Zum goldenen Hirschen (Apotheke)

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Art der Organisation Sonstiges
Datum von 1410
Datum bis
Benannt nach
Prominente Personen
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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BezirkStraßeHausnummer
1Kohlmarkt11

frühere Adressierung

BezirkStraßeHausnummerDatum vonDatum bis
1Graben1014101566
1Graben15661840
1Kohlmarkt111840
BezeichnungDatum vonDatum bis
Zum goldenen Hirsch1584
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Adresse: 1, Kohlmarkt 11, Großes Michaelerhaus

Gründung: spätestens am Beginn des 15. Jahrhunderts

Die Apotheke "Zum goldenen Hirschen“ gehört zu den ältesten pharmazeutischen Handelsbetrieben, die sich in der um 1200 erweiterten hochmittelalterlichen Stadt unmittelbar vor der Römermauer, zum Teil auf dem Areal des planierten Lagergrabens, ansiedelten.

Mittelalter

Der älteste Besitzer im ersten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts ist der Apotheker Hanns Hesel (auch Hesl). Er besaß die Apotheke von 1410 bis 1422. Nach seinem Tod 1422 führte die Witwe Barbara Hesel die Apotheke mit Hilfe des Provisors Jorg Lemburger weiter. Sie verstarb aber bereits 1426.

Von 1426 bis 1455 war der frühere Provisor Lemburger und auch spätere Schwiegersohn von Hesel im Besitz der Apotheke. Dabei ist zu berücksichtigen, dass er die Verantwortung für die Apotheke mit großer Wahrscheinlichkeit schon seit dem Tod seines Schwiegervaters (1422) innegehabt hatte. Vielleicht wurde er schon zu dessen Lebzeiten in der Apotheke ausgebildet und hat dort als Gehilfe gearbeitet. Lemberger musste sehr angesehen gewesen sein, da er, als "Georius“ bezeichnet – im Februar 1441 gemeinsam mit den Apothekern Niklas Lainbacher (später "Zum goldenen Greif“) und Stephan Gotwiler (später "Zum roten Krebs“) den Beratungen der medizinischen Fakultät zugezogen wurde. Ziel war die die Reformierung des Apothekenwesens.

Seine Tochter Magdalena heiratete den Apotheker Wolfgang Kuttenpaum (zeitgenössisch Kuttenpawm und ähnliche Schreibweisen) der dadurch 1455 in den Besitz der Apotheke kam. Mit hoher Sicherheit war das Haus Graben 10 (Konskriptionsnummer 1105) der Standort der Apotheke. Kuttenpaum verstarb um 1471.

Die nächstfolgenden Apotheker verbindet, dass sie hintereinander mit derselben Frau Ursula verheiratet waren.

Hanns Guldein, wahrscheinlich ein Sohn des Wiener Bürgers Peter Guldein und Verwandter des 1474 verstorbenen lerers in der erczney (Bucharztes) Meister Mert Guldein aus Weißenburg im bayerischen Mittelfranken, ist etwa zwischen 1473 und 1483 nachweisbar. Guldein starb um 1483. Seine Witwe Ursula heiratete den Wiener Bürger Bernhard(in) Merl, der dann von 1483 bis 1484 die Apotheke führte. Gemeinsam erwarb das Ehepaar von Peter Hofer um den nicht unerheblichen Betrag von 500 Pfund Pfennig das Haus Konskriptionsnummer 1105 am Graben. Nach dem Tod von Merl 1484 heiratete Ursula den Apotheker Georg Rosenheimer. Von 1485 bis 1495 ist er Besitzer der Apotheke. Der vierte und letzte Ehemann Ursulas war der Apotheker Augustin Holdt. Ursula muss vor 1504, knapp fünfzig Jahre alt, verstorben sein, denn in diesem Jahr wird Holdt bereits als mit Margarethe, der Tochter des Hans Rechwein, verheiratet erwähnt. Welches Schild die Apotheke zu dieser Zeit trug, falls sie schon eines hatte, ist nicht bekannt. Da Holdts Witwe die Apotheke nicht als Witwenbetrieb weiterführte, sondern offenbar verkaufte, sind die späteren Besitzer nach Holdts Tod 1509 nicht eindeutig zu bestimmen.

