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Wipplingerstraße 25

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von
Jahr bis
Andere Bezeichnung Beamtenvereinshaus, Zum Waldmädchen, Zum blauen Stiefel
Frühere Bezeichnung
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Ludwig Schöne
Prominente Bewohner Jean Trehet
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  7.06.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
1Renngasse14
1Wipplingerstraße25

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Innere Stadt15517951821
Innere Stadt38317701795
Innere Stadt15617951821
Innere Stadt38217701795
Innere Stadt14618211862
Innere Stadt38117701795
Innere Stadt14718211862
Innere Stadt15317951821
Innere Stadt14818211862
Innere Stadt15417951821
Innere Stadt38417701795
Innere Stadt14918211862
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

1, Wipplingerstraße 25 (Konskriptionsnummern 146 bis 149), identisch mit Renngasse 14, der Neubau wurde 1896/1897 von Ludwig Schöne erbaut. Das Gebäude befindet sich gleich auf den Gründen des ehemaligen kaiserlichen Zeughauses.


Haus Stadt 146

Der erste sichere Nachweis ist aus dem Jahr 1435 bekannt. Nach vielfachem Besitzerwechsel gelangte das Gebäude um das Jahr 1687 in den Besitz des Stifts St. Pölten. 1896/1897 wurde das Haus samt den Nachbarhäusern Stadt 147 bis 149 abgebrochen, um einem Neubau Platz zu machen, den der erste allgemeine Beamtenverein der österreichisch-ungarischen Monarchie erwarb, der dort selbst auch sein Heim einrichtete.
Aufgrund eines Übereinkommens vom 19. Mai 1922 wurde das Gebäude der "Wechselseitigen Brandschaden und Janus Allgemeine Versicherungs Anstalt auf Gegenseitigkeit" überlassen, kam dann mit Aufsandungserklärung vom 19. Oktober 1936 an die österreichische Versicherungs A. G. und mit Kaufvertag vom 10. September 1951 an die Radio Austria A.G.

Römische Funde

Bei der Grundaushebung für den Bau zeigte sich auf dem Boden des ganzen Baublockes fast gleichmäßig über den gewachsenen Lehm und Schotter, der nur vier Meter tief lag, ausgebreitet eine Schicht aus kleinen, mit Eisenoxid überzogenen Kieselsteinen. Darüber lag eine Kohlenschicht von fünf bis 15 Zentimetern Dicke auf dieser Erde. Sie war reichlich durchsetzt mit Bruchstücken einer Bedachung aus Leisten- und Hohlziegel nebst zweiarmigen Eisenhaken, mittelst welchen die die Zimmerdecken bildenden Ziegel schwebend an den Holzdielen befestigt waren. Auf zweien der Ziegeldecke gewahrte man den Anfang des Stempels der X. Legion in einer Fußsohle und in viereckiger Umrahmung, auf anderen jenen der XIV. Legion. Ferner wurden Bronzestückchen, zahlreiche Knochen und Gefäßtrümmer ausgehoben, darunter ein im Durchmesser 25 Zentimeter haltendes, 1,5 Zentimeter dickes Bodenstück einer sehr weiten Tonschüssel von etwa 15 Zentimeter Wandhöhe, weiters das Fragment einer zweiten ähnlichen Schüssel, der obere Teil einer diota, Bodenstücke von Terra sigillata mit den eingeritzten Buchstaben M.G. und S., Wandstücke von solchen mit Kämpfern, andere mit laufenden und liegenden Hasen, Fragmente von Gefäßen mit melonenförmig eingezogenem Rumpf, Tonkrüge mit cannelierten Handhaken, endlich Stücke eines Bodenbelages, der aus grobem Mosaik bestanden haben mochte (rautenförmige graue Steinchen von sechs Zentimeter Länge, 25 Zentimeter Breite und zwei Zentimeter Dicke). Auch war der Schuttt mit sehr viel größeren und kleineren Bewurfsstücken durchsetzt. Im Hofe des Hauses fand man nahe der westlich anschließenden Bauparzelle in eine spätere Mauer verbaut Fragmente von Skulpturen: den Torso einer Knabenfigur, auf deren rechter Schulter eine große Hand ruht, eine zweite große (linke) Hand, die ein canneliertes Gefäß hält, beide aus gleichem gelben Sandstein. Letzterer gehört sicher, die andern sehr wahrscheinlich der Renaissance an.


