Zum roten Kreuz (1, Domgasse)

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1., Domgasse 8-10, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1913
Jahr bis
Andere Bezeichnung Zum grünen Kreuz
Frühere Bezeichnung Zum roten Kranz, Zum grünen Kranz
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Julius Nell
Prominente Bewohner Georg Franz Koltschitzky
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Wolfgang Wirsig: Wiener Hofnamen, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
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Bildname Domgasse8-10.jpg
Bildunterschrift  1., Domgasse 8-10, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Domgasse8

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt84418211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zum roten Kreuz (1, Domgasse 8; Konskriptionsnummer 844).

Wahrzeichen an dem Hause "zum rothen Kreuz" in der Domgasse.

Hier stand ursprünglich ein schmales, langgestrecktes Haus, das mit seiner Rückfront in eine von der Grünangergasse ausgehende Sackgasse reichte (die keinen Namen trug). Später wurde es in ein Vorder- und ein Hinterhaus mit den Hausschildern "Zum roten Kreuz" (auch "Zum roten Kranz") beziehungsweise "Zum grünen Kreuz" (auch "Zum grünen Kranz") geteilt. Aus der Frühzeit dieser Gebäude liegen keine gesicherten Daten vor, in den Hofquartierbüchern zwischen 1563 und 1587 ist ein einstöckiges Benefiziatenhaus mit dem Namen "zum roten Khreucz" verzeichnet. Einem Dokument aus dem Jahr 1683 ist zu entnehmen, dass 1563 das Vorderhaus der Stiftung ("Stephan Litherisches Stifft, zum rothen Creutz") gehörte, das Hinterhaus ("zum grienen Creuz. Ain Haus vor zeiten der hintere Theill von dem Rothen Creutz in die Sackgasse" aber im Eigentum der Stadt Wien stand. Die genannte Stiftung ging vermutlich auf Stephan Leithner zurück, von dem viele Vermächtnisse bekannt sind. Er war 1365 herzoglicher Münzanwalt, zwischen 1366 und 1396 wiederholt Ratsherr, 1377/1378 Stadtkämmerer, nebenbei Spitalsmeister und 1374/1376 Einnehmer der Rossmaut. Das Gebäude wäre demnach um 1400 gestiftet worden. Wann das hintere Haus in Gemeindebesitz kam, ist nicht mehr nachvollziehbar.

Am 20. Februar 1694 starb hier (wahrscheinlich im Hinterhaus) Georg Koltschitzky, der das Gebäude jedoch nur in Bestand gehabt haben dürfte, da es bis 1698 der Gemeinde Wien gehörte. Es handelt sich demnach nicht um jenes Haus, das Koltschitzky von der Stadt geschenkt wurde (siehe auch Domgasse 6). Auch die Behauptung, er habe hier das erste Kaffeehaus eröffnet, ist falsch (Kaffeehaus).

Im Jahr 1698 kamen beide Gebäude in Privatbesitz. Am 9. Dezember 1761 kauften diese Matthias Gerl und seine Gattin Katharina, denen auch das in diesem Jahr neuerrichtete Nachbarhaus Stadt 845 ("Kleiner Bischofshof", Domgasse 6) gehörte. Danach hatten die Gebäude für fast hundert Jahre jeweils dieselben Besitzer.

Das heutige Haus entstand 1913/1914 nach Plänen von Julius Nell und steht auf verkleinerter Grundfläche (215 statt 235 Quadratmeter). Aufgrund des Reichsbürgergesetzes vom 1. Dezember 1941 wurde das Gebäude der Reichsfinanzverwaltung des Deutschen Reiches zugesprochen. Durch einen Bescheid der Finanzlandesdirektion vom 16. April 1947 erhielt es der vormalige Besitzer, Dr. Max Ostermann, wieder zurück.

Im Zweiten Weltkrieg entstanden nur einige Glasschäden durch Splitter der in der Nähe explodierten Bomben (8. April 1945).

Literatur

  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 49
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 75
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 36
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 376
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 4, 3. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 609-611