Frühe Neuzeit

1536 und 1539 könnte Dr. Jacobus Walch Besitzer der Apotheke gewesen sein. Von 1569 bis 1570 könnte Abel, von dem nicht einmal der Vorname bekannt ist, Besitzer der Apotheke gewesen sein.

Der nächste gesicherte Besitzer ist der Apotheker Peter Schwab (auch Petrus) der zu Jahresbeginn 1571 seine Apothekengerechtigkeit erhielt. Schwab betrieb seine Apotheke von Anfang an im Haus Konskriptionsnummer 570, dem "Hirschenhaus“, heute Straßengrund zwischen den Häusern Graben 17 und 21, das als Teil eines Häuserblocks den Graben an seinem westlichen Ende abschloss. Die Front des Hirschenhauses lag zum Graben hin. Schwab wird erst 1588 Eigentümer des Hauses Konskriptionsnummer 570, davor dürfte er nur Mieter der Apotheke gewesen sein.

Das Hirschenhaus gab mit dem benachbarten Schallenbergschen Haus (das aus dem Zuckschwerthaus und dem Ellerbachschen Haus entstanden war) dem Graben an seiner westlichen Schmalseite, beiderseits von engen Gassen begrenzt, durch Jahrhunderte seinen charakteristischen Abschluss in Richtung Kohlmarkt und Naglergasse.

Das alte Apothekenhaus Konskriptionsnummer 1105 (Graben 10) beweisbar seit 1566, mit höchster Wahrscheinlichkeit jedoch bereits seit etwa der Mitte des 16. Jahrhunderts, kommt als Standort für seine Apotheke nicht mehr in Frage. Die Übersiedlung wurde wohl von dem namentlich nicht bekannten Vorbesitzer Schwabs vorgenommen.

Erst in der Zeit des Besitzes von Schwab wird erstmals das Apothekenschild "Zum goldenen Hirschen“ 1584 genannt, das sich sowohl auf die Apotheke als auch auf das Haus bezieht. Heute ist nicht mehr zu klären ist, ob das Haus der Apotheke oder die Apotheke dem Haus zu seinem Namen verhalf.

Schwab verstarb 1604, nachdem er die Apotheke über drei Jahrzehnte geführt hatte. Seine Witwe Katharina Schwab, die Universalerbin, brachte nach einem Vergleich mit ihren Kindern 1604 die Haushälfte ihres Mannes in ihren alleinigen Besitz und leitete die Apotheke einige Jahre mit Hilfe eines namentlich nicht bekannten Provisors. Katharina starb am 12. oder 13. Mai 1610. Ihre drei Kinder erbten je ein Drittel ihres Vermögens, auch das Haus, in dem sich die Apotheke befand.

1612 kam die Apotheke an den Ratsherrn August Bartholomäus Schlezer sen., der als edler, kluger (nobilis et prudentissimus) und hochberühmter Apotheker (pharmacopoeus celeberrimus) bezeichnet wurde. Er war in erster Ehe (spätestens ab 1605) mit der Witwe des Apothekers "Zum schwarzen Mohren“, Regina Pesster, verheiratet. Dieser Ehe entstammten der 1606 geborene Sohn Bartholomäus Schlezer jun., der ebenfalls den Apothekerberuf ergriff und die väterliche Apotheke erben sollte, sowie ein zweiter Sohn namens Johann, der Konsistorialrat in Passau wurde. Am 21. November 1638 heiratete Bartholomäus Schlezer sen. in zweiter Ehe Magdalena, die Tochter des Handelsmanns Georg Tobias Pfäffinger und dessen Gattin Magdalena, geb. Thürner.

Nach Bartholomäus Schlezer sen. Tod 1639 vererbte er die Apotheke seiner Frau Magdalena. Da sie die Apotheke als Witwenbetrieb weiterführen wollte, präsentierte Magdalena Schlezer der Fakultät den Pharmaziestudenten Magnus Clemens (Clement) als Provisor. Da dieser Protestant war, lehnte die Fakultät unter Hinweis auf ein kaiserliches Dekret die Prüfung des Kandidaten ab.

