Zum Hund im Korb

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von
Jahr bis 1834
Andere Bezeichnung Zum schwarzen Hund
Frühere Bezeichnung
Benannt nach Legende
Einlagezahl
Architekt
Prominente Bewohner
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  29.01.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
Innere StadtGraben22
Innere StadtTuchlauben2

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt56818211861
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Zum Hund im Korb, (1, Graben 21, Teil [Ecke Tuchlauben; Konskriptionsnummer 568], dann 22 [Konskriptionsnummer 571]), Hausschild.


Die Legende

Als Kaiser Friedrich III. im Jahre 1462 von den aufständischen Wienern in seiner Burg belagert und vollständig eingeschlossen war, klagte eines Tages Kaiserin Eleonore, dass sie nicht mehr Brot genug für sich selbst und den kleinen Prinzen (den späteren Kaiser Maximilian I.) habe. Da erbarmte sich der Hofschneider Kronberger dieser Not, ließ sich eines Nachts in einem Korb über die Mauer an einem Seile hinab und brachte Lebensmittel in die Burg. Bei dieser Gelegenheit aber wäre er von den Aufständischen beinahe entdeckt worden, da fing er, um sich zu retten, plötzlich wie ein Hund zu bellen an. Seine List gelang und zum Dank dafür schenkte ihm der Kaiser, als der Abstand niedergeworfen war, dieses Haus, welches Kronberger zur Erinnerung an seine glückliche Errettung "zum Hund im Korb“ benannte aus welchem später der Name "zum schwarzen Hund" entstand.

Im lokalen Schrifttum sind Abweichungen von dieser Darstellung anzutreffen, doch bleibt der Kern dieser Variante immer der gleiche.

Kritsch betrachtet, war aber Kronberger, wie aus den hier niedergelegten und dem Grundbuch entnommenen Besitzverhältnissen niemals Eigentümer des Hauses gewesen und auch der Schildname "zum Hund im Korb" ist in den Gewerbüchern nicht festzustellen (Kisch zieht überdies die Stadt 570 irrig anstelle von Stadt 568 an, meint aber zweifellos Stadt 568).

Die Notwendigkeit, für den jungen Erzherzog Lebensmittel in die Burg zu "schmuggeln“, wird zusätzlich dadurch in Frage gestellt, dass Erzherzog Albrecht, "der Halczer (Bürgermeister Holtzer) und der rate, der damals jetz dy state“ – wie wir aus einer zeitgenössischen Darstellung wissen – gestattenten, dass Eier, Brei, Mehl und Milch, die Graf Sigmund von Schaumberg für den jungen Prinzen Maximilian geschickt hatte, in die Burg gebracht werden durften. Tatsache hingegen ist, dass Kaiser Friedrich am 21. Mai 1464 (eineinhalb Jahre nach jener obgenannten Belagerung) dem Johann Kronberger, Bürger zu Wien, und seinen ehelichen Leibeserben das Laubenrecht zu Wien in Anbetracht der schweren Schäden, die er in den vergangenen Läufen zu Wien genommen und seiner langen treuen Dienste verlieh. Auch Kronbergers Sohn wurde später zum Hofschneider ernannt und geadelt.


Das Hausschild "Zum schwarzen Hund"

1714 war im Haus das Materialwarengeschäft "Zum schwarzen Hund" untergebracht, das dem Josef Fröschl gehörte und 1806 an die Brüder Gustav und Carl Voigt überging (Ladenschild angeblich von Friedrich Gauermann gemalt).

Als das Haus 1834 abgebrochen wurde (da anstelle der Häuser Konskriptionsnummer 568 und 572 [heute Graben 21] das Gebäude der Ersten österreichischen Spar-Casse errichtet wurde), wurde das Geschäft an der südöstlichen Ecke des Häuserblocks eröffnet (Konskriptionsnummer 571; Graben 22, Ecke Jungferngässlein) und schließlich als Drogerie "Zum schwarzen Hund" 1862 in das Haus Hoher Markt 1 verlegt (nach Beschädigung im zweiten Weltkrieg 1952 abgetragen).

1809 wurde das Haus am Graben durch die Bombardements der Franzosen in Brand geschossen, hierauf jedoch wieder aufgebaut. 1822 erhielt es von seinem damaligen Besitzer Georg Edler von Lagusius das Schild "Zum Pilati". In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war hier das vornehme, vielbesuchte Restaurant Breying und Möbus untergebracht. 1878 musste das Haus einem Neubau weichen, wodurch die Jungferngasse wesentlich verbreitert und der Ausblick auf die Peterskirche vom Graben her ermöglicht wurde.


Literatur

  • Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze von Wiens Vorstädten und ihre historisch interessanten Häuser. (Photomechan. Wiedergabe [d. Ausg. v. 1883]). Cosenza: Brenner 1967, Band 1, S. 136, S. 160
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 1, 1. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 111 f.
  • Eugen Meßner: Die Innere Stadt Wien. Ein Beitrag zur Heimatkunde des I. Wiener Gemeindebezirkes. Wien: Österreichische Staatsdruckerei 1928, S. 88
  • Franz Gräffer: Kleine Wiener Memoiren (herausgegeben von Schlossar-Gugitz) l (1918), S. 476
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956, S. 405