Zum großen Jordan

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1., Judenplatz 1-2, Kurrentgasse 12, um 1940
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1421
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Zum geizigen Schlüssel, Zum goldenen Schlüssel
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Antonio Galli-Bibiena
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  28.01.2017 durch DYN\krabina
Export RDF-Export (Resource Description Framework) RDF
Bildname Judenplatz1-2.jpg
Bildunterschrift  1., Judenplatz 1-2, Kurrentgasse 12, um 1940
Bildquelle WStLA, Fotosammlung Stadtplanung, Reiffenstein
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtJudenplatz2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt40418211862
Stadt43717951821
Stadt27017701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zum großen Jordan, (1, Judenplatz 2; Konskriptionsnummer 404).

Basisrelief

Dieses Gebäude ist heute das älteste Haus am Judenplatz. Es wird in einer der ältesten jüdischen Sagen Wiens erwähnt. Demnach soll hier ein Arzt gewohnt haben, der krankhaft geizig war und sogar seine nächsten Verwandten hungern ließ. Daher wurde das Haus "Zum geizigen Schlüssel" genannt. Nachdem er auf merkwürdige Art von seinem Geiz geheilt worden war, beschenkte er jeden Armen, der das Haus betrat. In der Folge wurde es "Zum goldenen Schlüssel" genannt.

Vor 1421 hatte das Haus dem Juden Hocz gehört und war im Verlauf der Geserah von Herzog Albrecht V. konfisziert worden. In der Folge sind verschiedene Wiener Bürger als Besitzer bezeugt. 1463 kaufte der Stadtschreiber Ulrich Griessenpeck das Haus. Er hinterließ es 1467 seiner Witwe Anna (nachmaliger Gatte Hans Hueber), von der das Haus über ihre Kinder 1482 an den Stadtschreiber Veit Griessenpeck kam. Über dessen Bruder Stefan (Pfarrer zu Straßwalchen), der das Haus 1488 erbte, kam es von dessen Erben 1491 an Georg (Jörg) Jordan, der es vermutlich 1497 neu erbauen ließ.

Aus diesem Jahr soll ein [verschollenes] Schild mit seinem Namen und Wappen sowie das [noch erhaltene] Relief stammen, das die Taufe Christi im Jordan zeigt [Anspielung auf den Namen des Besitzers] und eine antisemitische Inschrift aufweist, die sich auf die Vertreibung der Juden aus Wien [1421] bezieht [eine wohl ältere, kürzere Inschrift zum selben Thema ist verschollen]. Laut Harrer (Paul Harrer: Wien, seine Häuser) stammt das Relief jedoch aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Jordan († 1517) wurde von seinen Söhnen Dr. med. Leopold Jordan († 1540) und Hans Jordan († 1566) beerbt. 1566 wurde das Gebäude von der Stadt Wien erworben. Laut lokalem Schrifttum hatten es 1560 die Jesuiten gekauft, die es 1564 neu erbauen ließen (dreistöckig) und 1565 vom großteils protestantischen Magistrat aus dem Haus vertrieben wurden. Es soll jedoch wieder zurückgegeben und der Stadt freiwillig verkauft worden sein. Nach einer anderen Quelle wurden 1563 die Kollegialien und 1565 das Konvikt der Jesuiten wegen einer Seuche hierher verlegt. Tatsächlich stand das Gebäude nie im Besitz der Jesuiten, sie könnten zu dieser Zeit aber die eigentlichen Hausherren gewesen sein.

1571 verkaufte die Stadt Wien das Gebäude an den Ritter und Unternehmer Christoph Zoppl von Haus († 1582). Der aus dem 15. Jahrhundert stammende vordere zweistöckige Trakt erhielt zwischen 1725 und 1751 ein Stockwerk aufgesetzt, das sich jedoch stilistisch dem Altbestand anpasste (Verlust des Giebeldachs). Damals gehörte das Haus Dr. jur. Franz Hartl von Hartenberg, Beamter des Obersthofmarschallamts († 1765). Bis 1865 verblieb das Haus danach im Besitz der Familie seines Schwiegersohns Hofrat Gabriel Joseph von Stettner. 1859/1860 wurde der hintere Trakt vierstöckig neu erbaut 1973-1984 war die Kallinger-Wohnungseigentums-G. m. b. H. Besitzer, die 1980/1981 nach vorausgegangener heftiger öffentlicher Polemik die hinteren Hausteile durch einen Neubau ersetzte, den Vordertrakt jedoch unter Wahrung der alten Fassade erneuerte.

1749 wohnte der Architekt und Maler Antonio Galli-Bibiena in diesem Haus, wo auch seine neun Tage alte Tochter Magdalena starb.

Literatur

  • Richard Perger: Geschichtliches vom Judenplatz. (Jüdisches Museum der Stadt Wien, ungedrucktes Manuskript, 1992)
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 60 f.
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 110 f.
  • Justus Schmidt / Hans Tietze: Dehio Wien. Wien: A. Schroll 1954 (Bundesdenkmalamt: Die Kunstdenkmäler Österreichs), S. 85 f.
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 78
  • Karl Janecek: Lateinische Inschriften an Bauwerken und Denkmälern Wiens. Horn: Berger in Komm. 1956, S. 29
  • Eugen Meßner: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des I. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1928, S. 90
  • Hans Markl: Kennst du alle berühmten Gedenkstätten Wiens? Wien [u.a.]: Pechan 1959 (Perlenreihe, 1008), S. 42
  • Hans Markl: Die Gedenktafeln Wiens. Wien: ABZ-Verlag 1949, S. 23
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 502
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 365
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 2. Teil. Wien ²1952 (Manuskript im WStLA), S. 394-396