Zum schwarzen Kameel

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1455
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Julius Mayreder
Prominente Bewohner Friedrich August Kanne
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtBognergasse5

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt34017951821
Stadt22317701795
Stadt31218211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zum schwarzen Kameel, (1, Bognergasse 5, Teil; Konskriptionsnummer 312), Hausschild.

Hier standen ursprünglich zwei Gebäude: Ein Haus war schon ab dem zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts im Besitz von Bognern und gehörte 1455 dem Bogner Erhart Fütterer von Retz und 1458 dem Bogner Stefan Leyser. Auch das andere Haus gehörte Bognern. Seine erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1456. Im Jahr 1527 erwarb Maler Hanns Gruntmann beide Häuser. Sein Besitznachfolger ließ die beiden vor 1539 zu einem verbauen, das 1619 in den Besitz des Handelsmannes Johann Baptist Cameel kam, der (aus seiner Vaterstadt Brünn nach Wien gekommen) hier eine Gewürzkrämerei einrichtete. Sein Geschäft benannte er "Zum schwarzen Kameel" und gab später auch dem Haus ein gleichlautendes Schild. Da Cameel große Schulden hinterließ, wurde das Gebäude gemeinsam mit seinen beiden anderen Häusern Stadt 307 und 311 (beide gingen im Haus Bognergasse 5 auf) 1640 öffentlich versteigert und vom Handelsmann Andre Getto erworben, der auch das Haus Stadt 320 (Hallweilsches Haus; Am Hof 3, Teil) besaß. Danach hatten die drei Gebäude jedoch wieder unterschiedliche Besitzer.

Anfang 19. Jahrhundert wurde der zu einer Weinstube erweiterte Laden (Wein- und Delikatessenhandlung) von der besseren Gesellschaft Wiens gern aufgesucht und war vor allem als Frühstücksstube stadtbekannt. Beethoven war ein häufiger Gast, der bei der damaligen Besitzerin, Frau Stiebitz, Wein, Zucker und Kaffee kaufte. Im oberen Stockwerk des Hauses wohnte Anfang der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts der Dichter und Komponist Friedrich August Kanne. Zu dieser Zeit gehörte das Gebäude dem k.k. Hauptmann Franz Galle, der laut einer Gedenkschrift (F. J. Stiebitz: Gedenkschrift anläßlich der Demolierung des alten Kameelhauses in der Bognergasse. 1901) das erste Opfer der 1830 in Wien grassierenden Cholera geworden und binnen drei Stunden gestorben sein soll.

Zwischen 1828 und 1882 gibt es unterschiedliche Angaben zu diesem Haus: Laut Czeike (Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien) waren Haus und Weinstube 1828 im Besitz von Joseph Stiebitz († 1852), der das angrenzende Haus "Zu den drei Tirolern" (Stadt 313; heute ebenfalls Bognergasse 5) dazukaufen musste, um dessen Parterrelokal zur Erweiterung seines florierenden Geschäfts zu benützen. 1882 war sein Enkel (Franz) Josef Stiebitz Besitzer.