Bartholomäus Schlezer jun., der selber die Apotheke führen wollte, fürchtete um sein Erbe. Sein Vater hatte in seinem Testament seiner Frau Magdalena, der Stiefmutter von Bartholomäus Schlezer jun., nicht nur die Hälfte des Hauses, sondern auch die Apotheke vermacht. Er strebte sogar einen Prozess an, in dem die Fakultät des Vaters Testament hinsichtlich der Apotheke für nichtig erklärte. Mit einem am 19. September 1649 geschlossenen Vergleich mit seiner Stiefmutter Magdalena und deren Sohn, seinem Stiefbruder Johann Franz, gelangte Bartholomäus jun. auch in den Besitz der zweiten Hälfte des Hirschenhauses. Die andere Hälfte hatte er bereits von seiner Mutter Regina, verwitwete Pesster, geerbt.

Nach dem Prozess mit seiner Stiefmutter 1640 wird Bartholomäus Schlezer jun. Besitzer der Apotheke. Er führte die Apotheke nur bis 1650, danach wandte er sich ausschließlich öffentlichen Ämtern zu. Die öffentliche Tätigkeit Schlezers war beträchtlich und ging über das in vergleichbaren Fällen übliche Maß weit hinaus. Er war von 1642 bis 1645 Stadtgerichtsbeisitzer, von 1646 bis zu seinem Tod (5. September 1675) – ausgenommen die Jahre 1673 bis 1674 - Mitglied des Inneren Rats, außerdem 1642, 1645 und 1649 Viertelhauptmann und 1649 Grundbuchshandler. Von 1653 bis 1654 war er Obereinnehmer, von 1654 bis 1657 Oberkämmerer und 1668 Superintendent des Bürgerspitals. 1657 erhielt er den Titel "Königlicher Rat“.

Schlezer war recht vermögend. Er besaß das Hirschenhaus am Graben (Wert 600 Gulden, Steuer 40 Gulden), dessen Nachbargebäude (150 Gulden beziehungsweise 10 Pfund Pfennig), ein Haus am Alten Roßmarkt (700 Gulden beziehungsweise 45 Gulden 5 s 10 d), eines am Fleischmarkt (Konskriptionsnummer 695, heute Nummer 18; geerbt 1648), ein weiteres in der Kärntner Straße (Konskriptionsnummer 1049, heute Nrummer 14, geerbt und verkauft 1648; ein uns als Apothekerhaus bekanntes Objekt) und ein Gebäude am Kohlmarkt sowie je ein Haus beim Stubentor (700 Gulden beziehungsweise 45 Gulden 5 s 10 d) und in der Leopoldstadt.

1650 kaufte Friedrich Müller (auch Müllner, Miller, ab 1656 von Löwenstein) die Apotheke, das Hirschenhaus blieb in Schlezers Besitz. Der Wert der Apotheke belief sich laut einer am 4. August 1675 durchgeführten amtlichen Schätzung auf 22.249 Gulden 9 ½ Kreuzer Die wirtschaftliche Lage der Apotheke war, wie man den Steuerbüchern entnehmen kann, nicht ungünstig.

Müller von Löwenstein hatte viele Jahre öffentliche Ämter inne: Von 1659 bis 1661 war er Mitglied des Äußeren Rats, 1662 Stadtgerichtsbeisitzer. 1663 kehrte er in den Äußeren Rat und von 1664 bis 1666 als Beisitzer ins Stadtgericht zurück, 1667 wurde er in den Inneren Stadtrat gewählt, danach fungierte er von 1668 bis 1669 neuerlich als Stadtgerichtsbeisitzer. In den beginnenden siebziger Jahren erreichte er die höchsten Würden seines Lebens: Von 1670 bis 1673 und 1675 war er Innerer Rat, 1674 sogar Stadtrichter.

1661 gab Müller in Frankfurt am Main ein umfangreiches "Lexicon Medico-Galeno-chymico-pharmaceuticum, continens Vocabulorum medica facultate usualium octodecim millium explicationes“ heraus, 1671 die Schrift "Umbra redivivi Zwelferi“.

