Wiener Stadt-Banco

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Art der Organisation Firma
Jahr von 1705
Jahr bis 1816
Benannt nach
Prominente Personen Gundacker Thomas Starhemberg, Ferdinand Karl Weltz
Quelle
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BezirkStraßeHausnummer
1Singerstraße17-19

frühere Adressierung

BezirkStraßeHausnummerJahr vonJahr bis
1Wipplingerstraße817051754
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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Gebäude

Dies Institiut nahm seine Tätigkeit am 1.April 1706 im Alten Rathaus auf. 1754 übersiedelte der Stadt-Banco aus dem Rathaus nach 1, Singerstraße 17-19 (Bankgebäude, Billiottesches Stiftungshaus).

Institut

Wiener Stadt-Banco, Geldinstitut, geschaffen mit kaiserlichem Patent vom 24. Dezember 1705 (Amtsperiode von Bürgermeister Jakob Daniel Tepser) auf Betreiben des Präsidenten der Hofkammer Gundacker Thomas Graf Starhemberg (da sich der 1703 nach dem Konkurs und Tod des Bankiers Samuel Oppenheimer begründete Banco del Giro nicht bewährt hatte); eine erste Anregung war bereits in der Staatswirtschaftskonzeption Wilhelm Freiherr von Schröders enthalten gewesen.

Hauptaufgaben des Stadt-Banco waren die Tilgung der Staatsschulden und die Aufbringung von Bargeld für den Staatshaushalt aus verzinsten Kapitaleinlagen; das Stammkapital wurde aus den Erträgnissen bestimmter staatlicher Ämter (die dem Stadt-Banco abgetreten wurden) und aus Beiträgen der Kronländer gebildet. Die Verwaltung oblag dem Magistrat der Stadt Wien, deren geordnetes Budget größere Kreditwürdigkeit als der in Schulden geratene Staat garantierte.

Die ersten Direktoren waren Starhemberg und Ferdinand Karl Graf Weltz, als Aufsichtsbehörde fungierte die aus den beiden Direktoren, Hofkammer- und Regierungsräten gebildete Ministerial-Banco-Deputation, die 1746 den Status einer staatlichen Behörde erhielt. 1706-1708 hatte Tepser die Ämter eines Bancogefällsamtsdirektors und eines Directors Gemainer Stadt Wien. Banco-Hauptkassa und Buchhalterei inne, 1709/1710 gemeinsam mit anderen Räten die Oberaufsicht über den Stadt-Banco in der kaierlichen Ministerial-Banco-Deputation. Die pünktliche Tilgung der an den Stadt-Banco abgetretenen Staatsschulden hob das Vertrauen in das Unternehmen und bewirkte zunehmend private Geldeinlagen, die günstig verzinst wurden.

1762 gab der Stadt-Banco unter Leitung von Ludwig Graf Zinzendorf in staatlichem Auftrag erstmals Papiergeld (Banknoten) aus. Der zunehmende staatliche Geldbedarf zur Finanzierung der 1792 beginnenden Kriege mit Frankreich nötigten zu immer umfangreicheren Banknotenemissionen; die dadurch bewirkte Inflation führte schließlich zu der am 20. Februar 1811 beschlossenen und am 15. März 1811 verlautbarten Abwertung der Bancozettel auf 20 % ihres Nominales, wodurch die Staatsschulden entsprechend verringert und die privaten Vermögen empfindlich entwertet wurden. Die Tätigkeit des Stadt-Banco endete mit der Gründung der Österreichischen Nationalbank (1. Juni 1816).

Siehe auch

Literatur

  • Günter Chaloupek / Peter Eigner / Michael Wagner [Hg.]: Wien. Wirtschaftsgeschichte 1740-1938. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1991, S. 922 ff.
  • Rudolf Geyer: Münze und Geld, Maß und Gewicht in Niederösterreich und Oberösterreich. 1938, S. 53
  • Thomas Fellner, Heinrich Kretschmayr, Die österreichische Zentralverwaltung 1/1. In: Veröffentlichte Kommission für neuere Geschichte Österreichs 5/1 1907, S. 105 ff.
  • Brigitte Holl: Hofkammerpräsident Gundaker Thomas Graf Starhemberg und die österreichische Finanzpolitik der Barockzeit 1703- 1715. In: Archiv für österreichische Geschichte. 132 (1976), S. 238 ff., S. 392 ff.
  • Günther Probszt: Österreichische Münz- und Geldgeschichte. 1994, S. 475 f., S. 492, S. 504 f., S. 519
  • Österreichische Nationalbank 1816-1966. Katalog 1966, S. 33 f.