Harrer (Paul Harrer: Wien, seine Häuser) hingegen gibt an, dass das Haus nach Galles Tod auf drei Erben aufgeteilt wurde. Die Wein- und Delikatessenhandlung gehörte jedoch seit Mai 1818 Joseph Stiebitz und zwei Mitbesitzern und ab 1823 Joseph Stiebitz allein. Der zu zahlende Zins für Lokal, Kellereien und Wohnung betrug im Jahr 1824 6.500 Gulden, was für die damalige Zeit ein sehr hoher Betrag war. 1835 (nach der bereits erwähnten Gedenkschrift 1828) kaufte Stiebitz das Nachbarhaus Stadt 313 ("Zu den drei Tirolern" oder "Zu den drei Schweizern"), um sein Geschäft zu erweitern. Joseph Stiebitz machte sich auch einen Namen als "Armenvater der Stadt". Neben anderen Stiftungen unterstützte er vor allem das noch sehr junge Handlungskrankeninstitut "Confraternität", für dessen Kapelle er einen Großteil der Ausschmückung spendete. 1830 wurde er zum Generalvorstand des bürgerlichen Handelsstandes ernannt. Er gehörte außerdem zu den ersten Mitgliedern der Gesellschaft der Musikfreunde. Alle Teile des Hauses Stadt 312 (jedoch ohne die Besitzrechte am Geschäft) kamen laut einem Erbschaftsvertrag vom 2. Mai 1842 zusammen mit dem Haus Stadt 307 in eine Hand. Am 31. Oktober 1848 wurde das Haus von zwei Kartätschenkugeln getroffen, die durch einen mit Eisen beschlagenen Balkon in den hinteren Teil der Weinstube eindrangen und erst Jahre danach bei einer Adaptierung gefunden wurden. Als die Truppen in die Stadt einzogen, durfte sich niemand auf den Straßen oder hinter den Fenstern zeigen. Ein Dienstmädchen missachtete jedoch dieses Verbot und sah aus dem Fenster dieses Hauses, worauf es durch einen Flintenschuss vor den Augen der neunzehnjährigen Rosa Stiebitz, der Gattin von Alois Stiebitz (Sohn von Joseph Stiebitz), getötet wurde. Rosa und Alois Stiebitz führten im Haus regelmäßige Musikabende ein, bei denen die bedeutensten Künstler der damaligen Zeit oft und gern gesehene Gäste waren. Zwischen 1842 und 1882 wurden die beiden Häuser 307 und 312 zu einem verbaut, das 1882 von Franz Josef Stiebitz erworben wurde, der bereits das Haus Stadt 313 besaß.

1901 wurde das Haus samt den Nachbarhäusern Stadt 313 und 314 durch einen Neubau nach Plänen von Julius Mayreder ersetzt, in dem wieder die Wein- und Delikatessenhandlung "Zum schwarzen Kameel" untergebracht wurde. Es stand noch bis 1951 im Besitz der Familie Stiebitz und wurde in diesem Jahr an die Erste österreichische Sparkasse verkauft.

Aus der Familie des Johann Baptist Cameel entsproß der gelehrte Missionar und Botaniker P. Georg Josef Cameel (Camelius), nach dem Linné eine von ihm auf den Philippinen entdeckte Blume "Kamelie" benannte.

Siehe auch: Bognergasse 5.


Abhängigkeit der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber

Die Arbeitnehmer in der Wein- und Delikatessenhandlung "Zum schwarzen Kameel" hatten 1818 als Angestellte Konten bei ihrem Chef, auf die ihr Gehalt monatlich gut gebucht wurde. Nach damaligem Brauch wurde kein Bargeld ausgestellt. Nur wenn man motivieren konnte, dass man aus einem besonderen Anlass Bargeld brauchte, wurde ausbezahlt. Der Chef beteiligte sich ab und zu bei den Ankäufen. Der Sparsinn der Angestellten wurde derart gefördert, dass sich manche nach 10 oder 20 Jahren mit dem gesparten Geld selbständig machen konnten. Selbst die Eheerlaubnis hatte den Chef zu erteilen. Das Untertänigheitsverhältnis der Angestellten wurde dadurch betont, dass sie in ihren Kontrakten "Individuen" genannt wurden, auch wenn sie sich in "gehobener Stellung" befunden.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Gewürzkrämerei "Zum schwarzen Kameel"
  • Wein- und Delikatessenhandlung "Zum schwarzen Kameel"


Literatur

  • Ludwig van Beethoven: Konversationshefte. 1924, 1. Halbband, S. 359, S. 374, S. 383, S. 394, S. 409, S. 422
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 369
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 321-326
  • Albert Ilg: Das schwarze Kameel. 1889
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 407 f.
  • F. J. Stiebitz: Gedenkschrift anläßlich der Demolierung des alten Kameelhauses in der Bognergasse. 1901
  • Neues Wiener Tagblatt, 01.11.1901 und 03.11.1901