1657 ließ Müller ein Verzeichnis der in seiner Apotheke vorrätigen Arzneimittel erstellen, das 1658 im Druck erschien und über ein Jahrzehnt später, 1671, zum Vorbild für einen gleichartigen Katalog der Salzburger Hofapotheke wurde. Dem Wiener Katalog entnehmen wir, dass in der Apotheke "Zum goldenen Hirschen“ damals insgesamt 2.078 einfache und zusammengesetzte Arzneien vorrätig waren. Die Präparate sind in drei große Abteilungen gegliedert: Medicamenta simplicia, Medicamenta galenica und Medicamenta chymica. Müller von Löwenstein besaß die Apotheke bis zu seinem Tod am 24. Jänner 1675. Seine Erben betrieben sie bis 1685 mit Hilfe von verschiedenen Provisoren weiter.

Ab dem Jahr 1685 befand sich die Apotheke, beginnend mit dem Besitzer Ignaz (Ignatius) Greimoldt (auch Greimolt, Greimold), knapp über ein Jahrhundert im Besitz der Familie Greimoldt, die damit zu den bedeutendsten Apothekerfamilien Wiens zählt. Ignaz Greimoldt wurde am 26. Februar 1684 geprüft. Er war zu dieser Zeit Provisor der Offizin "Zum schwarzen Äthyopen (Mohren)“, die von der Witwe des während der Türkenbelagerung von 1683 verstorbenen Apothekers Daniel Müller sen. betrieben wurde. Spätestens 1685 heiratete Greimoldt die Tochter des verstorbenen Daniel Müller, die 1662 geborene Catharina Elisabetha. Die Übernahme der Mohren-Apotheke stand für Greimoldt nicht zur Diskussion, weil sein junger Schwager Daniel Müller sich der Pharmazie zuwandte und somit als Erbe vorgesehen war.

Mit Catharina Elisabetha gemeinsam kaufte Greimoldt 1685 von Rosamunde Freiin von Königsackher (der Tochter des Johann Schlezer von Schönfeld und Enkelin des Apothekers Bartholomäus Schlezer) das "Hirschenhaus“ und von den Erben des Apothekers Friedrich Müller von Löwenstein – der das Haus niemals besessen hatte – die darin befindliche Apotheke "Zum goldenen Hirschen“.

Am 17. September 1722 legte Joseph Melchior Greimoldt seine Prüfung ab, am 3. November 1722 verkaufte ihm sein Vater Ignaz seine eygenthumbliche Apotheken auf dem Graben Nrummer 584, zum guldenen Hirschen [...] mit aller Authorität, zugehörigen Recht und Gerechtigkeit, wie er solche selbst genoss oder hette genüssen können und mögen, um 20.000 rheinische Gulden und 100 Dukaten "Leykauf“. Somit wird sein Sohn Joseph Melchior Greimoldt Besitzer der Apotheke. Ignaz Greimoldt stirbt am 12. Juli 1723.

Joseph Melchior Greimoldt übte den Apothekerberuf vier Jahrzehnte bis zu seinem Tod am 14. November 1762 aus. Joseph Melchior Greimoldt hinterließ ein Vermögen in der Höhe von 25.110 Gulden, das bei näherer Betrachtung als gering einzustufen ist, weil allein die auf 18.000 Gulden geschätzte Apotheke fast drei Viertel des Gesamtwerts ausmachte. Das Hirschenhaus ging in den Besitz von Greimoldts Witwe Maria Catharina, die es in die Ehe eingebracht hatte, über. Von ihr erbten es 1769 die fünf Kinder. Die Tochter Josepha Greimoldt, die 1771 den Apotheker Martin Weisskampf heiratete, löste nach dem Tod der Mutter gemeinsam mit ihrem Gatten die Anteile der Geschwister ab. Am 1. September 1774 wurde das Ehepaar Weisskampf als Besitzer des Hirschenhauses ins Grundbuch eingetragen.

Als Weisskampf 1790 starb, erbte seine Witwe Josepha das Haus, das sie 1814 Franz Brendl Edlen von Sternburg hinterließ. Brendl war der letzte Hausbesitzer. Er verkaufte das Objekt 1840 an die Stadt Wien, die kurz darauf die Demolierung des Hauses anordnete, um die Passage zwischen Graben und Kohlmarkt frei zu machen und die räumliche Situation vor dem Sparkassengebäude zu verbessern.

Franz Xaver Greimoldt, bürgerlicher Apotheker, leitete nach dem Tod seines Vaters die Apotheke von 1762 bis 1769. 1769 kaufte Martin Weisskampf die Apotheke von Franz Xaver Greimoldt um 28.000 Gulden Er war bis 1787 Besitzer der Apotheke, starb aber erst 1790.

