Wien Museum

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Historisches Museum der Stadt Wien (heute Wien Museum), 1958
Art der Organisation Institution
Jahr von 1887
Jahr bis
Benannt nach
Prominente Personen Karl Weiß, Karl Glossy, Eugen Probst, Alois Trost, Hermann Reuther, Oskar Katann, Karl Wagner, Franz Glück, Alfred May, Robert Waissenberger, Günther Düriegl, Wolfgang Kos, Matti Bunzl
Quelle
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Bildname Historischesmuseumderstadtwien.jpg
Bildunterschrift  Historisches Museum der Stadt Wien (heute Wien Museum), 1958
Bildquelle WStLA, Fotosammlung, Fotos des Presse- und Informationsdienstes, FC1: 58328
Bildrechte CC BY-NC-ND 4.0
BezirkStraßeHausnummer
4Karlsplatz8

frühere Adressierung

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Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Wien Museum (1, Karlsplatz 8).

Das Wien Museum ist ein urbanes Universalmuseum mit einem breiten Spektrum von Sammlungen und Ausstellungen – von Stadtgeschichte über Kunst bis zu Mode und Alltagskultur, von den Anfängen der Besiedelung bis zur Gegenwart. Am Beispiel der Stadt Wien werden übergreifende gesellschaftliche, kulturelle und urbane Veränderungen im Vergleich mit anderen Großstädten thematisiert. Das Museum ist an mehreren Orten der Stadt präsent (aus dem Leitbild 2006).

Zur Entstehung

1874 wurde das aus dem Bürgerlichen Zeughaus hervorgegangene Waffenmuseum der Stadt Wien durch Personalunion des Leiters mit der Magistratsabteilung 8, Wiener Stadt- und Landesarchiv, vereinigt, am 20. Mai 1887 das Historische Museum der Stadt Wien begründet. Nach Übersiedlung des Waffenmuseums ins Neue Rathaus wurde dort die gemeinsame Schausammlung am 26. Juni 1888 eröffnet. Hier verblieben die Bestände bis zur Fertigstellung des Neubaus am Karlsplatz 1959. Administrativ bildeten die "Städtischen Sammlungen", in denen Museum, Stadtbibliothek und Stadtarchiv zusammengefasst wurden, ein Hilfsamt des Magistrats. Am 25. Juni 1889 wurde das Stadtarchiv selbstständig (heute Wiener Stadt- und Landesarchiv). Am 12. Juli 1904 wurden Historisches Museum und Magistratsabteilung 9 - Wienbibliothek im Rathaus, Stadtbibliothek in einer eigenen Abteilung zusammengefasst.

Am 5. Dezember 1939 wurde die Stadtbibliothek von den Städtischen Sammlungen getrennt (heute Wienbibliothek im Rathaus). Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten die Städtischen Sammlungen ab 14. Februar 1946 (bei gleichzeitiger Zuordnung zur Geschäftsgruppe III - Kultur) die Magistratsabteilung 10; ab 1949 galt die Bezeichnung "Historisches Museum der Stadt Wien und angeschlossene Sammlungen", von 1955 bis 2003 lautete der Sachtitel Museen der Stadt Wien. Im Jahr 1979 wurde die Hermesvilla als Außenstelle des Historischen Museums eingerichtet.

2002 wurden die Museen der Stadt Wien aus der Magistratsverwaltung ausgegliedert und als wissenschaftliche Anstalt öffentlichen Rechts konstituiert. Seit 2003 treten sie unter dem Namen Wien Museum auf. Seit 1. Juli 2008 ist auch die Stadtarchäologie Wien dem Wien Museum angegliedert (Leitung: Karin Fischer Ausserer).

Planungen für ein Museumsgebäude

Die ersten Bestrebungen für die Errichtung eines eigenen Gebäudes für das städtische Museum erfolgten aus Gründen des Platzmangels im Neuen Rathaus bereits wenige Jahre nach seiner Gründung. So gab es bereits im Jahr 1895 einen Beschluss des Stadtsenats für die Errichtung eines neuen Stadtmuseums auf dem Platz, der wenig später für den Bau der Secession genutzt wurde. Von den zahlreichen unausgeführt gebliebenen und namhaften Projekten sind in der Frühzeit jene von Friedrich Ohmann (1899) und Otto Wagner (1901, 1902, 1903) zu nennen, in späterer Zeit jene von Roland Rainer (1935) und Lois Weizenbacher (1951, 1953).

Wohl fasste der Gemeinderat am 3. Juli 1900 den Beschluss, auf dem Karlsplatz ein "Kaiser-Franz-Joseph-Stadtmuseum" zu errichten, doch kam es nach der Ausschreibung, an der sich unter anderem Otto Wagner beteiligte, zunächst zu keiner Entscheidung. Erst im Jahr 1907 empfahl der Gemeinderatsausschuss zur Durchführung des Baues des Stadtmuseums einhellig den abgeänderten Entwurf Wagners, doch kam es letztlich aufgrund der massiven öffentlichen Debatte und vermutlich auch anderer Widerstände nicht zur Realisierung.

