Zum Steindl

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Steindlgasse 4, Hof, um 1898
Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1406
Jahr bis
Andere Bezeichnung Zum goldenen Drachen, Pilsner Bierklinik, Gösser Bierklinik, Zum Gösser Stüberl
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  6.06.2017 durch DYN\krabina
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Bildname HMW 024131 00002.jpg
Bildunterschrift  Steindlgasse 4, Hof, um 1898
Bildquelle HMW 24131/2, Foto: A. Stauda
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
1Steindlgasse4

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt42918211862
Stadt46217951821
Stadt25117701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zum Steindl (1, Steindlgasse 4; Konskriptionsnummer 429; ab 1566 auch "Zum goldenen Drachen").

Geschichte

1406 wird dieses Gebäude erstmals erwähnt und als Haus "under den pheisniczern [Pfeilschnitzern] gegen der geistlichen Herren von Mauerbach über" (siehe Seitzerhof) bezeichnet. 1465 erlaubten der Prior Martin und der Konvent des Kartäuserklosters zu Mauerbach Veit Hindperger die Errichtung eines Bogengangs zwischem seinem Haus und dem Seitzerhof, um die gute Nachbarschaft zu erhalten. Dieser Bogengang existierte noch bis ins 19. Jahrhundert. Die weitere Geschichte des Hauses findet man in einer Inschrift im Vorraum des Hauses (siehe Architektur), jedoch lassen sich diese Angaben nur teilweise nachvollziehen, da zu diesem Haus erst ab 1776 Eintragungen im städtischen Grundbuch zu finden sind. Auch im niederösterreichischen Landesarchiv und dem Staatsarchiv, in das zum Teil Akten und Bücherbestände des aufgehobenen Kartäuserklosters Mauerbach überstellt worden sind, konnten keine weiteren Erwähnungen gefunden werden. Der Bezug zum römischen Standlager ist jedenfalls eine kühne Behauptung. Für 1665 lässt sich der Rat des Inneren Johann Georg Steindl (Staindl) belegen, der das Haus als Lohn für seine Tapferkeit geschenkt bekam und dem das Haus den Namen "Zum Steindl" verdankt. 1784 ging vermutlich nur das Grundstück, nicht aber das Haus in den Besitz der Gemeinde Wien über.

Ende 1923 erwarb die Gösser Brau A.G. das Haus.

Kriegsschäden

Am 10. September 1944 schlug eine Kettenbombe in das Haus ein, zerstörte den dritten Stock zu Gänze und beschädigte den zweiten Stock schwer. Eine zweite Bombe schlug schief in das Straßenpflaster vor dem Haus ein, bohrte sich in den Keller und tötete vier italienische Arbeiter, die sich im Luftschutzkeller befanden. Auch die bekannte Gastwirtschaft "Zum Gösser Stüberl" wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Noch bevor der Schutt, der die ganze Straßenbreite ausfüllte, beseitigt werden konnte, begann der Besitzer der Gaststätte, Hanns Stiedl, gemeinsam mit der Gösser Brauerei A.G. mit dem Wiederaufbau des Hauses, das als erstes der in der Innenstadt zerstörten Häuser fertiggestellt werden konnte.

Gaststätte

Das Haus beherbergt die älteste, noch bestehende Gaststätte Wiens. Sie trug im Laufe der Geschichte verschiedene Namen (zum Beispiel bis 1922 "Pilsner Bierklinik") und firmiert heute unter dem Namen "Gösser Bierklinik".

Architektur

Über der Tür befindet sich ein mittlerweile renovierter und hinter Glas stehender goldener Drache, der mit der Jahreszahl 1566 versehen ist. Zwischen den Mittelfenstern des ersten Stockes steht eine bemalte Mutter Gottes-Statue. Im Vorraum zur Gastwirtschaft findet man folgende Inschrift: "Dieses Haus entstand zur Zeit als Vindobona ein römisches Standlager war 70 nach Christus. 200 Jahre haben römische Legionäre hier gelagert. In der jetztigen Gestalt besteht das Haus seit 1566 als Haus 'Zum güldenen Drachen' / Der erste Wirt war Johann Georg Steindl, Innerer Stadtrat und Spital Direktor 1650 bis 1683 / Johann Stephan Grundl, kais. Stadt- und Landgerichtsbeisitzer 1700 / Stift Mauerbach 1725 / 70 Georg Strohmayer / 1784 Gemeinde Wien / 1790 Matthias Reiterer / 1830 Barbara Schmiedl."

Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

  • Gastwirtschaft ("Zum Steindl", "Pilsner Bierklinik", "Zum Gösser Stüberl", "Gösser Bierklinik")

Literatur

  • Felix Czeike: Wien. Innere Stadt. Kunst- und Kulturführer. Wien: Jugend und Volk, Ed. Wien, Dachs-Verlag 1993, S. 173
  • Renate Wagner-Rieger: Das Wiener Bürgerhaus des Barock und Klassizismus. Wien: Hollinek 1957 (Österreichische Heimat, 20), S. 86
  • Emmerich Siegris: Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder. Wien: Burgverlag 1924, S. 51, S. 83
  • Friedrich Reischl: Die Wiener Prälatenhöfe. Wien: Selbstverlag 1919, S. 27
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 428
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 2. Teil. Wien ²1951 (Manuskript im WStLA), S. 349-351