Am 1. Jänner 1787 erwarb Jakob Augusta die Apotheke gegen Erlag eines Kaufpreises von 19.600 rheinischen Gulden. Als das 1783 von Joseph II. strafweise aufgehobene Apothekergremium am 2. Juni 1796 wieder eingesetzt wurde, wählten die Apotheker am 27. Juli 1796 den zu diesem Zeitpunkt 44-jährigen Augusta zu einem ihrer Vorsteher. In dieser Funktion vertrat er den Standpunkt, dass Personalgewerbe nicht verkauft und übertragen werden können. Er bat außerdem um die Erlaubnis, selbst ein geeignetes „Subject“ vorschlagen zu dürfen, wenn eine Apothekenbefugnis verliehen werden sollte. Diesen Standpunkt vertrat auch Kaiser Franz II. der eine Gleichstellung von Personalapothekenbesitzern und Realapothekenbesitzern ablehnte. So durften Personalapothekengewerbe zwar auf die Witwen, nicht aber auf die Kinder vererbt werden. Am 12. Juli 1803 erlag Augusta im Alter von nur 51 Jahren einem Schlaganfall.

19. Jahrhundert

Jakob Augustas Witwe Maria wollte die Apotheke nicht als Witwenbetrieb weiterführen und verkaufte sie daher am 16. November 1803 um 38.000 Gulden an den Doktor der Arzneikunde Joseph Eyb. Nachdem am 17. Mai 1810 der Normalwert der Apotheke mit 18.000 Gulden festgelegt worden war, verkauften Eyb und seine Gattin Anna, geb. Trummer, die Apotheke am 14. September 1810 um 65.000 Gulden an den gewesenen Apotheker in Steinamanger, Paul Raich. Mit Regierungsverordnung vom 20. August 1813 wurde der Normalwert der Apotheke mit 8.030 Gulden W. W. festgesetzt. Mit Magistratsdekret vom 20. Februar 1814 wurde dem Apotheker Raich auf Grund der erkauften Apothekengerechtigkeit (als Kaufpreis werden 8.030 Gulden vermerkt) das Bürgerrecht verliehen.

Eduard Ritter von Meissl kaufte die Apotheke 1827, zugleich wurde ihm die Bewilligung zur Führung der Apotheke erteilt. Im selben Jahr wurde ihm das Bürgerrecht verliehen. Nur drei Jahre später wurde der Konkurs eröffnet.

Bereits am 9. Dezember 1830 wurde mit Magistratsdekret Friedrich Simon, Hausbesitzer und ehemaliger Sattlermeister auf der Wieden Konskriptionsnummer 270, als Besitzer der Apotheke angeschrieben. Meissl führte die Apotheke zunächst bis 1. März 1831 als Pächter weiter. Ihm folgte in dieser Eigenschaft auf vier Jahre (bis 28. Februar 1835) der bisherige Provisor Rudolf Etzelt. Etzelt erhielt das Bürgerrecht am 5. Oktober 1831, am 20. Oktober legte er den Bürgereid ab.

Am 14. November 1835 wurde Emmerich Kikaker die Genehmigung erteilt, die erkaufte Gerechtigkeit auszuüben. Am selben Tag wurde ihm das Bürgerrecht verliehen. Kikaker und seine Gattin Anna verkauften die Apotheke bereits am 14. August 1838 an die Pharmazeuten Anton Hentschl und Josef Schöpf (gewesener Apotheker in Lemberg, Galizien [heute Lwow, Ukraine]). Am 22. November 1838 wurde Schöpf das Bürgerrecht verliehen, am 19. Februar 1839 Hentschl. Die Betriebsbewilligung erhielten die beiden neuen Besitzer der Hirschen-Apotheke bereits im November 1838 vom Magistrat. 1840/1841 schließlich wurde das "Hirschenhaus“ abgerissen. Da an dieser Stelle kein Neubau entstand und man offenbar auch nicht näher an die andere Graben-Apotheke heranrücken wollte, erfolgte eine Übersiedlung ins Haus Kohlmarkt Konskriptionsnummer 1152, das so genannte "Große Michaelerhaus“ (heute Kohlmarkt 11), wo sich die Apotheke seither befindet.