Im Jahr 1911 beschloss die Stadt die Ausführung eines Stadtmuseums auf der Schmelz im 15. Wiener Gemeindebezirk. Mit dem Bauplatzwechsel war die abermalige Ausschreibung eines Wettbewerbs verbunden, aus dem das Projekt von Karl Hoffmann und Emil Tranquillini als Sieger hervorging. Am 10. Juli 1914, kurz vor Kriegsbeginn, wurde ihr Entwurf mit den Detailkostenvoranschlägen vom Gemeinderat genehmigt. Die Grundaushebung für den Bau, der im Bereich der heutigen Stadthalle entstehen hätte sollen, war bereits im Gange, als der Erste Weltkrieg ausbrach und die Bauarbeiten eingestellt wurden. Nach Kriegsende wurde am 30. September 1921 beschlossen, von einem Neubau aus finanziellen Gründen Abstand zu nehmen und das Historische Museum im Rathaus zu belassen. Die Suche nach einem neuen Standort ging in der Zwischenkriegszeit jedoch bald weiter. Auf einer Gebäudeliste der geeigneten Standorte im Jahr 1927 stand neben den Palais Coburg und Palais Auersperg auch das Alte Rathaus in der Wipplingerstraße.

Gebäude

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vom Gemeinderat am 24. April 1953 ein Neubau auf dem ursprünglich vorgesehenen Standort am Karlsplatz beschlossen. Zu dem von Oswald Haerdtl entworfenen zweistöckigen Museumsgebäude wurde am 2. Oktober 1954 der Grundstein gelegt; die feierliche Eröffnung erfolgte am 23. April 1959. Im Jahr 1998 kam es nach Plänen von Dimitris Manikas zur Aufstockung des Bürotrakts an der Maderstraße und zur Überdachung des Innenhofs, der bis dahin in erster Linie als Skulpturengarten diente. Nachdem sich das bestehende Gebäude am Karlsplatz für ein modernes Stadtmuseum von seiner Größe und Struktur her immer weniger tauglich erwies, setzten unter Direktor Wolfgang Kos bald Bemühungen ein, an einem zentralen Standort der Stadt einen adäquaten Museumsneubau zu schaffen. Nach mehrjähriger Standortsuche gemeinsam mit der Stadt Wien fiel 2013 die Entscheidung, die Neugestaltung des Wien Museums am Karlsplatz vorzunehmen. Dort soll in den nächsten Jahren ein moderner zukunftsweisender Neubau unter Einbeziehung des Haerdtl-Gebäudes realisiert werden.

Wien Museum neu

Rendering des Siegerentwurfs Certov, Winkler + Ruck Architekten

Im März 2015 wurde ein internationaler, anonymer, zweistufiger Architekturwettbewerb zur Erweiterung und Sanierung des Wien Museums ausgelobt. Bis Ende Mai 2015 langten Vorschläge von 274 Architekturbüros aus insgesamt 26 Ländern ein, davon 117 aus Österreich. Aus diesen Entwürfen wählte die Wettbewerbsjury unter dem Vorsitz des Schweizer Architekten Emanuel Christ und seiner Stellvertreterin Elke Delugan Meissl im Juni 2015 die 14 besten Konzepte für die zweite Runde aus. In der finalen Jurysitzung vom 19.11.2015 wurde der Entwurf von Certov, Winkler + Ruck Architekten (Graz/Klagenfurt) zum Siegerprojekt gekürt. Zweitplatzierter des Wettbewerbs wurden Kim Nalleweg Architekten aus Berlin, Dritter Ilg Santer Architekten aus Zürich. Die Entwürfe der Architekturbüros Juri Troy Architects (Wien), Fiechter & Salzmann Architekten (Zürich) und querkraft architekten (Wien) erhielten Anerkennungspreise.

Mit der Realisierung steht dem Museum in Zukunft eine Nettonutzfläche von rund 12.000 m2 zur Verfügung (bislang 6.900 m2). Im Zuge der Detailplanung wurden die räumliche Nutzungen bereits im Wesentlichen festgelegt. Im Altbestand werden die erweiterte Dauerausstellung und die Büroflächen untergebracht, der überwölbte Baukörper bietet ausreichend Platz und Flexibilität für Wechselausstellungen. Das zwischengelagerte transparente Fugengeschoß soll für Veranstaltungen, einen frei zugänglichen öffentlichen Raum mit Blick über den Karlsplatz und Vermittlungsaktivitäten für Schulklassen und andere Besuchergruppen genutzt werden. Im Erdgeschoß lädt zukünftig ein Museumscafé mit Zugang vom und auf den Karlsplatz zum Verweilen ein. Eine zusätzliche unterirdische Erweiterung beherbergt Depotflächen und Technikräume.

