Zum goldenen Greif (1, Kärntner Straße)

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1348
Jahr bis 1945
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Schintahaus, Schynndahaus, Polleritzenhof, Zum gülden Greiffen
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner Lajos Kossuth, Richard Wagner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  28.01.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtKärntner Straße31

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt99417701795
Stadt96818211862
Stadt102617951821
Haus Stadt 968 auf dem Stadtplan, Wien (1858)

Zum goldenen Greif (1, Kärntner Straße 31, Konskriptionsnummer 968).

Zwischen 1348 und 1394 besaß das Haus Cunrat von Schinta. Trotz mehrmaligen Besitzwechsels hielt sich die Bezeichnung "Schintahaus" (auch "Schynndahaus") für das Objekt, das vor 1394 aus zwei Häusern entstanden war, bis ins 15. Jahrhundert. 1511 erwarb es Stadtrichter Hans Rinner von der Fronleichnamsbruderschaft zu St. Stephan, der es in diesem Jahr vermacht worden war. 1515 erhielt Rinner auch das Recht des Salzhandels, das jedoch mit seiner Hinrichtung erlosch (siehe Wiener Neustädter Blutgericht). Nach Christoph Poldricz, der das Haus 1564 besaß, erhielt es den verballhornten Namen "Polleritzenhof", der sich längere Zeit erhielt. 1680 findet sich unter den Besitzern erstmals ein Gastwirt (Michael Pitl).

Als das Haus (samt Wirtshaus) an Augustin Ertl (Erdl) kam, hören wir 1700 erstmals vom Gast- und Einkehrwirtshaus "Zum gülden Greiffen". Anfangs kehrten hier vor allem die Neustädter Landkutscher ein, später auch jene aus Baden und Brünn (die Kutschen hatten vor dem Einkehrwirtshaus ihre Abfahrtsstellen). 1718 war im Haus auch eine Privatschule untergebracht. Bormastin bezeichnet 1715 den Gasthof als "einen der vornehmsten Einkehrgasthöfe" Wiens. Haus und Wirtshaus blieben bis 1833 überwiegend im Besitz von Mitgliedern der Familie Ertl.

Johann Roszner, Mitglied des Äußeren Rats, der 1763-1778 Wirt war, ließ 1772 einen Neubau errichten. 1780 hören wir von gut möblierten Zimmern und verschiedenen Menüs (zu 24, 34 und 51 Kreuzern). 1807 erhielt der Neubau das Schild "Erzherzog Carl", eine patriotische Geste gegenüber Karl von Österreich-Teschen, dem schon damals populären späteren Sieger von Aspern (1809).

1807 registriert der "Eipeldauer" noch eine Neuerung, das "Dejeuner á la Fourchette" (Gabelfrühstück), das zwischen 10 und 12 Uhr serviert wurde und sich rasch großer Beliebtheit erfreute. Der "Greif" hatte des öfteren prominente Besucher: Beethoven kam 1799 hieher, um Therese von Brunsvick im Klavierspiel zu unterrichten. Auch Grillparzer zählte zu den Gästen. Er speiste hier gerne mit dem Maler Moritz Michael Daffinger, der sich mit ihm allerdings so unverblümt über die damaligen Verhältnisse unterhielt, dass er, von einem Zuhörer denunziert, prompt zu drei Tagen Polizeiarrest verurteilt wurde und man Grillparzer der Beihilfe beschuldigte.

1848 wohnte Lajos Kossuth im 1844 teilweise umgebauten Hotel und sprach vom Fenster aus zu Teilnehmern eines vorüberziehenden Fackelzugs. Ab 1854 stand das Hotel "Erzherzog Carl", ein Haus ersten Rangs, unter der Leitung der Familie Anton Schindlers. Neben Fürstlichkeiten und Diplomaten findet man auch Richard Wagner unter den Gästen. Die Bedeutung des Hotels, in dem 1908 auch das Nachbarhaus Kärntner Straße 29 aufgegangen war, erhielt sich bis zum Zweiten Weltkrieg.

1945 wurde es durch zwei Bomben (12. März und 8. April) getroffen, durch den im Feinkostgeschäft "Köberl & Pietok" (Johannesgasse 1) ausgebrochenen Brand am 11./12. April vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut. Heute steht hier ein Erweiterungsbau des Finanzministeriums, der 1958 errichtet wurde (Kärntner Straße 29-31)


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Gasthaus "Zum goldenen Greif"
  • Privatschule
  • Hotel "Zum Erzherzog Carl"


Literatur

  • Felix Czeike: Die Kärntner Straße. Wien [u.a.]: Zsolnay 1975 (Wiener Geschichtsbücher, 16), S. 91 f.
  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 420 f.
  • Margarete Girardi: Wiener Höfe einst und jetzt. Wien: Müller 1947 (Beiträge zur Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte der Stadt Wien, 4), S. 157 (Poleritzenhof)
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 336 (Zum Erzherzog Karl)
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 2. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 452-456