Haus Stadt 147 "Zum Waldmädchen"; "Zum blauen Stiefel"

Wird erstmals 1340 genannt. Im 17. Jahrhundert führte das Haus bereits den Schildnamen "Zum Waldmädchen", bald darauf wurde es nach einem hier befindlich gewesenen Gasthaus "Zum blauen Stiefel" benannt. Die Schildernamen "Zur blauen Säule", dann "Zum goldenen Hut" beziehungsweise "Zu den sieben Gerstenbroten" finden sich ebenfalls in den Gewerbüchern.

1896 wurde das Haus abgebrochen und der Grund in die Baufläche des Neubaues des Hauses Wipplingerstraße 25 einbezogen.


Haus Stadt 148

An dieser Stelle befand sich ursprünglich eine Badestube, die seit 1303 belegt ist. Die Badestube hieß Wunderburg (auch "Auf der Hohen Brücke") und wird zu Unrecht als "Judenbad" bezeichnet. Sie stellte den Betrieb wahrscheinlich bald nach 1730 ein. In den Geweren lebte die Badestube noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts fort.

Vor 1740 wohnte in dem Haus der kaiserliche Hofingenieur Johannes de Trehet, der den Park von Schönbrunn in seiner ersten Anlage schuf (sein heutiges Aussehen verdankt er Adrian von Stekhofen). Jean Trehet war schon 1690 nebst seiner Tätigkeit für die Tapeten (Gobelins) auch für die Gärten seiner kaiserlichen Majestät verpflichtet gewesen. Er starb am 9. Juni 1740 im Alter von 86 Jahren in diesem Haus Stadt 148 der Wipplingerstraße. Am 17. Mai 1748 starb dort selbst der akademische Maler Sebastian Rosenstingl im 32. Lebensjahr.

1799 hinterließ die Erbin des Hauses das Gebäude dem Armeninstitutsfonds, über das später der Magistrat die Oberaufsicht übernahm und dessen Geweranschreibung im Jahr 1802 erfolgte. Bis zu seinem Abbruch im Jahr 1896 gehörte es dem Armeninstitutsfonds.


Haus Stadt 149

1455 erstmals erwähnt. 1896 wurde das Haus abgebrochen.


Der Neubau

1896/1897 wurden die Häuser Stadt 146 bis 149 abgebrochen, um einem Neubau Platz zu machen, den der erste allgemeine Beamtenverein der österreichisch-ungarischen Monarchie erwarb, der dort selbst auch sein Heim einrichtete.
Aufgrund eines Übereinkommens vom 19. Mai 1922 wurde das Gebäude der "Wechselseitigen Brandschaden und Janus Allgemeine Versicherungs Anstalt auf Gegenseitigkeit" überlassen, kam dann mit Aufsandungserklärung vom 19. Oktober 1936 an die österreichische Versicherungs A. G. und mit Kaufvertag vom 10. September 1951 an die Radio Austria A.G.


Kriegsschäden

Dem schweren Bombenangriff vom 12. März 1945 fiel auch das Haus Wipplingerstraße 25 großteils zum Opfer. Es erlitt damals gleich mehrere Bombentreffer. Während die der Wipplingerstraße zugewandte Frontseite äußerlich keine Schäden zeigte, bot die zehn Fensterachsen umspannende Seitenfront in der Renngasse (Renngasse 14) ein Bild der Zerstörung. Die oberen vier Geschosse wurden gänzlich vernichtet und es muss noch als ein Glück bezeichnet werden, dass die darunter liegenden Stockwerke dem Druck der auf ihnen lagernden Schuttmassen standhielten. Noch ein Jahr später wurde an der Abräumung der Schuttmassen gearbeitet, was die Wiederaufbauarbeiten stark verzögerte.

Im Zug der Abräumungsarbeiten grub man unter dem Schutt einen toten Hund aus, der das einzige Lebewesen war, das dieser Katastrophe zum Opfer gefallen war. Bombentrichter im Straßengrund rechts und links des Haustores verursachten die üblichen Luftdruckschäden an den nächst gelegenen Gebäudeteilen.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 147:

  • Gasthaus "Zum blauen Stiefel"

Haus Stadt 148:

  • Badestube "Wunderburg" (1303-1730)

Neubau:

  • Wechselseitige Brandschaden und Janus Allgemeine Versicherungs Anstalt auf Gegenseitigkeit (ab 1920)
  • Österreichische Versicherungs A. G (ab 1936)
  • Radio Austria A.G. (ab 1951)


Literatur

  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Geschichte und Kultur. Band 2, 3. Teil. Wien ²1953 (Manuskript im WStLA), S. 542-553