Zum roten Igel

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Wildpretmarkt 1 - Haus zum Roten Igel, 1904/05
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1385
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  6.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname HMW 030321.jpg
Bildunterschrift  Wildpretmarkt 1 - Haus zum Roten Igel, 1904/05
Bildquelle HMW 30321, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Wildpretmarkt1
1Tuchlauben12
1Brandstätte8-10

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt59817951821
Stadt131817951821
Stadt57217701795
Stadt55818211862
Stadt55018211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zum roten Igel, (1, Tuchlauben 12, Brandstätte 8-10, Wildpretmarkt 1, Konskriptionsnummer 558; ab der Hausteilung 1811 blieb das Hausschild auf das Gebäude mit der Konskriptionsnummer 550 [ Wildpretmarkt 1 ] beschränkt).

Vor 1885

Hier stand einst ein Durchhaus, das vom Neuen Kienmarkt (Kammerhof beziehungsweise Wildpretmarkt) zu den Tuchlauben reichte und dessen Besitzer ab 1385 bekannt sind (Hausschild erstmals 1563 erwähnt [Hofquartierbuch]). Unter den Besitzern findet man ab 1689 Ferdinand von Raidegg (1669-1699 Kirchmeister von St. Stephan und 1702-1715 Mitglied des Inneren Rats). In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war das Haus im Besitz des niederösterreichischen Regierungssekretärs Johann Pistory, 1683 kam es an dessen Erben, von diesem an den kaiserlichen Stadt- und Landgerichtsbeisitzer Ferdinand von Raidegg und 1790 schließlich an Marie Gußmann. Ab 1721 befand sich im Haus die Redaktion des ab 1703 erscheinenden "Wienerischen Diariums" (siehe Wiener Zeitung). 1811 wurde das Gebäude besitzrechtlich in zwei Teile getrennt, wobei die Bedingung gestellt wurde, dass der Durchgang Tuchlauben/Wildpretmarkt erhalten bleiben müsse.

Im Parterre und im ersten Stock des Hauses war im 19. Jahrhundert das berühmte (1838 von Wirt Kohlbauer begründete und nur von der feinsten Gesellschaft besuchte) gleichnamige Gasthaus untergebracht, im zweiten Stock befanden sich die ausgedehnten Ateliers des Hofbuchbinders Leopold Groner (dessen Ahnen schon im 16. und 17. Jahrhundert Verleger, Buchdrucker und Buchbinder gewesen waren). Ab 1804 bestand im Haus auch die exquisite ungarische Weinstube des Äußeren Rats und Hauptmanns des Bürgerschützenkorps Johann Georg Hammer († 1812), der die Bemalung der Hausfassade mit einem roten Igel veranlasste (Eipeldauer-Briefe, 1815, Heft 12, S. 54 f.). Der gegen die Tuchlauben zu liegende Teil des Durchhauses kam von Marie Gußmann 1820 an Franz Xaver Graf Kolowrat, der das Haus 1829 der "Gesellschaft der Musikfreunde" verkaufte (die es 1829/1830 durch Architeckt Lössl für ihre Zwecke umbauen ließ [Weihe am 6. September 1830 mit Aufführung von Mozarts Tedeum, Köchel-Verzeichnis 141] und bis zur Übersiedlung in den Neubau am Karlsplatz [1870] benützte [Eröffnung des Konzertsaals am 4. November 1831 mit dem Tedeum von J. N. Hummel]). Die einstige Weinstube wandelte sich 1838 zu einem Nobelrestaurant, in welchem prominente Schriftsteller, wie Ludwig August Frankl, verkehrten. 1848 war in den revolutionären Oktobertagen neben dem Gasthof "Zur goldenen Ente" der "Rote Igel" bevorzugter Treffpunkt Radikaler, wie Alfred Becher, Robert Blum und Julius Fröbel. In den 1850er Jahren trafen sich hier die Reichsratsabgeordneten aus Böhmen. 1870-1875 befand sich im Haus das Strampfertheater.

1885

1885 ließ der damalige Eigentümer anstelle des Hausteils Stadt 558 (Tuchlauben 12) den Mattonihof errichten, der an den Hoftrakt des Hauses Stadt 550 (Wildpretmarkt 1) am Wildpretmarkt (das weiterhin das Schild "Zum roten Igel" führte) angebaut wurde. Damit wurde allerdings die jahrhundertelang bestandene Verbindung Tuchlauben-Wildpretmarkt unterbrochen.

1905

Wohnhaus (1, Brandstätte 10, Wildpretmarkt 1), errichtet 1905/1906 nach Plänen von Carl Riess (überformt von Max Fabiani) für Marie Weber. Ein Relief aus glasierten Platten stellt das alte Haus "Zum roten Igel" dar. Die Fassade wurde im übrigen nach dem Zweiten Weltkrieg vereinfacht (Stuckarbeiten im Hausflur geben einen Eindruck vom ursprünglichen Fassadendekor). Die Gaststätte "Zum roten Igel" fand im Neubau keinen Platz mehr.

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Redaktion des Wienerischen Diariums
  • Gasthof "Zum roten Igel"
  • Ungarische Weinstube
  • Ateliers des Hofbuchbinders Leopold Groner

Literatur

  • Hans Pemmer: Alt-Wiener Gast- und Vergnügungsstätten. Wiener Stadt- und Landesarchiv, Handbuch B: 1372 ), S. 116 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 320 ff. (Tuchlauben 12) und 751 ff. (Wildpretmarkt 1)
  • Perger-Hirschfeld: Geschichte der Musikfreunde in Wien. 1912 (1), S. 29
  • Billroth und Brahms im Briefwechsel 1935 (108), S. 361 f., S. 392
  • Robert Maria Prosei: Die Hellmesberger. 1947, S. 13 ff.
  • Franz Gräffer. In: Denkwürdigkeiten aus Alt-Österreich 13, S. 325
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 363 f.
  • W. G. Dunder: Denkschrift über die Wiener October-Revolution (1859). S. 842 ff.
  • Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer. Band 3/1: Wien. 1.-12. Bezirk. Salzburg: Residenz-Verlag 1990, S. 55