Warenhaus Steffl

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Art des Bauwerks Gebäude
Jahr von 1949
Jahr bis
Andere Bezeichnung
Frühere Bezeichnung Zur goldenen Kugel, Zur plaben (blauen) Gugel, Zur blauen Kugel, Kleines Kaiserhaus, Mozart-Sterbehaus, Mozarthof, Warenhaus Neumann
Benannt nach
Einlagezahl
Architekt Carl Appel, Rudolf Vorderegger
Prominente Bewohner Adam Johann Braun, Franz Grillparzer, Wolfgang Amadeus Mozart, Wilhelm Kreß
Quelle Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Paul Harrer: Wien, seine Häuser
Letzte Änderung am  5.06.2017 durch DYN\krabina
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BezirkStraßeHausnummer
1Kärntner Straße19
1Rauhensteingasse6-8

frühere Adressierung

Derzeit wurden noch keine frühere Adressen zu diesem Bauwerk erfasst!

Konskriptions-bezirkKonskriptions-nummerJahr vonJahr bis
Stadt99517951821
Stadt93718211862
Stadt96217701795
Stadt100117951821
Stadt94318211862
Stadt97017701795
Stadt99217951821
Stadt93418211862
Stadt97117701795
Stadt99317951821
Stadt93518211862
Stadt97217701795
Stadt99417951821
Stadt93618211862
Stadt97317701795
Kartenausschnitt aus Wien Kulturgut

Warenhaus Steffl (1, Kärntner Straße 19, Rauhensteingasse 6-8).

Vorgängerbauten

Auf diesem Grundstück standen ursprünglich fünf Bauten:

Rauhensteingasse 6

Haus Stadt 937

Dieses Gebäude lässt sich ab 1432 urkundlich belegen, als es der Baumeister Hans von Prachatitz von seinem Schwiegervater Michel Spiegler kaufte. 1551 wurde eine Haushälfte von der Stadt Wien eingezogen, da dessen Besitzerin ohne Erben verstorben war und der Mitbesitzer, ihr Bruder, vor ettlich vil jaren ausser lannds verloren und nit wissentlich ob er lebendig oder todt ist." Später fiel auch noch die zweite Haushälfte an die Stadt, die das gesamte Gebäude 1564 um 500 Pfund Wiener Pfennig verkaufte. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es wegen unbezahlter Steuern und anderer Forderungen erneut in den Besitz der Stadt, wurde aber rasch wieder veräußert.

1799 wurde ein vier Stockwerke hoher Neubau auf einer Grundfläche von 309 Quadratmetern errichtet (die Häuserkataster von 1869, 1875 und 1885 geben 1810 als Baujahr an). 1804 erwarben es der akademische Maler Adam Johann Braun und seine Frau Elisabeth. Im Jahr 1831 wohnte hier Franz Grillparzer für kurze Zeit. Mit Kaufvertrag vom 17. November 1916 erwarben es Josef und Julius Neumann. 1941 wurde die Realität beschlagnahmt und der Reichsfinanzverwaltung des Deutschen Reiches einverleibt. 1947 wurde es zurückgegeben und 1949 von der "Neumann, Kärntnerstraße, Bekleidungs A.G." übernommen.


Rauhensteingasse 8

Haus Stadt 936 "Zum goldenen ABC"

Die erste urkundliche Nennung dieses Hauses stammt aus dem Jahr 1417. Neben dem ab 1729 gebräuchlichen Namen "Zum goldenen ABC" sind auch die Schildnamen "Zur plaben (blauen) Gugel" (1478) und "Zur goldenen Kugel" (1670) belegt. Im Haus befand sich eine Bierschenke, die später in eine Branntweinschenke umgewandelt wurde. Von Realis ist eine genaue Beschreibung des Gebäudes erhalten. 1847 wurde es von Pietro di Galvagni erworben (ausführlichere Beschreibung im Artikel Zum goldenen ABC).

Haus Stadt 935

Ab 1438 lassen sich die Besitzer dieses Gebäudes urkundlich belegen. Am 24. April 1676 kaufte es das Himmelpfortkloster, das es aber schon 1687 wieder veräußerte. Zwischen 1664 und 1795 wurde das bisher einstöckige Gebäude um ein Stockwerk erhöht. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts befand sich im Haus eine "Leseanstalt". Mit Kaufvertrag vom 29. September 1846 ging es in den Besitz von Pietro di Galvagni über.

Haus Stadt 934 "Kleines Kaiserhaus"

Dieses Haus trug den Namen "Kleines Kaiserhaus". Wie es zu diesem Name kam, bleibt unklar, obwohl es zu den meistbeschriebenen Häusern der Inneren Stadt zählt, da Wolfgang Amadeus Mozart hier starb. Wahrscheinlich leitet er sich von der Familie Kaiser ab, die das Gebäude in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts besaß. Erstmals belegt ist er jedoch erst 1778! Ursprünglich trug es den Schildnamen "Zur blauen Kugel". Die früheste urkundliche Nennung dieses Hauses stammt aus dem Jahr 1422. 1791 bezog Mozart eine repräsentative Wohnung im ersten Stock. Er komponierte hier "Die Zauberflöte" sowie das Requiem. In den Morgenstunden des 5. Dezember 1791 verstarb er in einem Raum, der an das Nachbarhaus Stadt 933 (1, Rauhensteingasse 10) grenzte. Da das "Kleine Kaiserhaus" weit in die Rauhensteingasse hineinragte, konnte Mozart von seinem Sterbezimmer aus in die Himmelpfortgasse sehen. Am 12. November 1846 wurde das Gebäude von Pietro di Galvagni erworben.