1848 kaufte Anton Angyal die Apotheke, dem der Magistrat am 2. September 1848 zugleich mit der Apothekengerechtigkeit auch das Bürgerrecht verlieh. Bereits Anfang 1849 sah sich das Gremium infolge der "traurigen Verhältnisse des bürgerlichen Apothekers Angyal“ genötigt, einen Provisor zu bestellen. Am 12. Juli 1849 wurde Mag. pharm. Rudolf Taigner vom Magistrat in diesem Amt bestätigt. Am 18. März 1850 pachteten August Völck und Stephan Kimm die Apotheke auf drei Jahre.

Nachdem Völck, der sich seit 1852 um eine eigene Apotheke bemüht hatte, die Apotheke in Braunhirschen (heute Wien 15) übernommen hatte, verkaufte er die Hirschen-Apotheke 1853 an den bürgerlichen Seidenzeugfabrikanten und Realitätenbesitzer in Brunn, Franz Spankraft, der den Betrieb im August 1854 an den Provisor der Gumpendorfer St.-Ägyd-Apotheke, Josef Pohlmann verpachtete.

1868 ging die Apotheke in das Eigentum des Realitätenbesitzers Karl Brezia über. Die Leitung als Provisor übernahm Mag. pharm. Wenzel Twerdy, der die Apotheke am 1. September 1870 kaufte und vom Magistrat am 17. Februar 1871 die Bewilligung zum Betrieb erhielt. Nach seinem Tod 1891 führte seine Witwe Luise unter der Leitung des Provisors August von Rüling die Apotheke bis 1902 weiter.

20. Jahrhundert

Am 1. August 1902 übernahm Mag. pharm. Anton Bondi die Leitung der Apotheke, nachdem Luise Twerdy am 17. Juli 1902 angezeigt hatte, dass sie das Apothekengewerbe nicht weiter betreiben wolle. Als dieser jedoch 1903 die Konzession für eine im 5. Bezirk zu errichtende Apotheke erhielt, übernahm Mag. pharm. Clemens Twerdy die Leitung. Im "Wiener Communal- Kalender“ pries Twerdy Spezialitäten wie W. Twerdys Dentiflore, Mundwasser und Zahnpasta, Damenpulver, Kola granulée an.

Am 3. Jänner 1923 wurde die Firma "W. Twerdy“ (Inhaber Clemens Twerdy) ins Handelsregister eingetragen, am 11. Jänner 1923 kam es zu einer außergerichtlichen Erbteilung, die letztlich Clemens Twerdy zum Alleineigentümer machte. Als Twerdy am 14. Juli 1943 starb, hinterließ er die Witwe Berta.

Für die Dauer der Verlassenschaftsabhandlung wurde am 27. Oktober 1943 Mag. pharm. Guido Kühl zum Leiter bzw. am 24. November 1943 auf ein halbes Jahr zum Verwalter der Hirschen-Apotheke bestellt. Am 9. März 1944 erfolgte die Eigentumsübertragung an Berta Twerdy und die drei minderjährigen Kinder Luise, Wilhelm und Berta zu je einem Viertel. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 5. November 1948 Mag. pharm. Josef Wagner zum Leiter bestellt, am 12. Oktober 1949 bestellte Luise Twerdy namens der Miteigentümer Mag. pharm. Hans Nettel zum Leiter.

Im Jahr 1999 lautete der Firmenname immer noch auf W. Twerdy, für das Jahr 2000 wurden als Inhaber Mag. pharm. E. Nettel KG, Mag. pharm. Dr. med. Bernhard Twerdy, Mag. pharm. Luise Nettel und Konzessionsinhaberin Mag. pharm. Elisabeth Nettel angegeben.