Sammlungen und Aktivitäten

Das Wien Museum verfügt über umfangreiche Sammlungen von archäologischen Funden, Sach- und Bildzeugnissen zur Kultur-, Politik-, Sozial-, Wirtschafts- und Alltagsgeschichte aus der Zeit von 1500 bis zur Gegenwart, Porträts und Erinnerungsgegenstände von Wiener Persönlichkeiten, Fotografien, Grafiken, Pläne und Modelle zur topografischen Entwicklung der Stadt sowie eine reichhaltige Kunst- und Modesammlung. Zu den wichtigsten Exponaten der Dauerausstellung zählen unter anderem Überreste aus dem römischen Legionslager, die mittelalterlichen Glasfenster und Fürstenfiguren aus dem Stephansdom, gotische Tafelmalereien und Skulpturen, Waffen und Rüstungen des 15.-17. Jahrhunderts aus dem Bürgerlichen Zeughaus, die "Türkenbeute" der Zweiten Türkenbelagerung (1683) sowie die Gemälde der Barockzeit. Zu nennen sind weiters das Grillparzer- und das Loos-Zimmer und die beiden historischen Stadtmodelle.

Für die mehrmals im Jahr wechselnden Sonderausstellungen stehen drei Räume zur Verfügung. Neben den fast 400 Sonderausstellungen (bis 2014), die größtenteils im Haus am Karlsplatz gezeigt wurden, veranstaltete das Museum im Wiener Künstlerhaus die Großausstellungen "Die Türken vor Wien – Europa und die Entscheidung an der Donau" (1983), "Traum und Wirklichkeit – Wien 1870-1930" (1985, mit 622.000 BesucherInnen), "Bürgersinn und Aufbegehren – Biedermeier und Vormärz in Wien" (1987), "Alt-Wien – Die Stadt die niemals war" (2004) und "Kampf um die Stadt – Politik, Kunst und Alltag um 1930" (2009).


Museumsstandorte und Gedenkstätten

Direktoren


Literatur

  • Hundert Jahre Historisches Museum der Stadt Wien (Katalog zur 106. Sonderausstellung, red. v. Wilhelm Deutschmann), Wien 1987, S. 15-31
  • Sándor Békési / Monika Sommer: Arrested Development or Prolonged Stagnation? The Historical Museum of the City of Vienna and the First World War, in: Austrian Studies, 21 (2013), S. 121-141
  • Sándor Békési: Das Rathaus als Museums- und Ausstellungsort. Über Formen und Funktionen städtischer Repräsentation in Wien 1886-1958, in: Pils, Susanne Claudine u.a. [Hrsg.]: Rathäuser als multifunktionale Räume der Repräsentation, der Parteiungen und des Geheimnisses (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 55), Innsbruck u.a. 2012, S. 339-372.
  • Elke Doppler, Christian Rapp, Sándor Békési (Hrsg.): Am Puls der Stadt. 2000 Jahre Karlsplatz (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Wien Museums), Wien 2008
  • Franz Glück: Das historische Museum der Stadt Wien. Rückblick und Ausblick, in: Kulturarbeit der Stadt Wien 1945-1955, Wien 1955, S. 61-77 (Wiener Schriften, 1)
  • Wolfgang Kos und Peter Stuiber (Hg.): Wien Museum. Etappe 2003-2015, Wien: Metroverlag, 2015
  • Wolfgang Kos und Gudrun Ratzinger (Hg.): Fifty fifty. Kunst im Dialog mit den 50er Jahren (Katalog der 358. Sonderausstellung des Wien Museum Karlsplatz), Nürnberg: Verl. für Moderne Kunst, 2009
  • Wolfgang Kos: Aktiv Sammeln! (Aber wie?). Die Sammlungsstrategie des Wien Museums, in: Neues Museum. Die österreichische Museumszeitschrift, Februar 2008, S. 14-19
  • Gerald Matt, Siegfried Mattl, Thomas Miessgang: Vorstudie zu einem Leitbild für ein Wiener Stadtmuseum. Endbericht (Im Auftrag des Wissenschaftszentrum Wien), Wien 2002.
  • Sylvia Mattl-Wurm: Vom Scheitern der Moderne im Wiener Museumswesen, in: Herbert Posch (Hg.), Politik der Präsentation. Museum und Ausstellung in Österreich 1918-1945, Wien 1996, S. 143-166
  • Gerhard Murauer: "In dieser drangvollen Zeit..." Zur Weltkriegssammlung der Stadt Wien, in: Alfred Pfoser / Andreas Weigl (Hrsg.): Im Epizentrum des Zusammenbruchs. Wien im Ersten Weltkrieg, Wien 2013, S. 540-555
  • Alexander Ortel: Die Städtischen Sammlungen, in: Amtsblatt der Stadt Wien, 53 (1948) 102, S. 1 f.
  • Hermann Reuther: Das historische Museum der Stadt Wien, in: Das neue Wien. Städtewerk, Wien 1927, S. 113-130 (hg. v. d. Gemeinde Wien, Bd. 2)
  • Monika Sommer: Stadt im Museum. Wien und die Musealisierung in der Gründerzeit, in: Wolfgang Kos / Christian Rapp (Hg.): Alt-Wien. Die Stadt, die niemals war (Katalog zur 316. Sonderausstellung des Wien Museums), Wien 2004, S. 77-85
  • Robert Waissenberger: Bewahrte Geschichte - die städtischen Museen der Stadt Wien, Wien 1979


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