Wiener Neustädter Kanal

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Der Wiener Neustädter Kanal im 3. Bezirk, 1816 von Anton Behsel. Rechts der Kanalhafen im Bereich des heutigen Bahnhofs Wien Mitte
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien
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Bildname WienerNeustädterKanal.jpg
Bildunterschrift]]  Der Wiener Neustädter Kanal im 3. Bezirk, 1816 von Anton Behsel. Rechts der Kanalhafen im Bereich des heutigen Bahnhofs Wien Mitte
Bildquelle WStLA, Pläne der Plan- und Schriftenkammer, P23/4:100216
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0

Den direkten Anstoß hatte die Wiener Neustädter Steinkohlengesellschaft gegeben, die ihre in Ödenburg abgebaute Steinkohle aus Kostengründen auf dem Wasserweg nach Wien verfrachten wollte. Ein Kaiser Franz II. (I.) vorgelegter Plan fand 1794 dessen Zustimmung. Der Bau des Kanals wurde dann nach Vorschlägen von A. Graf Apponyi, des Großhändlers Bernhard von Tschoffen und des Hofagenten Reiter durch den von der Steinkohlengesellschaft beauftragten Genieoffizier Oberstleutnant Ing. Sebastian von Maillard (der sich auf englische Vorbilder stützte) begonnen und 1799 bis 1803 unter der Leitung des aus Laibach nach Wien berufenen Baudirektors Joseph Maria Schemerl von Leythenbach weitergeführt.

Kaiser Franz II. (I.) beteiligte sich an den Baukosten mit einer großen Summe aus seinem Privatvermögen und übernahm 1797 den Kanal auf eigene Rechnung, nachdem er die genannten Unternehmer entschädigt hatte. Der Kanal wurde durch die Leitha und den Kehrbach gespeist und mit Hilfe von 52 Schleusen reguliert; 64 Lastkähne, die von Pferden gezogen wurden, standen im Einsatz.

Ansicht des neuen Kanals gegen St. Marx (Gaheis, 1801).
Der Kanal erfuhr schnell auch nicht geplante Nutzung. Nächtliches Eislaufen am Hafenbecken des Wiener Neustädter Kanals (Gaheis, 1801).

Der Kanal war ab April 1803 auf der Teilstrecke Wien - Wiener Neustadt befahrbar (1810 bis Pöttsching betriebsbereit) und hatte vor dem Invalidenhaus (3) ein großes Hafenbassin. Vor der Eröffnung der Südbahn (1842) entwickelte sich reger Warenverkehr zwischen Wien und Wiener Neustadt; der projektierte Ausbau bis Triest kam jedoch nicht zustande.

Nachdem 1847 - 1849 an der Stelle des späteren Aspangbahnhofs ein neuer Hafen errichtet worden war (siehe auch Hafengasse), wurde das alte Bassin 1857 zugeschüttet (Verwendung als Eislaufplatz, später Station Hauptzollamt der Stadtbahn). In den 1860er Jahren erlebte die Schifffahrt, da sich die Eisenbahn noch nicht als ebenbürtig erwies, ihren Höhepunkt. 1879 wurde bei gleichzeitiger Einstellung der Schifffahrt auf dem Kanal auch das neue Hafenbassin aufgelassen und das Wasser des Kanals mittels einer unterirdischen Leitung dem Wienfluss zugeführt. Teile der ehemaligen Fahrrinne des Kanals wurden später von der Verbindungsbahn benützt (heute Schnellbahntrasse).

Archäologie

Die im Wiener Neustädter Kanal im dritten Wiener Gemeindebezirk ausgegrabene Hockerstatue des Chai-hapi. ©KHM- Museumsverband

Um 1800 wurde bei Aushubarbeiten für den Kanal ein besonderer Fund gemacht: die ägyptische Hockerstatue des hohen Beamten und Priesters Chai-hapi. Die antike Statue stammt aus der zweiten Hälfte der 19. Dynastie (ca. 1250-1200 v. Chr.) und ist somit älter als die römsiche Besiedelung in der Stadt selbst. Vermutlich kam sie als Teil der Ausstattung eines römisch-ägyptischen Heiligtums in die römische Zivilstadt Vindobonas im heute dritten Bezirk.

Künstlerische Erinnerungen

  • 11, Drischützgasse 11: Mosaik (Ansichten Wien und Wiener Neustadt)
  • 3, Klimschgasse 27, Hafengasse 3: Mosaik (Ansichten Wien und Wiener Neustadt) und Gedenktafel ("1803-1867 Hafen des Wiener Neustädter Kanals")
  • 3, Aspangstraße 15: Mosaik (Kanalschleuse, Schleppkahn mit Treidelpferd [1969]).

Kanalschleusenhäuser

Brücken

Dritter Bezirk:

Elfter Bezirk:

Quellen

Literatur

  • Karl Flanner, Andrea Pühringer: Der Wiener-Neustädter-Schiffahrtskanal. In: Dokumentation des Industrieviertelmuseums 1991/1992
  • Valerie Else Riebe: Der Wiener Neustädter Schiffahrtskanal. 1937
  • Die Landstraße in alter und neuer Zeit. Ein Heimatbuch. Hg. von Landstraßer Lehrern. Wien: Gerlach & Wiedling 1921, S. 122 ff.
  • Peter Csendes [Hg.]: Österreich 1790-1848. Kriege gegen Frankreich, Wiener Kongreß, Ära Metternich, Zeit des Biedermeier, Revolution von 1848. Das Tagebuch einer Epoche. Wien: Brandstätter 1987, S. 62
  • Ferdinand Lettmayer [Hg.]: Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts - ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: 1958, S. 212 f.
  • Gustav Gugitz: Bibliographie zur Geschichte und Stadtkunde von Wien. Hg. vom Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien. Band 3: Allgemeine und besondere Topographie von Wien. Wien: Jugend & Volk 1956 , S. 111