Mozarthof

Nachdem Pietro di Galvagni 1847 im Besitz der Häuser 934 bis 936 war, ließ er diese abtragen und 1847/1848 durch einen Neubau ersetzen, der den Namen "Mozarthof" erhielt. Die Pläne stammten von Martinelli. Im Stiegenhaus ließ Galvagni eine Mozartbüste mit folgender Inschrift aufstellen: "Der Tonkunst unerreichtem Meister, der bis zum Tode hier gewohnt, weihte dieses Denkmal bei Umbau des Hauses Pietro di Galvagni, 1849". Im Hausflur befand sich eine Büste, die Gaetano Donizetti darstellte. Die Fassade zierten steinerne Brustbilder von Luigi Cherubini, Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Christoph Willibald Gluck, Carl Maria von Weber und Gioacchino Rossini. Sie alle stammten vom Bildhauer Johann Baptist Feßler. Außerdem war eine Inschrifttafel angebracht, die darauf hinwies, dass hier ehemals drei Häuser standen und Mozart im Haus Nummer 934 wohnte und starb. Im Hof wurde ein bemerkenswerter Brunnen errichtet.


Kärntner Straße 19

Haus Stadt 943

Die erste urkundliche Nennung eines Hauses auf diesem Grundstück stammt aus dem Jahr 1440. 1781 kauften es die k.k. Großhändler Adam und Leopold Hönig. Danach blieb es im Besitz dieser Familie, die später den Namen Edle von Hönigstein und danach Hönig von Henikstein führte. Unter Joseph Ritter von Henikstein wurde das Haus im Jahr 1815 umgebaut (vier Stockwerke, Grundfläche: 964 Quadratmeter). Ab 1838 war Wilhelm von Henikstein (Teil-)Besitzer. Dieser war unter dem Namen "der schöne Baron Wilhelm" wegen seiner Eigenheiten stadtbekannt, die auch von Wilhelm Maximilian Kisch beschrieben wurden. 1873 erwarb der Wiener Bauverein das Gebäude, um es abbrechen zu lassen. Dieser Plan wurde jedoch nicht ausgeführt und das Haus 1875 an Gabriel Reichsfreiherr von Gudenus verkauft.

Warenhaus Neumann

1895/1896 (laut Paul Kortz erst 1900) wurde anstelle des alten Gebäudes ein 1893 von Otto Wagner entworfener Neubau errichtet. Dieser stand auf einer Grundfläche von 812 Quadratmetern, war vier Stockwerke hoch und beherbergte das Herrenkonfektionsgeschäft M. Neumann. An der Schauseite präsentierte es sich mit Glas, weißem Mamorputz und vergoldetem Porzellan. Sogar tragende Eisenteile wurden vergoldet. 1909 wurde die Fassade um zwei Stockwerke vergrößert und im darauffolgenden Jahr von den Reichsfreiherren Gudenus an Josef und Julius Neumann verkauft. 1941 beziehungsweise 1943 wurde das Objekt der Reichsfinanzverwaltung des Deutschen Reiches einverleibt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (11. und 12. April 1945) brannte das Haus vollständig aus und wurde 1949 abgebrochen. Aufgrund des Sacheinlage- und Sachübernahmevertrags vom 3. beziehungsweise 5. November 1949 wurde das Eigentumsrecht der "Neumann Kärntnerstraße Bekleidungs AG" übertragen (ausführlichere Beschreibung im Artikel Warenhaus Neumann).


Heutiges Haus

1949/1950 errichtete Carl Appel für die Firma Neumann einen Neubau (in dem am 1. Mai 1979 ein Brand ausbrach und dessen Fassade 1986 durch Rudolf Vorderegger verändert wurde). Das Kaufhaus kam über die Gerngroß-Gruppe an den Konsum (der in den Jahren zuvor verschiedene ergebnislos verlaufende Verkaufsverhandlungen, darunter mit einem Japanischen Konsortium, geführt hatte) und wurde 1995 in dessen Ausgleich einbezogen. Im Zuge der Ausgleichsabwicklung wurde die Gerngroß-Gruppe 1996 an ein Konsortium unter der Führung von Palmers (mit Wolford) und dem Besitzer der Werbegesellschaft GGK veräußert, musste jedoch noch vor der Übernahme durch dasselbe seinerseits den Ausgleich anmelden. Es ist vorgesehen, das Kaufhaus baulich umzugestalten; Verhandlungen über die Einmietung von Arnold Schwarzeneggers gehobener Fast-Food-Kette "Planet Hollywood" wurden aufgenommen.


Gewerbe und Firmen innerhalb des Hauses im Laufe der Jahre

Haus Stadt 936:

  • Bierschenke
  • Branntweinschenke

Haus Stadt 935:

  • "Leseanstalt"

Kärntner Straße 19:

Heutiges Haus:

  • Warenhaus Neumann
  • Warenhaus Steffl


Literatur

  • Andreas Lehne: Wiener Warenhäuser 1865–1914. Wien 1990, S. 166 ff.
  • Walter Jaksch, Siegbert Langner [Hgg.]: Carl Appel. 1988, S. 80 ff.
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 1. Teil. Wien ²1955 (Manuskript im WStLA), S. 146-155 (Rauhensteingasse 6-8)
  • Paul Harrer-Lucienfeld: Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur. Band 5, 2. Teil. Wien ²1956 (Manuskript im WStLA), S. 438-441 (Kärntner Straße 19)