Besitzerliste

  • vor 1410–1422 Hanns Hesel
  • 1422–1426 Barbara Hesel (Witwenbetrieb)
  • 1426–1455 Jorg Lemburger (Schwiegersohn Hesels)
  • 1455–1473 Wolfgang Kuttenpaum (Schwiegersohn Lemburgers)
  • 1473–1483 Hanns Guldein (Witwe Ursula)
  • 1483–1484 Bernhard Merl (Heirat mit Ursula)
  • 1485–1495 Georg Rosenheimer (Heirat mit Ursula)
  • 1496–1509 Augustin Holdt (Heirat mit Ursula), † 23. Oktober 1509
  • 1509–1569 unbekannt (kein Witwenbetrieb), 1536 und 1539 Nennung von Dr. med. Jacobus Walch; † 1548)
  • 1569–1570 Abel (fraglich)
  • 1571 – um 1604 Peter Schwab, † wahrscheinlich 1604
  • um 1604–1610 Katharina Schwab (Witwenbetrieb), † zw. 20. April und 13. Mai (wahrscheinlich 12. oder 13. Mai) 1610
  • 1610–1639 [[August Bartholomäus Schlezer| August Bartholomäus Schlezer sen.], † 31. Mai/16. August 1639
  • 1639–1640 Magdalena Schlezer (Witwenbetrieb)
  • 1640–1650 Bartholomäus Schlezer jun. (Sohn. Verkauf zu Lebzeiten), * um 1606, † 5. September 1675
  • 1650–1675 Friedrich Müller von Löwenstein (Kauf), † 24. Jänner 1675
  • 1675–1685 Erben des Friedrich Müller von Löwenstein
  • 1685–1723 Ignaz (Ignatius) Greimoldt (Kauf), † 12. Juli 1723
  • 1723–1762 Joseph Melchior Greimoldt (Kauf durch Sohn), * 1700, † 14. November 1762
  • 1762–1769 Franz Xaver Greimoldt (Sohn des Joseph Melchior Greimoldt?)
  • 1769–1787 Martin Weisskampf (Schwiegersohn Joseph Melchiors bzw. Schwager Franz Xavers)
  • 1787–1803 Jakob Augusta (Kauf von Weisskampf), * um 1752, † 12. Juli 1803
  • 1803–1810 Joseph Eyb (Verkauf zu Lebzeiten), * 17561628
  • 1810–1827 Paul Raich (Kauf)
  • 1827–1830 Eduard Ritter von Meissl (Kauf)
  • 1830–1835 Friedrich Simon (Pächter)
  • 1835–1838 Emmerich Kikaker
  • 1838–1844 Anton Hentschl und Josef Schöpf
  • 1844–1848 Josef Schöpf
  • 1848–1853 Anton Angyal (ab 1850 Verpachtung)
  • 1853–1868 Franz Spankraft (ab 1854 Verpachtung)
  • 1868–1869 Karl Brezia
  • 1869–1891 Wenzel Twerdy
  • 1891–1902 Luise Twerdy (Witwe)
  • 1903–1943 Clemens Twerdy (Eigentümervertreter, ab 1923 Alleineigentümer)
  • 1948–1949 Josef Wagner (Leiter)
  • 1949–? Hans Nettel (Eigentümervertreter)
  • ... 2000 ... Inhaber Mag. pharm. E. Nettel KG, Mag. pharm. Dr. med. Bernhard Twerdy und Mag. pharm. Luise Nettel; Konzessionärin Mag. pharm. Elisabeth Nettel

Standorte

  • vor 1410 – spätestens 1566 Graben 10, Spiegelgasse 2, Dorotheergasse 1 (Konskriptionsnummer 1136/1171/1105)
  • spätestens 1566–1840 (Abbruch des Hauses) Graben (Konskriptionsnummer 570/610/584, Hirschenhaus; heute Straßengrund zwischen Nummer 17 und 21)
  • seit 1840 Kohlmarkt 11, Großes Michaelerhaus

Apothekenschild

  • spätestens seit 1584 "Zum goldenen Hirsch“

Literatur

  • Felix Czeike: Geschichte der Wiener Apotheken, Die Apotheken im heutigen ersten Wiener Gemeindebezirk. Innsbruck: Studienverlag. Band 50, 2010, S229-272
  • Czeike, Die Apotheke "Zum goldenen Hirschen". In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 30 (1975), S. XXI
  • Leopold Hochberger / Joseph Noggler: Geschichte der Wiener Apotheken. Wien: Verlag des Wiener Apotheker-Hauptgremiums 1917-1919, S. 15 ff.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 109, 116, 192, 606
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 355
  • Wienerisches Diarium. Wien: v. Ghelischen Erben, 08.08.1778, Nr. 63,1778, S. 5 ff.