883–1885 (Ausweichquartier wegen neuerlichen Neubaus des Hauses Tuchlauben 27/Schultergasse 2) Tuchlauben 24
  • 1885–1906 Tuchlauben 27/Schultergasse 2 (im Neubau)
  • seit 15. Oktober 1906 Wipplingerstraße 12


Apothekenschild

  • … 1588/1589 "Ad signum aethiopis"
  • 1589 "Apud aethiopem nigrum"
  • 1590 … "Ad insigne aethiopis"
  • 1595 "Zum schwarzen Aethiopen"
  • 1596 … 1606 "Aethiopis" (zwischenzeitlich auch: "Ad nigrum hominem", 1600, 1601 und 1602)
  • seit 1616 "Zum (schwarzen) Äthiopen" beziehungsweise "Zum (schwarzen) Mohren" (und ähnliche Benennungen: "Ad signum aethyopis", 1616; "Nigromantische Apotheke", 1684; "Beim Schwarzen Mohren", 1700; "Schwarze Mohrenapotheke", 1701; "Beim Mohren", 1768; "Zu den drei Mohren", 1814)


Literatur

  • Felix Czeike: Geschichte der Wiener Apotheken, Die Apotheken im heutigen ersten Wiener Gemeindebezirk. Innsbruck: Studienverlag. Band 50, 2010, S. 127-183
  • Felix Czeike: Die Apotheke "Zum schwarzen Mohren", in: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien. Band 28. 1973), S. 7
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 6, S. 283 f.
  • Leopold Hochberger / Joseph Noggler: Geschichte der Wiener Apotheken. Wien: Verlag des Wiener Apotheker-Hauptgremiums 1917-1919, S. 13 ff.